„Aber was denn eigentlich, Kind?“
„Alles das: diese Bilder und diese Dinge und Sie, Frau Malcorn, und Harald – ja, auch Harald.“
Frau Malcorn schüttelt leise den Kopf. „Sind denn einsame Menschen so anders als –“
„Einsame Menschen? – Ja. Vielleicht. Aber das ist es nicht allein.“ Marie Holzer geht zu dem anderen Fenster hin. Und dann: „Sie sind nicht einsam eigentlich. Sie leben unter vielen, bloss nicht unter uns, nicht unter uns heutigen. – Sie haben so viel Bilder hier. Sie haben mir ja schon oft gesagt, wer alle diese Menschen waren. Diese traurigen Frauen alle und diese feierlichen Herren. Und ich weiss auch, dass sie längst gestorben sind. Manche vor zweihundert Jahren, manche noch früher. In Frieden gestorben, – aber – wissen Sie auch wirklich, dass das alles nur Bilder sind?“
Wie beunruhigt durch die leise Furcht, die diese Frage des Mädchens vor sich herjagt, steht Frau Malcorn auf und kommt zu Marie. Und während sie eine Hand auf Mariens Schulter legt, streichelt diese leise die andere Hand. „Sie sind so zart, so blass. – Als ob viele Menschen von ihrem Leben mitlebten.“ Pause. „Alle diese ....“
Man erkennt schon kaum mehr die furchtsame Bewegung, mit welcher Marie in das Zimmer weist. So dunkel ist es geworden. Und in das Schweigen wirft sich von draussen der Sturm.
Aber da beginnt Marie Holzer laut und in anderem Ton:
„Sie müssen sich schonen, Frau Malcorn. O, verzeihen Sie, wenn ich so spreche. Ich fühle mich manchmal älter, wie Ihre ältere Schwester.“
„Und sind doch so jung?“ lächelt Frau Malcorn und küsst sie auf die Stirn.
„Ja, ich bin jung. Und ich bin dessen froh. Ich fühle so viel Kraft in mir. Ich möchte so vieles thun.“ Und da ist eine Ungeduld in ihren Händen, als ob sie sie gleich an alles Werden legen wollte, das zu langsam geht.