Die Sonne stieg auf zum Scheitel, und Tauben girrten im Schatten. Welke Blätter tanzten und wirbelten in heißen Lüften des Mittags. Der Hirtenbub dämmerte und träumte im Schatten des Feigenbaumes – und ich legte mich nieder am Wasser und dehnte die müden Glieder ins Gras.
Die Gefährten spotteten mein, mit erhobenem Haupte eilten sie fort. Sie schauten nicht rückwärts, sie ruhten nicht. Sie schwanden im fernen blauenden Dunst. Sie kreuzten Wiesen und Hügel und zogen durch fremde entlegene Lande. Ehre sei dir, du heldisches Heer, auf unendbarem Pfade! Spott und Verachtung spornten mich, weiter zu wandern, aber sie fanden nicht Antwort in mir. Ich gab mich verloren in Tiefen glücklicher Demut, im Schatten dämmriger Freude.
Die Ruhe der sonnengesäumten grünen Dämmrung legte sich langsam über mein Herz. Ich vergaß, warum ich gewandert, und ergab meinen Geist ohne Kampf dem Gewirre von Schatten und Liedern.
Zuletzt erwacht ich vom Schlummer und öffnet die Augen, da sah ich dich vor mir stehn, meinen Schlaf überflutet von deinem Lächeln. Wie hatt ich gefürchtet, daß der Pfad mir zu lang und ermüdend, und der Kampf dich zu erreichen zu hart sei!
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Du kamst herab von deinem Thron und standest am Tor meiner Hütte.
Ich sang ganz allein für mich in einer Ecke, und dein Ohr fing meine Melodien auf. Du kamst herab und standest am Tor meiner Hütte.
Meister sind viele in deiner Halle, und Sänge singt man dort alle Stunden. Aber des Neulings einfaches Loblied traf deine Liebe. Die klagende kleine Weise mischte sich mit der großen Musik der Welt, und du kamst mit einer Blume als Preis herab und hieltest am Tor meiner Hütte.