Als sie fort war, flammte meine Leidenschaft heißer auf, gleichwie die Wolke sich tiefer färbt, wenn die Sonne hinabgesunken ist. Ich fühlte, daß ich mir den Augenblick aller Augenblicke hatte entgleiten lassen.

Welch ein erbärmlicher Feigling war ich gewesen! Sie war gewiß aus bloßem Ekel vor meinem schwächlichen Zaudern von mir gegangen, — und sie hatte recht!

Während diese Gedanken mich schmerzhaft durchzuckten, kam ein Diener und meldete Amulja, einen unsrer jungen Leute. Ich hätte ihn am liebsten abgewiesen, aber bevor ich mich dazu entschließen konnte, trat er ein. Dann begannen wir über die Nachrichten zu sprechen, die wir von den verschiedenen Distrikten hatten, und von ihren Kämpfen um ausländische Waren, und bald war die Luft von allen berauschenden Dünsten gereinigt. Mir war, als erwachte ich aus einem Traum. Ich sprang auf, ganz bereit zum Kampf, — Bande Mataram!

Es gab verschiedene Neuigkeiten. Die meisten von den Händlern, welche Pächter von Harisch Kundu waren, waren zu uns übergegangen. Viele von Nikhils Angestellten waren auch heimlich auf unsrer Seite und zogen die Drähte in unserm Interesse. Die Kaufleute von Marwari erboten sich, eine Geldbuße zu zahlen, wenn sie nur mit ihren augenblicklichen Vorräten räumen dürften. Nur einige mohammedanische Händler waren noch hartnäckig.

Einer von ihnen hatte ein paar deutsche Schaltücher für seine Familie gekauft. Sie wurden ihm unterwegs abgenommen und von einem unsrer jungen Leute aus dem Dorfe verbrannt. Dies hatte zu Unannehmlichkeiten Anlaß gegeben. Wir waren bereit, ihm indische Wollstoffe dafür zu kaufen. Aber wo waren billige indische Wollsachen zu haben? Wir konnten ihm seine Tücher doch nicht gut durch Kaschmirschals ersetzen! Er ging und beklagte sich bei Nikhil, der ihm riet, vor Gericht zu klagen. Natürlich sorgten Nikhils Leute dafür, daß nichts dabei herauskam, da sein Rechtsanwalt selbst auf unsrer Seite war.

Die Sache ist nämlich die: wenn wir die verbrannten ausländischen Stoffe jedesmal durch indische Stoffe ersetzen und noch obendrein einen Prozeß durchkämpfen sollen, — woher sollen wir das Geld nehmen? Und das Beste dabei ist, daß die Zerstörung ausländischer Waren den Bedarf noch vermehrt und damit also den Fremden Vorteil bringt. Es geht ihnen damit wie dem glücklichen Händler, dem der Nabob seine Kristalleuchter zerbrach, weil ihm das Klirren des zerbrechenden Glases so viel Spaß machte.

Eine andere Frage ist, ob wir, da es keine billigen bunten indischen Wollstoffe gibt, die Boykottierung der ausländischen Flanelle und Merinos so streng durchführen oder eine Ausnahme zu ihren Gunsten machen sollen.

»Weißt du,« sagte ich schließlich in bezug auf den ersten Punkt, »wir werden auf keinen Fall fortfahren, denen, deren ausländische Stoffe beschlagnahmt sind, dafür indische Stoffe zum Geschenk zu machen. Die Strafe soll sie treffen, nicht uns. Wenn sie uns verklagen, so müssen wir es ihnen dadurch heimzahlen, daß wir ihnen ihre Scheunen niederbrennen! — Was erschreckt dich dabei, Amulja? Es ist nicht die Aussicht auf ein großartiges Feuerwerk, was mich lockt. Du mußt bedenken, daß wir im Kriege sind. Wenn du Angst hast, Leiden zu verursachen, so geh und suche dir Liebesfreuden; für unsre Aufgabe können wir dich dann nicht brauchen!«