3. KRIEGSKNECHTS-SANG
Lag auf einer Trommel nackt,
kaum zwei Spannen lang,
und der rauhe Trommeltakt
war mein Wiegensang.
Wild zu wettern taugte ich
damals schon im Zorn,
meine Milch, die saugte ich
aus dem Pulverhorn.
Damals taufte jeden gut
der Korp'ral; beim Schopf
nahm er ihn, goß Schwedenblut
heiß ihm übern Kopf.
4. KRIEGSKNECHTS-RANG
Bei uns gibts nicht Edelinge,
die was gelten durch ihr Blut,
jedes Rang ist jedes Klinge,
und sein Wappen ist der Mut.
Wer nur immer kühn sein Schwert
hält den Schild von Schande rein,
wer noch gestern unterm Heer zog,
Herzog kann er morgen sein.
5. BEIM KLOSTER
Was gibts?—Eine Klosterpforte?—
Ei, Potz Blitz!
Eine Tür von dieser Sorte
renn ich ohne viele Worte
ein mit meiner Nasenspitz!
Auf das Tor ein fester Stempel....
Pfaffe, komm!
Jetzt heraus mit deinem Krempel,
paar Monstranzen zum Exempel
und paar Kelche: wir sind fromm.
Laß jetzt dein: Peccavi, pater....
Leucht zum Wein
uns mit deiner Nase, frater,
dorten kannst du uns ein Rater,
und ein "Seelensorger" sein!
6. BALLADE
Gestern zogen wilde Horden
durch das Dörfchen hin mit Morden,
und ein Mädchen sinnt jetzt still:
Ist der Liebste untreu worden,
weil er heut nicht kommen will?—
Draußen schrien die Dohlen.
Mädchen ging mit bleicher Wange
durch das Haus.—Sie harrte lange,
und des Nachts floh sie der Schlaf.
Und sie schlich hinaus zum Hange,
wo sie stets den Teuren traf.
Ängstlich schrien die Dohlen.
Und die Nacht war schwarz, die schwüle,
fern nur brannte eine Mühle....
Weinend wählt die matte Maid
sich gar weiches Kraut zum Pfühle
und entschlief in lauter Leid.
Schrieen noch die Dohlen?
Spät erwacht sie. Nebel grauten
rings—soweit die Augen schauten....
Weh!—Was sie ein Kraut geglaubt,
ist das Haar an ihres Trauten
blutigem, zerschelltem Haupt.—
Schrecklich schrien die Dohlen.
7. DER FENSTERSTURZ
"Naht Verrat mit leisem Schritte,
ungerächt, bei der Madonna,
bleibt er nicht! Nach alter Sitte
zu den Fenstern!" schrie Colonna.
"Schont den Popel! doch die andern,
jeder eine feige Natter,
aus den Fenstern laßt sie wandern!
Mitleid?—Werft ihn mit, den Platter!"
Bange hangt am Fensterstocke
Martinitz noch.—Da Geröchel:
Turn schwingt seine Degenglocke
und zerschmettert ihm die Knöchel.
Und zum nächsten: "Sag, wie heißt er,
Böhmens Herr? du sollst mirs deuten!"
"Graf von Turn!"—"Der Bürgermeister
lasse alle Glocken läuten!"—
8. GOLD
"Dein Wams, Geliebter, ist voll Gold.
Wo hast das Gold du her?"—
"Da schaust du, Kind, das ist mein Sold,
kein Obrist hat wohl mehr!"
"Nein, das ist gutes, rotes Gold,
das kann dein Sold nicht sein!"
"Beim Spielen war das Glück mir hold,
und da ward alles mein!"
"Ist wirklich alles dein—das Gold,
gesteh,—und ists kein Trug?"—
"Nun, Würfel haben mit gerollt
und jetzt laß es genug!"
"Und gibst du mir auch von dem Gold?"
"Das weißt du!"—"Nein, du Schelm,
just auf der Stelle, sieh, ich wollt,
du füllst mir deinen Helm!"
"Es sei!"—"Wies durch die Finger bebt,
der Glanz gefällt mir gut!—
... Schau, was dir da am Finger klebt,
kam das vom Golde?—Blut!"—....
9. SZENE
Du kniest am Markstein, Alter, sprich!—
Das ist kein Heilgenbild!"
"Kein Bild?—Ich bet.—Es faßte mich
das Schicksal gar so wild."
"Hast du kein Haus, hast du kein Land,
das deiner Hände braucht?"
"Das Land zerstampft, das Haus verbrannt,
sieh hin—gewiß—es raucht."
"Was bauts nicht wieder auf dein Sohn
und hilft dir aus der Not?"
"Mein Sohn zog in den Krieg davon,
jetzt ist er sicher tot."—
"Was streicht dir deines Haares Schnee
der Tochter Hand nicht, weich?"—
"Der bracht ein Troßbub Schand und Weh,
da sprang sie in den Teich."—
"So sieh mir ins Gesicht!—Und brach
das Herz dir auch vor Graus...."
"Ich kann nicht, Herr, ein Kriegsknecht stach
mir beide Augen aus."
10. FEUERLILIE
Winters, ab die Äste krachten,
keine Bäche konnten frieren,
weil die Fluten Blutes ihren
Pulsschlag immer neu entfachten.
Als die Zeit kam, da die Blume
aufwacht und der Vogel flötet,
sprang die Lilie selbst gerötet
aus der todgedüngten Krume.
11. BEIM FRIEDLAND
Heimgekehrt von Schlacht und Schlag
freut sich Obrist und Gemeiner;
denn jetzt hält der Wallensteiner
wieder seinen Hof zu Prag.
Just ließ frei den Turn er ziehn;
das war so von seinen Trümpfen
einer.—Drauf ward Nasenrümpfen
Mode ... dort bei Hof zu Wien.
Laßt sie zetern. Friedlands Heer
muß nicht darben und nicht dürsten,—
und aus Knechten macht er Fürsten,
unser Herzog.—Wer kann mehr?
12. FRIEDEN
Prag gebar die Mißgestalt
dieses Krieges, der voll Tücke
hauste.—Auf der Karlsbrücke
starb er, dreißig Jahre alt.
Endlich riß das Eisenstück
nur dem Acker eine Schramme,
und vom Kirchturm schlug die Flamme
in den trauten Herd zurück.
