„Soso“ macht Harald, schon wieder weit, von ganz Fremdem erfüllt und wendet sieh an Marie. „Es ist nämlich wichtig, dass wir die Sache heute noch erledigen. Es kommt jetzt so viel. Als ob es auch in den Herzen nicht Tag würde jetzt, – wie draussen. So viel Elend überall. Physisches Elend, Not, Armut, Krankheit; – geistiges Elend, Dünkel, Vorurteil und Eigennutz. Und zu allem: Das Beharren darin, die Trägheit. Die fürchterliche, dumpfe, unheilbare Trägheit! Dieses grosse Joch des Gestern, in dem sie alle gehen. Sie haben ihre Leiden und ihre Freuden. Unbedeutende, gehässige Schmerzen und ein banges, falsches, ängstliches Glück. Aber sie bleiben dabei. Versuch's, sie heraus zu heben: sie wehren sich. Und reisst du sie einfach los von ihrer armseligen Gewohnheit, – so sind sie wie Ausgestossene und wollen zurück in die Pesthütte ihrer Vergangenheit. Alles umsonst.“ Und nach einer ratlosen Pause: „Und dabei hat man doch diesen ehrlichen Willen, diese ehrfürchtige Kraft, die nicht herrschen will, die bereit ist zu dienen und die kleinste, geringste Arbeit nicht scheut, wenn sie nur auf dem Wege nach vorwärts liegt. – Du weisst doch, Marie, wie gut, wie gerne ich überzeugt bin vom Ziel, nicht wahr? Du weisst doch, aus welcher Tiefe mir das alles kommt? Du hast's ja selbst einmal empfunden, nicht?“
„Lieber, ich empfind es jeden Tag wieder!“
„Und du glaubst an mich?“
„Wie an die Sonne.“
Da hält Harald ihr dankbar die Hand hin und fragt: „Heisst das: Blüten oder Früchte glauben?“
„Beides. Eines nach dem andern, Harald.“
„Eines nach dem andern?.. Das braucht Zeit, Marie, viel Zeit ...“
„Wir sind jung.“
„... und Geduld ...“
„Die hast du.“