Im vorliegenden Werk ist der Versuch gemacht worden, die Entwicklungsstheorie in einer Art und Weise darzustellen, die von der bisher üblichen stark abweicht. Die Auffassung, die dieser neuen Darstellung zugrunde liegt, ist vom Verfasser in der nur Fachmännern zugänglichen wissenschaftlichen Literatur begründet worden. Die Anforderungen, die an die Vorkenntnisse der Leser gestellt werden, sind sehr bescheiden. Dagegen wird beim Leser der gute Wille vorausgesetzt, etwas zu lernen.

Die populäre Literatur hat die Mission, dem Leser aus den breiten Volksschichten die Arbeitsweise und die Ergebnisse der Wissenschaft in einem seinem Fassungsvermögen angepaßten Stil beizubringen. Aber die populäre Literatur soll und kann nicht zum Schlaraffenland werden, wo einem die gebratenen Tauben in den Mund fliegen. Wer etwas lernen will, muß den festen Willen haben, sich durch die schwierige Materie durchzuarbeiten. Und gerade das arbeitende Volk weiß es doch am besten, daß alles, was Bestand haben soll, durch Arbeit errungen werden muß. Man strebe also auch nicht nach einem „mühelosen“ Erwerb wissenschaftlicher Anschauungen, sondern suche sich die Grundbegriffe klarzumachen, mit denen die Wissenschaft arbeitet, und die Tatsachen, von denen sie sich zu den weltumspannenden Gedanken erhebt. Dann erst sind die erworbenen Anschauungen aus einer richtigen und festen Grundlage aufgebaut.

Liebknechts
Volksfremdwörterbuch

Sechzehnte Auflage.

Neu bearbeitet, berichtigt und vermehrt.
Preis gebunden 30 Mark.