BEI DEN URSULINEN
Geh mittags zu den Ursulinen,
wenn man den Armen Speise trug,
da siehst du, wie in müde Mienen
die Not schrieb ihren Namenszug.
Da siehst du Stirnen, die schon frühe
des Schmerzes Eisenreif umschloß,
und Wangen, die der Dunst der Brühe
mit falscher Röte übergoß.
Du hörst, wie leisem Dankesworte
sich Fluch bald, bald Gebet gesellt:
so brandet an der Klosterpforte
das ganze Elend dieser Welt.
AUS DER KINDERZEIT
Sommertage auf der "Golka"....
Ich, ein Kind noch—Leise her,
aus dem Gasthaus klingt die Polka,
und die Luft ist sonnenschwer.
Sonntag ists.—Es liest Helene
lieb mir vor.—Im Lichtgeglänz
ziehn die Wolken, wie die Schwäne
aus dem Märchen Andersens.
Schwarze Fichten stehn wie Wächter
bei der Wiesen buntem Schatz;
von der Straße dringt Gelächter
bis zu unserm Laubenplatz.
An die Mauer lockt uns beide
mancher laute Jubelschrei:
drunten geht im Feierkleide
Paar um Paar zum Tanz vorbei.
Bunt und selig, Bursch und Holka,
Glück und Sonne im Gesicht!—
Sommertage auf der "Golka",—
und die Luft war voller Licht....
RABBI LÖW
"WESER Rabbi, hoher Liva, hilf uns aus dem
Bann der Not;
heut gibt uns Jehova Kinder, morgen raubt sie uns
der Tod.
Schon faßt Beth Chaim nicht die Scharen, und
kaum hat der Leichenwart
eins bestattet, nahen andre Tote; Rabbi, das
ist hart."
Und der Rabbi; "Geht und schickt mir einen
Bocher rasch herein—"
So geschiehts; "Wagst du nach Beth Chaim diese
Nacht dich ganz allein;"
"Du befiehlst es, weiser Meister?" "Gut, so hör,
um Mitternacht
tanzen all die Kindergeister auf den grauen
Steinen sacht.
Birg dich dorten im Gebete, und wenn Furcht dein
Herz beklemmt,
Streif sie ab: Du raubst dem nächsten Kinde kühn
sein Leichenhemd,
raubst es,—bringst es her im Fluge, her zu mir!
Begreifst du wohl?"
"Wie du heißest tun mich, Meister, tu ich!" klingt
die Antwort hohl.
Mitternacht und Mondgegleiße,—
... und es stürzt der totenblasse
Bocher bebend durch die Gasse,
in der Hand das Hemd, das weiße.
Da jetzt ... sind das seine Schritte?...
Jach kehrt er zurück das bleiche
Antlitz: weh, die Kindesleiche,
folgt ihm nach, im Aug die Bitte:
"... Gib das Linnen, ohne Linnen
lassen mich nicht ein die Geister...."
Und der Bocher, halb von Sinnen,
reicht es endlich seinem Meister.
Und schon naht der Geist mit Klagen....
"Sag, was sterben hundert binnen
Tagen?—Kind, du mußt es sagen,
früher darfst du nicht von hinnen."
So der Rabbi.—"Wehe, wehe,"
ruft der Geist, "aus unserm Stamme
haben zwei entehrt der Ehe
keusche, reine Altarflamme!
Hier die Namen!—Sucht nicht fremde
Ursach, daß euch Tod beschieden...."
Und der Rabbi reicht das Hemde
jetzt dem Kinde: "Zieh in Frieden!"
Kaum, daß aus dem Nachtkelch maijung
stieg der Tag in rosgem Licht,
hielt der Rabbi schon Gericht,—
und der Unschuld ward Befreiung.
Mit der Geißel des Gesetzes
brandmarkt er die Sünderstirn;—
langsam löste jedes Hirn
ich vom Bann des Fluchgenetzes.
Manches Paar war da erschienen,
dankerfüllt, daß Gott verzieh,
und der Weise segnet sie.—
Freude lag auf aller Mienen.
Nur der Bocher warf, der bleiche,
sich im Fieber hin und her....
Doch nach Beth Chaim lange mehr
trug man keine Kindesleiche.
DIE ALTE UHR
Bald hättest, alte Rathausuhr,
du nimmer dürfen Stunden weisen;
sie hätten bald in altem Eisen
versplittert deine letzte Spur.
Der Geizhals hart zum letztenmal
sein Haupt gewiegt in starrem Trotzen,
zum letztenmal der Tod mit Glotzen
geschwungen seinen Sensenstahl.
Dann hätt der Hahn auch ausgekräht.
Und heut noch kräht er; freilich heiser,
noch nickt der Geizhals fort, und leiser
droht ihm des Todes Majestät.
KÄMPFEN
I
Ein heißer Eid, ein gramerpreßter,
der leicht von jungen Lippen rinnt,
der machte zur barmherzgen Schwester
fast über Nacht ein blondes Kind.
Des jungen Lebens Wellen fließen
fortan durch Krankenstuben still;
es träumt ihr Herz noch vom Genießen,
wenn auch das Aug es leugnen will.
Denn mit der Strenge der Asketen
drängt sie zurück, was in ihr quillt,
und geht um Kraft nach Emaus beten
zum wunderstarken Gnadenbild.
SIEGEN
II
Der Tag beginnt sich kaum zu lichten;
"Heut sei im Glauben stark wie nie
und geh mit Gott an deine Pflichten:
Es ist ein Fall von Diphtherie...."
Sie pflegt und küßt den kleinen Kranken,
und doch packt ihn der Tod beim Hals....
Spät rafft sie auf sich, heimzuwanken,
erfröstelnd in dem Schutz des Schals.
Als man vorbei beim Kloster gestern
den Kleinen trug ins Bett von Lehm,
klang aus der "Kirche von den Schwestern"
ganz leis ein Totenrequiem....
IM HERBST
Ein Riesenspinngewebe, zieht
Altweibersommer durch die Welt sich;—
und der Laurenziberg gefällt sich
im goldig-bläulichen Habit.
Weil er so mild herübersieht,
sucht müd, gestützt auf Strahlenkrücken,
die Sonne hinter seinem Rücken
schon frühe ihr Valladolid.
