Auch auf Madagaskar hat man Reste eines Riesenvogels gefunden, unter anderen eine große Zahl von Eiern, von denen eines dem Rauminhalt nach etwa 150 Hühnereiern gleichkommt. Nach den Aussagen der Eingeborenen soll jener Vogel heute noch existieren.[4] Das alles weist auf ehemalige größere Landanhäufungen auf der südlichen Halbkugel, denn niemals bringen isolierte Inseln so gewaltige Tiere hervor wie die Moas und die madagassischen Riesenstrauße.

Daß diese nicht fliegen konnten, ist wohl selbstverständlich; sie scheinen aber nicht einmal gute Läufer gewesen zu sein. Da ist es erklärlich, daß sie von den Insulanern ausgerottet wurden. Die Moas zählt man zu den Scharrvögeln; sie sollen mit ihren ungemein kräftigen Füßen die Erde nach allerlei Wurzeln aufgewühlt haben. Daneben verzehrten sie wohl auch Reptilien und Insekten.

[4] Die Hoffnung, im Innern der Insel solche zu finden, ist indes nicht in Erfüllung gegangen.

Säugetiere.

Einiges über Ursprung und Entwicklung.

Endlich kommen wir zu jener Klasse, die sich zuletzt zu einer glänzenden Höhe emporgeschwungen, die unbedingte Herrschaft über alle anderen angetreten hat, diese Herrschaft zur Stunde weiter ausübt und immer noch in aufsteigender Bewegung begriffen ist. Das gilt freilich nur für einen beschränkten Teil der ganzen Klasse, speziell für die eigentlichen „Herren“; andere gehen zurück und zahlreiche Formen sind bereits ausgestorben. Für die Paläontologie kommen nur die letzteren in Betracht, das sind zirka 1000 Arten, während man etwa 2000 lebende zählt. Was sie im allgemeinen über alle anderen Tierklassen hinaushebt, das ist die treffliche Brutpflege — die Jungen werden mit der Muttermilch ernährt — und die beispiellose Entwicklung des Gehirns. Über ihre Abstammung besteht noch keine Klarheit; doch ist es mehr als wahrscheinlich, daß wir ihre Wurzeln bei den Reptilien, und zwar in der Nähe der Theromorphen (der Säugetierähnlichen), zu suchen haben, die selber wieder von Panzerlurchen oder Wickelzähnern abstammen.

Damit stimmt auch die Tatsache überein, daß die niedersten Säugetiere der Gegenwart, die Kloakentiere Australiens: Schnabeltier und Ameisenigel, die keine lebendigen Jungen zur Welt bringen, sondern Eier legen, mancherlei reptilienhafte Züge aufweisen. Die Abzweigung von den Theromorphen muß schon frühzeitig erfolgt sein, wahrscheinlich in der älteren Triaszeit. In der Jura- und Kreideformation sind nur wenige und recht dürftige Funde gemacht worden. Die einen scheinen niedrigen Kloakentieren anzugehören, während andere unzweifelhaft von Beuteltieren herrühren. Diese besitzen nämlich am Unterkieferwinkel einen hakenförmigen Fortsatz, der den übrigen Säugern fehlt. Außerdem haben die Weibchen in der Beckengegend zwei kleine Knochen, die als Stütze für eine Hauttasche dienen, in welcher die hilflosen Jungen längere Zeit herumgetragen werden. (Übrigens haben die Kloakentiere ebenfalls Beutelknochen.) Während des Mittelalters (Trias, Jura, Kreide) scheinen die Säuger von ganz untergeordneter Bedeutung gewesen zu sein; erst in der Tertiärzeit treten sie in erstaunlicher Machtfülle und Vollkommenheit auf den Plan. Eine so sprungweise, gleichsam explosive Entwicklung erscheint aber sehr unnatürlich, und somit ist die Vermutung wohl berechtigt, daß die Hauptentwicklung, das heißt der Aufstieg von den Kloakentieren zu den Beuteltieren und von diesen zu den modernen, höheren Ordnungen (Huftiere, Wale, Raubtiere, Nagetiere, Affen usw.) in untergegangenen oder unzugänglichen oder doch unerforschten Ländern stattgefunden hat.

Die drei Unterklassen der Säuger können mit drei organisatorisch und zeitlich weit auseinanderliegenden Wanderzügen verglichen werden. Die erste Unterklasse (Kloakentiere), aus der jüngsten Trias stammend, hat sehr geringe Spuren hinterlassen und konnte neben der alles beherrschenden Saurierklasse nicht emporkommen. Hätten sich nicht zufälliger- und glücklicherweise die obengenannten zwei Gattungen der Ameisenigel und Schnabeltiere im weltabgeschiedenen Australien erhalten, so wüßten wir von jener Tierwelt, die auf Jahrmillionen zurückblicken kann, so gut wie nichts. Sie trugen wohl in sich den Keim zur höheren Entwicklung, fanden aber keinen Ausweg aus dem Elend ihrer Pariaskaste.

Die zweite Unterklasse (Beuteltiere) unterschied sich von der ersten beträchtlich. Die heute noch lebenden Beutler, die fast ausschließlich Australien angehören, wo sie keine Konkurrenten hatten, sind nur ein schwacher Abglanz ehemaliger Herrlichkeit. Vorzeiten waren sie fast über die ganze Erde verbreitet, traten in zahlreichen Unterordnungen, Familien, Gattungen und Arten auf und zählten wahre Riesen unter sich. Zu letzteren gehört zum Beispiel der Riesenwombat (Diprotodon), ein Beutelnagetier von der Größe eines Nashorns. Mit seinen Nagezähnen konnte es die größten Bäume fällen und deren Rinde abschälen. Ein überlebender Vetter, der heutige gewöhnliche Wombat Neuhollands, erreicht nur die Größe eines Dachses. Auch die ausgestorbenen Känguruharten waren riesige Geschöpfe, neben denen sich die heutigen Känguruhs, die größten überlebenden Beutler und die größten einheimischen Säugetiere Australiens, geradezu kläglich ausnehmen.