Am Abend fragte ich Bimala, ob sie Lust hätte, eine kleine Reise in die Berge zu machen. Ich wußte, daß sie sich sehnlich wünschte, den Himalaja zu sehen. Aber sie wollte nicht... Die Sache des Vaterlandes hinderte sie wohl!

Ich darf mein Vertrauen nicht verlieren, ich werde warten. Die Durchfahrt von der engen zur weiten Welt ist stürmisch. Wenn sie sich an die Freiheit gewöhnt hat, werde ich wissen, wo mein Platz ist. Wenn ich erkenne, daß ich in die Einrichtungen der Welt da draußen nicht hineinpasse, so werde ich nicht hadern mit meinem Schicksal, sondern schweigend gehen... Gewalt anwenden? Wozu? Vermag Gewalt etwas gegen die Wahrheit?


SANDIPS ERZÄHLUNG

I

Der Unfähige sagt: Was mir zugeteilt wird, ist mein. Und der Schwache stimmt ihm zu. Aber die ganze Welt lehrt uns: Das nur ist wirklich mein, was ich mir erobern kann. Mein Vaterland ist noch nicht dadurch mein, daß ich darin geboren bin. Es wird erst mein an dem Tage, wo ich imstande bin, es mir zu unterwerfen.

Jeder Mensch hat von Natur ein Recht auf Besitz, und daher ist Habsucht etwas Natürliches.

Die Natur in ihrer Weisheit will nicht, daß wir ruhig verzichten. Wonach mein Sinn verlangt, das muß meine Umgebung mir schaffen. Dies ist hier auf Erden das einzig wahre Verhältnis zwischen unsrer innern und äußern Welt. Überlaßt die sittlichen Ideale den armen, bleichsüchtigen Geschöpfen, die zu matt sind, um zu begehren, und zu schwach, um zuzugreifen. Die, welche mit ganzer Seele begehren und mit ganzem Herzen genießen, für die es keine Bedenken und Skrupel gibt, sie sind die Auserwählten und Gesalbten der Vorsehung. Für sie breitet die Natur ihre reichsten und schönsten Schätze aus. Sie schwimmen durch Ströme, springen über Mauern, stoßen Türen ein, um sich das zu verschaffen, was ihnen der Mühe wert scheint. Auf diese Weise die Dinge erlangen ist Genuß; denn jedes Ding erhält erst dadurch seinen Wert, daß man darum kämpft.

Die Natur ist ganz bereit, sich hinzugeben, aber nur dem Räuber. Denn sie hat Lust an diesem ungestümen Verlangen, an dieser gewaltsamen Entführung. Und daher legt sie ihren Kranz nicht um den magern, dürren Hals des Asketen. Die Musik des Hochzeitsmarsches ertönt. Ich darf die Hochzeitsstunde nicht vorbeigehen lassen. Mein Herz ist voll Verlangen. Denn — wer ist der Bräutigam? Ich bin es. Die Braut gehört dem, der mit der Fackel in der Hand zur rechten Stunde kommt. Der Bräutigam im Hochzeitssaal der Natur kommt unerwartet und ungeladen.