DER KLEINE "DRATENÍK"
Kommt so ein Bursche, ein junger,
Mausfallen, Siebe am Rücken,
folgt mir durch Gassen und Brücken:
"Herr, ich hab 'türkischen Hunger'.
Nur einen Krajcar, nur einen
für ein Stück Brot, milost' pánků!"
Da!—Und er stammelt mir Dank zu,
doch läßt nicht Ruh er den Beinen.
Lebt nicht von bloßem Gelunger.—
Riecht an den Türen den Braten
und muß die Pfannen doch drahten—
leer:—das macht 'türkischen Hunger'.
IN DER VORSTADT
Die Alte oben mit dem heisern Husten,
ja, die ist tot.—Wer war sie?—Du mein Gott,
sie gab uns nichts,—ihr gab man Hohn und Spott....
Kaum, daß die Leute ihren Namen wußten.
Und unten stand der schwarze Kastenwagen.
Die letzte Klasse; als der Totenschrein
sich spreizte, stieß man fluchend ihn hinein,
und dann ward rauh die Türe zugeschlagen.
Der Kutscher hieb in seine magern Mähren
und fuhr im Trab so leicht zum Friedhof hin,
als wenn da nicht ein ganzes Leben drin
voll Weh und Glück und tote Träume waren.
BEI ST. HEINRICH
Hart am Kirchenaltargitter,
wo die Ampel flammt, die matte,
schlaft ein alter, alter Ritter
unter grauer Wappenplatte.
Lebend hielt er hoch sein Wappen,
sorgte immer für sein Blinken;—
weiß er, daß mit schmutzgen Schlappen
alte Weiber drüber hinken?
MITTELBÖHMISCHE LANDSCHAFT
Fern dämmert wogender Wälder
beschatteter Saum.
Dann unterbricht
nur hie und da ein Baum
die falbe Fläche hoher Ährenfelder.
Im hellsten Licht
keimt die Kartoffel; dann
ein wenig weiter Gerste, bis der Tann
das Bild begrenzt.
Hoch überm Jungwald glänzt
so goldig-rot ein Kirchturmkreuz herüber
aus Fichten ragt der Hegerhütte Bau;—
und drüber
wölbt sich ein Himmel, blank und blau.
DAS HEIMATLIED
Vom Feld klingt ernste Weise;
weiß nicht, wie mir geschieht....
"Komm her, du Tschechenmädchen,
sing mir ein Heimatlied."—
Das Mädchen läßt die Sichel,
ist hier mit Husch und Hui,—
setzt nieder sich am Feldrain
und singt: "Kde domov můj"....
Jetzt schweigt sie still. Voll Tränen
das Aug mir zugewandt,—
nimmt meine Kupferkreuzer
und küßt mir stumm die Hand.
TRAUMGEKRÖNT
(1897)
KÖNIGSLIED
Darfst das Leben mit Würde ertragen,
nur die Kleinlichen macht es klein;
Bettler können dir Bruder sagen,
und du kannst doch ein König sein.
Ob dir der Stirne göttliches Schweigen
auch kein rotgoldener Reif unterbrach,—
Kinder werden sich vor dir neigen,
selige Schwärmer staunen dir nach.
Tage weben aus leuchtender Sonne
dir deinen Purpur und Hermelin,
und, in den Händen Wehmut und Wonne,
liegen die Nächte vor dir auf den Knien....
TRÄUMEN
I
Mein Herz gleicht der vergessenen Kapelle;
auf dem Altare prahlt ein wilder Mai.
Der Sturm, der übermütige Geselle,
brach längst die kleinen Fenster schon entzwei;
er schleicht herein jetzt bis zur Sakristei
und zerrt dort an der Ministrantenschelle.
Der schrillen Glocken zager Sehnsuchtsschrei
ruft zu der längst entwöhnten Opferstelle
den arg erstaunten fernen Gott herbei.
Da lacht der Wind und hüpft durchs Fenster frei.
Doch der Erzürnte packt des Klanges Welle
und schmettert an den Fliesen sie entzwei.
Und arme Wünsche knien in langer Reih
vorm Tor und betteln an vermooster Schwelle.
Doch längst schon geht kein Beter mehr vorbei.
II
Ich denke an:
—Ein Dörfchen schlicht in des Friedens Prangen,
drin Hahngekräh;
und dieses Dörfchen verloren gegangen
im Blütenschnee.
Und drin im Dörfchen mit Sonntagsmienen
ein kleines Haus;
ein Blondkopf nickt aus den Tüllgardinen
verstohlen heraus.
Rasch auf die Türe, die angelheiser
um Hilfe ruft,—
und dann in der Stube ein leiser, leiser
Lavendelduft....
III
Mir ist: ein Häuschen wär mein eigen;
vor seiner Türe saß ich spät,
wenn hinter violetten Zweigen
bei halb verhalltem Grillengeigen
die rote Sonne sterben geht.
Wie eine Mütze grünlich-samten
steht meinem Haus das moosge Dach,
und seine kleinen, dickumrammten
und blank verbleiten Scheiben flammten
dem Tage heiße Grüße nach.
Ich träumte, und mein Auge langte
schon nach den blassen Sternen hin,—
vom Dorfe her ein Ave bangte,
und ein verlorner Falter schwankte
im schneeig schimmernden Jasmin.
Die müde Herde trollte trabend
vorbei, der kleine Hirte pfiff,—
und in die Hand das Haupt vergrabend,
empfand ick, wie der Feierabend
in meiner Seele Saiten griff.
IV
Eine alte Weide trauert
dürr und fühllos in den Mai,—
eine alte Hütte kauert
grau und einsam hart dabei.
War ein Nest einst in der Weide,
in der Hütt ein Glück zu Haus;
Winter kam und Weh,—und beide
blieben aus....
V
Die Rose hier, die gelbe,
gab gestern mir der Knab,
heut trag ich sie, dieselbe,
hin auf sein frisches Grab.
An ihren Blättern lehnen
noch lichte Tröpfchen,—schau!
Nur heute sind es Tränen,—
und gestern war es Tau....
VI
Wir saßen beisammen im Dämmerlichte.
"Mütterchen", schmeichelteich, "nicht wahr,
du erzählst mir noch einmal die schöne Geschichte
von der Prinzessin mit goldnem Haar?"—
Seit Mütterchen tot ist, durch dämmernde Tage
führt mich die Sehnsucht, die blasse Frau;
und von der schonen Prinzessin die Sage
weiß sie wie Mütterchen ganz genau....
VII
Ich wollt, sie hätten statt der Wiege
mir einen kleinen Sarg gemacht,
dann wär mir besser wohl, dann schwiege
die Lippe längst in feuchter Nacht.
Dann hätte nie ein wilder Wille
die bange Brust durchzittert,—dann
wärs in dem kleinen Körper stille,
so still wie's niemand denken kann.
Nur eine Kinderseele stiege
zum Himmel hoch so sieht,—ganz sacht....
Was haben sie mir statt der Wiege
nicht einen kleinen Sarg gemacht?—
VIII
Jene Wolke will ich neiden,
die dort oben schweben darf!
Wie sie auf besonnte Heiden
ihre schwarzen Schatten warf.
Wie die Sonne zu verdüstern
sie vermochte kühn genug,
wenn die Erde lichteslüstern
grollte unter ihrem Flug.
All die goldnen Strahlenfluten
jener Sonne wollt auch ich
hemmen! Wenn auch für Minuten!
Wolke! Ja, ich neide dich!
IX
Mir ist: Die Welt, die laute, krank
hat jüngst zerstört ein jäh Zerstleben
und mir nur ist der Weltgedanke,
der große, in der Brust geblieben.
Denn so ist sie, wie ich sie dachte;
ein jeder Zwiespalt ist vertost:
auf goldnen Sonnenflügeln sachte
umschwebt mich grüner Waldestrost.
X
Wenn das Volk, das drohnenträge,
trabt den altvertrauten Trott,
möcbt ich weiße Wandelwege
wallen durch das Duftgehege
ernst und einsam wie ein Gott.
Wandeln nach den glanzdurchsprühten
Fernen, lichten Lohns bewußt;—
um die Stirne kühle Blüten
und von kinderkeuschen Mythen
voll die sabbatstille Brust.
XI
Weiß ich denn wie mir geschieht?
In den Lüften Düftequalmen
und in bronzebraunen Halmen
ein verlornes Grillenlied.
Auch in meiner Seele klingt
tief ein Klang, ein traurig-lieber,—
so hört wohl ein Kind im Fieber,
wie die tote Mutter singt.
XII
Schon blinzt aus argzerfetztem Laken
der holde, keusche Götternacken
der früherwachenden Natur,
und nur in tiefentiegnen Talen
zeigt hinter violetten, kahlen
Gebüschen sich mit falschem Prahlen
des Winters weiße Sohlenspur.
Hin geh ich zwischen Weidenbäumen
an nassen Räderrinnensäumen
den Fahrweg, und der Wind ist mild.
Die Sonne prangt im Glast des Märzen
und zündet an im dunkeln Herzen
der Sehnsucht weiße Opferkerzen
vor meiner Hoffnung Gnadenbild.
XIII
Fahlgrauer Himmel, von dem jede Farbe
bange verblich.
Weit—ein einziger lohroter Strich
wie eine brennende Geißelnarbe.
Irre Reflexe vergehn und erscheinen.
Und in der Luft
liegts wie ersterbender Rosenduft
und wie verhaltenes Weinen....
XIV
Die Nacht liegt duftschwer auf dem Parke,
und ihre Sterne schauen still,
wie schon des Mondes weiße Barke
im Lindenwipfel landen will.
Fern hör ich die Fontäne hallen
ein Märchen, das ich längst vergaß,—
und dann ein leises Apfelfallen
ins hohe, regungslose Gras.
Der Nachtwind schwebt vom nahen Hügel
und trägt durch alte Eichenreihn
auf seinem blauen Faltcrflügel
den schweren Duft vom jungen Wein.
XV
Im Schoß der silberhellen Schneenacht
dort schlummert alles weit und breit,
und nur ein ewig wildes Weh wacht
in einer Seele Einsamkeit.
Du fragst, warum die Seele schwiege,
warum sies in die Nacht hinaus
nicht gießt?—Sie weiß, wenns ihr entstiege,
es löschte alle Sterne aus.
XVI
Abendläuten. Aus den Bergen hallt es
wieder neu zurück in immer mattern
Tönen. Und ein Lüftchen fühlst du flattern
von dem grünen Talgrund her, ein kaltes.
In den weißen Wiesenquellen lallt es
wie ein Stammeln kindischen Gebetes;
durch den schwarzen Tannenhochwald geht es
wie ein Dämmern, ein jahrhundertaltes.
Durch die Fuge eines Wolkenspaltes
wirft der Abend rote Blutkorallen
nach den Felsenwänden.—Und sie prallen
lautlos von den Schultern des Basaltes.
XVII
Weltenweiter Wandrer
walle fort in Ruh....
also kennt kein andrer
Menschenleid wie du.
Wenn mit lichtem Leuchten
du beginnst den Lauf,
schlägt der Schmerz die feuchten
Augen zu dir auf.
Drinnen liegt—als riefen
sie dir zu: versteh!—
tief in ihren Tiefen
eine Welt voll Weh....
Tausend Tränen reden
ewig ungestillt,
und in einer jeden
spiegelt sich dein Bild!
XVIII
Möchte mir ein blondes Glück erkiesen;
doch vom Sehnen bin ich müd und Suchen.—
Weiße Wasser gehn in stillen Wiesen,
und der Abend blutet in die Buchen.
Mädchen wandern heimwärts. Rot im Mieder
Rosen; ferneher verklingt ihr Lachen....
Und die ersten Sterne kommen wieder
und die Träume, die so traurig machen.
XIX
Vor mir liegt ein Felsenmeer,
Sträucher, halb im Schutt versunken,
Todesschweigen.—Nebeltrunken
hangt der Himmel drüber her.
Nur ein matter Falter schwirrt
rastlos durch das Land, das kranke....
Einsam, wie ein Gottgedanke
durch die Brust des Leugners irrt.
XX
Die Fenster glühten an dem stillen Haus,
der ganze Garten war voll Rosendüften.
Hoch spannte über weißen Wolkenklüften
der Abend in den unbewegten Lüften
die Schwingen aus.
Ein Glockenton ergoß sich auf die Au....
Lind wie ein Ruf aus himmlischen Bezirken,
Und heimlich über flüstervollen Birken
sah ich die Nacht die ersten Sterne wirken
ins blasse Blau.
XXI
Es gibt so wunderweiße Nächte,
drin alle Dinge Silber sind.
Da schimmert mancher Stern so lind,
als ob er fromme Hirten brächte
zu einem neuen Jesuskind.
Weit wie mit dichtem Demantstaube
bestreut, erscheinen Flur und Flut,
und in die Herzen, traumgemut,
steigt ein kapellenloser Glaube,
der leise seine Wunder tut.
XXII
Wie eine Riesenwunderblume prangt
voll Duft die Welt, an deren ßlütenspelze,
ein Schmetterling mit blauem Schwingenschmelze,
die Mainacht hangt.
Nichts regt sich; nur der Silberfühler blinkt....
Dann trägt sein Flügel ihn, sein frühverblaßter,
nach Morgen, wo aus feuerroter Aster
er Sterben trink....
XXIII
Wie, jegliches Gefühl vertiefend,
ein süßer Drang die Brust bewegt,
wenn sich die Mainacht, sternetriefend,
auf mäuschenstille Plätze legt—
Da schleichst du hin auf sachter Sohle
und schwärmst zum blanken Blau hinauf,
und groß wie eine Nachtviole
geht dir die dunkle Seele auf....
XXIV
O gäbs doch Sterne, die nicht bleichen,
wenn schon der Tag den Ost besäumt;
von solchen Sternen ohnegleichen
hat meine Seele oft geträumt.
Von Sternen, die so milde blinken,
daß dort das Auge landen mag,
das müde ward vom Sonnetrinken
an einem goldnen Sommertag.
Und schlichen hoch ins Weltgetriebe
sich wirklich solche Sterne ein,—
sie müßten der verborgnen Liebe
und allen Dichtern heilig sein.
XXV
Mir ist so weh, so weh, als müßte
die ganze Welt in Grau vergehn,
als ob mich die Geliebte küßte
und sprach: Auf Nimmerwiedersehn.
Als ob Ich tot wär und im Hirne
mir dennoch wühlte wilde Qual,
weil mir vom Hügel eine Dirne
die letzte, blasse Rose stahl....
XXVI
Matt durch der Tale Gequalme wankt
Abend auf goldenen Schuhn,—
Falter, der träumend am Halme hangt,
weiß nichts vor Wonne zu tun.
Alles schlürft hei! an der Stille sich.—
Wie da die Seele sich schwellt,
daß sie als schimmernde Hülle sich
legt um das Dunkel der Welt.
XXVII
Ein Erinnern, das ich heilig heiße,
leuchtet mir durchs innerste Gemüt,
so wie Götterbildermarmorweiße
durch geweihter Haine Dämmer glüht.
Das Erinnern einstger Seligkeiten,
das Erinnern an den toten Mai,—
Weihrauch in den weißen Händen, schreiten
meine stillen Tage dran vorbei....
XXVIII
Glaubt mir, daß ich, matt vom Kranken,
keinen lauten Lenz mehr mag,—
will nur einen sonnenblanken,
wipfelroten Frühherbsttag.
Will die Lust, die jubelschrille,
nicht mehr in die Brust zurück,—
will nur Sterbestübenstille
drinnen—für mein totes Gluck.
LIEBEN
I
Und wie mag die Liebe dir kommen sein?
Kam sie wie ein Sonnen, ein Blütenschnein,
kam sie wie ein Beten?—Erzähle:
Ein Glück löste leuchtend aus Himmeln sich los
und hing mit gefalteten Schwingen groß
an meiner blühenden Seele....
II
Das war der Tag der weißen Chrysanthemen,—
mir bangte fast vor seiner schweren Pracht....
Und dann, dann kamst du mir die Seele nehmen
tief in der Nacht.
Mir war so bang, und du kamst lieb und leise,—
ich hatte grad im Traum an dich gedacht.
Du kamst, und leis wie eine Märchenweise
erklang die Nacht....
III
Einen Maitag mit dir beisammen sein,
und selbander verloren ziehn
durch der Blüten duftqualmende Flammenreihn
zu der Laube von weißem Jasmin.
Und von dorten hinaus in den Maiblust schaun,
jeder Wunsch in der Seele so still....
Und ein Glück sich mitten in Mailust baun,
ein großes,—das ists, was ich will....
IV
Ich weiß nicht, wie mir geschieht....
Weiß nicht, was Wonne ich lausche,
mein Herz ist fort wie im Rausche,
und die Sehnsucht ist wie ein Lied.
Und mein Mädel hat fröhliches Blut
und hat das Haar voller Sonne
und die Augen von der Madonne,
die heute noch Wunder tut.
V
Ob dus noch denkst, daß ich dir Äpfel brachte
und dir das Goldhaar glatt strich leis und lind?
Weißt du, das war, als ich noch gerne lachte,
und du warst damals noch ein Kind.
Dann ward ich ernst. In meinem Herzen brannte
ein junges Hoffen und ein alter Gram....
Zur Zeit, als einmal dir die Gouvernante
den "Werther" aus den Händen nahm.
Der Frühling rief. Ich küßte dir die Wangen,
dein Auge sah mich groß und selig an.
Das war ein Sonntag. Ferne Glocken klangen,
und Lichter gingen durch den Tann....
VI
Wir saßen beide in Gedanken
im Weinblattdämmcr—du und ich—
und über uns in duftgen Ranken
versummte wo ein Hummel sich.
Reflexe hielten, bunte Kreise,
in deinem Haare flüchtig Rast....
Ich sagte nichts als einmal leise:
"Was du für schöne Augen hast."
VII
Blondköpfchen hinter den Scheiben
hebt es sich ab so fein,—
sternt es ins Stäubchentreiben
oder zu mir herein?
Ist es das Köpfchen, das liebe,
das mich gefesselt hält,
oder das Staubchengetriebe
dort in der sonnigen Welt?
Keins sieht zum andern hinüber.
Heimlich, die Stirne voll Ruh
schreitet der Abend vorüber....
Und wir? Wir sehn ihm halt zu.—
VIII
Die Liese wird heute just sechzehn Jahr.
Sie findet im Klee einen Vierung....
Fern drängt sichs wie eine Bubenschar:
die Löwenzähne mit blondem Haar
betreut vom sternigen Schierling.
Dort hockt hinterm Schierling der Riesenpan,
der strotzige, lose Geselle.
Jetzt sieht er verstohlen die Liese nahn
und lacht und wälzt durch den Wiesenplan
des Windes wallende Welle....
IX
Ich träume tief im Weingerank
mit meiner blonden Kleinen;
es bebt ihr Händchen, elfenschlank,
im heißen Zwang der meinen.
So wie ein gelbes Eichhorn huscht
das Licht hin im Reflexe,
und violetter Schatten tuscht
ins weiße Kleid ihr Kleckse.
In unsrer Brust liegt glückverschneit
goldsonniges Verstummen.
Da kommt in seinem Sammerkleid
ein Hummel Segen summen....
X
Es ist ein Weltmeer voller Lichte,
das der Geliebten Aug umschließt,
wenn von der Flut der Traumgesichte
die keusche Seele überfließt.
Dann beb ich vor der Wucht des Schimmers
so wie ein Kind, das stockt im Lauf,
geht vor der Pracht des Christbaumzimmers
die Flügeltüre lautlos auf.
XI
Ich war noch ein Knabe. Ich weiß, es hieß:
Heut kommt Base Olga zu Gaste.
Dann sah ich dich nahn auf dem schimmernden Kies
ins Kleidchen gepreßt, ins verblaßte.
Bei Tisch saß man später nach Ordnung und Rang
und frischte sich mäßig die Kehle;
und wie mein Glas an das deine klang,
da ging mir ein Riß durch die Seele.
Ich sah dir erstaunt ins Gesicht und vergaß
mich dem Plaudern der andern zu einen,
denn tief im trockenen Halse saß
mir würgend ein wimmerndes Weinen.
Wir gingen im Parke.—Du sprachst vom Glück
und küßtest die Lippen mir lange,
und ich gab dir fiebernde Küsse zurück
auf die Stirne, den Mund und die Wange.
Und da machtest du leise die Augen zu,
die Wonne blind zu ergründen....
Und mir ahnte im Herzen: da wärest du
am liebsten gestorben in Sünden....
XII
Die Nacht im Silberfunkenkleid
streut Trâume eine Handvoll,
die füllen mir mit Trunkenheit
die tiefe Seele randvoll.
Wie Kinder eine Weihnacht sehn
voll Glanz und goldnen Nüssen,—
seh ich dich durch die Mainacht gehn
und alle Blumen küssen.
XIII
Schon starb der Tag. Der Wald war zauberhaft,
und unter Farren bluteten Zyklamen,
die hohen Tannen glühten, Schaft bei Schaft,
es war ein Wind,—und schwere Düfte kamen.
Du warst von unserm weiten Weg erschlafft,
ich sagte leise deinen süßen Namen:
Da bohrte sich mit wonnewilder Kraft
aus deines Herzens weißem Liliensamen
die Feuerlilie der Leidenschaft.
Rot war der Abend—und dein Mund so rot,
wie meine Lippen sehnsuchtheiß ihn fanden,
und jene Flammen, die uns jäh durchloht,
sie leckten an den neidischen Gewanden....
Der Wald war stille, und der Tag war tot.
Uns aber war der Heiland auferstanden,
und mit dem Tage starben Neid und Not.
Der Mond kam groß an unsern Hügeln landen,
und leise stieg das Glück aus weißem Boot.
XIV
Es leuchteten im Garten die Syringen,
von einem Ave war der Abend voll,—
da war es, daß wir voneinander gingen
in Gram und Groll.
Die Sonne war in heißen Fieberträumen
gestorben hinter grauen Hängen weit,
und jetzt verglomm auch hinter Blütenbäumen
dein weißes Kleid.
Ich sah den Schimmer nach und nach vergehen
und bangte bebend wie ein furchtsam Kind,
das lange in ein helles Licht gesehen:
Bin ich jetzt blind?—
XV
Oft scheinst du mir ein Kind, ein kleines,—
dann fühl ich mich so ernst und alt,—
wenn nur ganz leis dein glockenreines
Gelächter in mir widerhallt.
Wenn dann in großem Kinderstaunen
dein Auge aufgeht, tief und heiß,—
möcht ich dich küssen und dir raunen
die schönsten Märchen, die ich weiß.
XVI
Nach einem Glück ist meine Seele lüstern,
nach einem kurzen, dummen Wunderwahn....
Im Quellenquirlen und im Föhrenflüstern
da hör ichs nahn....
Und wenn von Hügeln, die sich purpurn säumen,
in bleiche Bläue schwimmt der Silberkahn,—
dann unter schattenschweren Blütenbäumen
seh ich es nahn.
In weißem Kleid; so wie das Lieb, das tote,
am Sonntag mit mir ging durch Staub und Strauch,
am Herzen jene Blume nur, die rote,
trug es die auch?...
XVII
Wir gingen unter herbstlich bunten Buchen,
vom Abschiedsweh die Augen beide rot...
"Mein Liebling, komm, wir wollen Blumen suchen."
Ich sagte bang: "Die sind schon tot."
Mein "Wort war lauter Weinen.—In den Äthern
stand kindisch lächelnd schon ein blasser Stern.
Der matte Tag ging sterbend zu den Vätern,
und eine Dohle schrie von fern—
XVIII
Im Frühling oder im Traume
bin ich dir begegnet, einst,
und jetzt gehn wir zusamm durch den Herbsttag,
und du drückst mir die Hand und weinst.
Weinst du ob der jagenden Wolken?
Ob der blutroten Blätter? Kaum.
Ich fühl es: du warst einmal glücklich
im Frühling oder im Traum....
XIX
Sie hatte keinerlei Geschichte,
ereignislos ging Jahr um Jahr—
auf einmal kams mit lauter Lichte....
die Liebe oder was das war.
Dann plötzlich sah sies bang zerrinnen,
da liegt ein Teich vor ihrem Haus....
So wie ein Traum scheints zu beginnen,
und wie ein Schicksal geht es aus.
XX
Man merkte: der Herbst kam. Der Tag war schnell
erstorben im eigenen Blute.
Im Zwielicht nur glimmte die Blume noch grell
auf der Kleinen verbogenem Hute.
Mit ihrem zerschlissenen Handschuh strich
sie die Hand mir schmeichelnd und leise.—
Kein Mensch in der Gasse als sie und ich....
Und sie bangte: Du reisest? "Ich reise".
Da stand sie, das Köpfchen voll Abschiedsnot
in den Stoff meines Mantels vergrabend....
Vom Hütchen nickte die Rose rot,
und es lächelte müde der Abend.
XXI
Manchmal da ist mir: Nach Gram und Müh
will mich das Schicksal noch segnen,
wenn mir in feiernder Sonntagsfrüh
lachende Mädchen begegne....
Lachen hör ich sie gerne.
Lange dann liegt mir das Lachen im Ohr,
nie kann ichs, wähn ich, vergessen...
Wenn sich der Tag hinterm Hange verlor,
will ich mirs singen ... Indessen
singens schon oben die Sterne....
XXII
Es ist lang,—es ist lang....
wann—weiß ich gar nimmer zu sagen....
eine Glocke klang, eine Lerche sang—
und ein Herz hat so selig geschlagen.
Der Himmel so blank überm Jungwaldhang,
der Flieder hat Blüten getragen,—
und im Sonntagskleide ein Mädchen, schlank,
das Auge voll staunender Fragen....
Es ist lang,—es ist lang....
ADVENT
(1898)
ADVENT
Es treibt der Wind im Winterwalde
die Flockenherde wie ein Hirt,
und manche Tanne ahnt, wie balde
sie fromm und lichterheilig wird,
und lauscht hinaus. Den weißen Wegen
streckt sie die Zweige hin—bereit,
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Herrlichkeit.
GABEN
AN VERSCHIEDENE FREUNDE
Das ist mein Streit:
Sehnsuchtgeweiht
durch alle Tage Sehweifen,
Dann, stark und breit,
mit tausend Wurzelstreifen
rief in das Leben greifen—
und durch das Leid
weit aus dem Leben reifen,
weit aus der Zeit!
Du meine heilige Einsamkeit,
du bist so reich und rein und weit
wie ein erwachender Garten.
Meine heilige Einsamkeit du—
halte die goldenen Türen zu,
vor denen die Wünsche warten.
Der Bach hat leise Melodien,
und fern ist Staub und Stadt;
die Wipfel winken her und hin
und machen mich so matt.
Der Wald ist wild, die Welt ist weit,
mein Herz ist hell und groß;
es hält die blasse Einsamkeit
mein Haupt in ihrem Schoß.
Ich liebe vergessene Flurmadonnen,
die ratlos warten auf irgendwen,
und Mädchen, die an einsame Bronnen,
Blumen im Blondhaar, träumen gehn.
Und Kinder, die in die Sonne singen
und staunend groß zu den Sternen sehn,
und die Tage, wenn sie mir Lieder bringen,
und die Nächte, wenn sie in Blüten stehn.
Warst du ein Kind in froher Schar,
dann kannst du's freilich nicht erfassen,
wie es mir kam, den Tag zu hassen
als ewig feindliche Gefahr.
Ich war so fremd und so verlassen,
daß ich nur tief in blütenblassen
Mainächten heimlich selig war.
Am Tag trug ich den engen Ring
der feigen Pflicht in frommer Weise.
Doch abends schlich ich aus dem Kreise,
mein kleines Fenster klirrte—kling—
sie wußtens nicht. Ein Schmetterling,
nahm meine Sehnsucht ihre Reise,
weil sie die weiten Sterne leise
nach ihrer Heimat fragen ging.
PFAUENFEDER:
in deiner Feinheit sondergleichen,
wie liebte ich dich schon als Kind.
Ich hielt dich für ein Liebeszeichen,
das sich an silberstillen Teichen
in kühler Nacht die Elfen reichen,
wenn alle Kinder schlafen sind.
Und weil Großmütterchen, das gute,
mir oft von Wünschegerten las,
so träumte ich, du Zartgemute,
in deinen feinen Fasern flute
die kluge Kraft der Rätselrute—
und suchte dich im Sommergras.
Oft denk ich auf der Alltagsreise
der Nacht, und daß ein Traum mir frommt,
der mir mit Lippen, kühl und leise,
die schwüle Stirne küssen kommt.
Dann sehn ich mich, die Sterne glänzen
zu sehn.—Der Tag ist karg und klein,
die Nacht ist weit, hat Silbergrenzen
und könnte eine Sage sein.
DAMIT ICH GLÜCKLICH WÄRE—
das müßte sein von jenen blanken
Lenztagen einer, da die Kranken
man vor die dunklen Türen bringt.
Im Flieder ist ein Spatzenzanken,
weil keinem rechter Sang gelingt.
Der Bach, dem alle Bande sanken,
weiß nicht, was tun vor Glück, und springt
bis aufwärts zu den Bretterplanken,
dahinter Beete, kiesumringt,
und Blumenblühn und Birkenschwanken.
Und vor dem Häuschen, goldbezinkt,
um das der Frühling seine Ranken
wie liebeleise Arme schlingt—
ein blondes Kind, das in Gedanken
das schönste meiner Lieder singt.
An manchem Tag ist meine Seele still:
Ein Gotteshaus, draus alle Beter gingen.
Ein Engel nur wehrt mit den goldnen Schwingen
dem Weihrauch, der mit seinen leisen Ringen
den Jubel seiner Arme fesseln will.
Verträumte Heiligenbilder dunkeln drin
in ratlos-sehnendem Erhörenwollen:
Sie warten auf den Sonntag mit den vollen
Gestühlen und dem großen Orgelrollen—
und blasse Ampeln schwanken her und hin.
Nennt ihr das Seele, was so zage zirpt
in euch? Was, wie der Klang der Narrenschellen,
um Beifall bettelt und um Würde wirbt,
und endlich arm ein armes Sterben stirbt
im Weihrauchabend gotischer Kapellen,—
nennt ihr das Seele?
Schau ich die blaue Nacht, vom Mai verschneit,
in der die Welten weite Wege reisen,
mir ist: ich trage ein Stück Ewigkeit
in meiner Brust. Das rüttelt und das schreit
und will hinauf und will mir ihnen kreisen....
Und das ist Seele.
Die hohen Tannen atmen heiser
im Winterschnee, und bauschiger
schmiegt sich sein Glanz um alle Reiser.
Die weißen Wege werden leiser,
die trauten Stuben lauschiger.
Da singt die Uhr, die Kinder zittern:
Im grünen Ofen kracht ein Scheit
und stürzt in lichten Lohgewittern,—
und draußen wächst im Flockenflittern
der weiße Tag zur Ewigkeit.
Der Abend kommt von weit gegangen
durch den verschneiten, leisen Tann.
Dann preßt er seine Winterwangen
an alle Fenster lauschend an.
Und stille wird ein jedes Haus;
die Alten in den Sesseln sinnen,
die Mütter sind wie Königinnen,
die Kinder wollen nicht beginnen
mit ihrem Spiel. Die Mägde spinnen
nicht mehr. Der Abend horcht nach innen
und innen horchen sie hinaus.
Das Wetter war grau und grell;
der Abend ist lichter und leiser.
Sicher kommt irgendein Kaiser:
Alle Häuser sind hell.
Und so festlich und weich
war das Abendgebimmel;
die Alten schaun in den Himmel,
und die Kinder sind reich.
Sonne verlodert am Himmelsrain.
Durch ernteverarmte Krumen
waten die Weiber feldein.
An den verschimmernden Schienenreihn
beim Bahnhüterhäuschen, sommerallein,
sinnen Sonnenblumen.
Du arme, alte Kapelle
mit deiner verstaubten Zier—
der Frühling baut eine helle
Kirche neben dir.
Viel frierende Frauen hinken
in deine Weihrauchruh,
draußen die Kinder winken
allen Rosen zu.
Die Mädchen singen:
Alle Mädchen erwarten wen,
wenn die Bäume in Blüten stehn;
wir müssen immer nähn und nähn,
bis uns die Augen brennen.
Unser Singen wird nimmer froh,
fürchten uns vor dem Frühling so:
Finden wir einmal ihn irgendwo,
wird er uns nicht mehr erkennen.
Lehnen im Abendgarten beide,
lauschen lange nach irgendwo.
"Du hast Hände wie weiße Seide...."
Und da staunt sie: "Du sagst das so...."
Etwas ist in den Garten getreten,
und das Gitter hat nicht geknarrt,
und die Rosen in allen Beeten
heben vor seiner Gegenwart.
Eine der weißen Vestageweihten
lächelte Gnade dem Todbereiten,
löste ihm von der Stirn die Schmach.
Dann sehnte sie wie eine Sklavin dem Schreiten
des todbefreiten, Schulter breiten
Epheben nach.
Im Kreise der Barone
der König ritt zur Jagd.
Ihm wohnte in roter Krone
ein einsamer Smaragd.
Da gibts unter hellen Hufen
Wege so weit und weiß;
keiner hört Hilfe rufen,
und der Mittag ist heiß....
Ob einer den König erkannte?
Die Dohlen im Abend schrien.
Die allerkühnste spannte
den Flug schon über Ihn:
Auf des Königs Stirne brannte
ein einsamer Rubin.
Ein weißes Schloß in weißer Einsamkeit.
In blanken Sälen schleichen leise Schauer.
Todkrank krallt das Gerank sich an die Mauer,
und alle Wege weltwärts sind verschneit.
Darüber hängt der Himmel brach und breit.
Es blinkt das Schloß. Und längs den weißer Wänden
hilft sich die Sehnsucht fort mit irren Händen....
Die Uhren stehn im Schloß: es starb die Zeit.
Irgendwo muß es Paläste geben,
drin die Fenster von Staub verschnein;
in der Säle hallende Reihn
tauchen tote Tage hinein:
Gestalten wallen, es warnt der Schrein;
und kein lustiger Leuchterschein
reicht In das einsame Seltsamsein....
Dorten wollen wir Feste gehen—
märchenallein.
Im Schlosse mit den roten Zinken
wär ich so gern des Abends Gast.
Die Fenster glühn, die Falten sinken,
und meine weißen Wünsche winken
mir aus dem lodernden Palast.
Ich will durch lange Hallen schleichen
und in die tiefen Gärten schaun,
die über alle Marken reichen.
Und Frauen lächeln an den Teichen,
und in den Wiesen prahlen Pfaun....
Einmal möcht ich dich wiederschauen,
Park, mit den alten Lindenalleen,
und mit der leisesten aller Frauen
zu dem heiligen Weiher gehn.
Schimmernde Schwäne in prahlenden Posen
gleiten leise auf glänzendem Glatt,
aus der Tiefe tauchen die Rosen
wie Sagen einer versunkenen Stadt.
Und wir sind ganz allein im Garten,
drin die Blumen wie Kinder stehn,
und wir lächeln und lauschen und warten,
und wir fragen uns nicht, auf wen....
Es kommt in prunkenden Gebreiten
der Abend wie ein leiser Gott.
Den Rappen vor! Jetzt will ich reiten
durch purpurbunte Einsamkeiten
in bügelleichtem Träumertrott.
Ich atme tief. Ich werde Kaiser.
Mein heiler Helm ist losgeschnallt,
und meine Stirne streifen Reiser
und rauschen so. Und leiser, leiser
hallt Huf und Ruf im roten Wald.
Horch, verhallt nicht ein scheuer
Schrei von den Hängen her?
Aus dem morschen Klostergemäuer
kann der Abend nicht mehr.
Er sucht sich wund an der Wand.
Und mit hilfloser Hand
in das Säulengedränge,
in ewige Gänge,
wirft er den Brand.
Feuer.—
In schlichtem Gewand
flieht er, der Heimkehr singender Heuer
leise gesellt, ins verlöschende Land.
Der König Abend weiß sich schwach
und satt, und ihm geschieht:
Er schenkt sein Gold dem jungen Bach,
der einem Hirtensingen nach
in Menschen lande zieht.
Jetzt ist der Bach ein Königskind.
Er jubelt laut Alarm
und gibt den wunden Krumen blind
sein Gold.—Und wo die Hütten sind,
dort ist er wieder arm.
Der Tag entschlummert leise,—
ich walle menschenfern....
Wach sind im weiten Kreise
ich—und ein bleicher Stern.
Sein Auge licht durchwoben
ruht flimmernd hell auf mir,
er scheint am Himmel droben
so einsam, wie ich hier....
FAHRTEN
VENEDIG
I
Fremdes Rufen. Und wir wählen
eine Gondel, schwarz und schlank:
Leises Gleiten an den Pfählen
einer Marmorstadt entlang.
Still. Die Schiffer nur erzählen
sich. Die Ruder rauschen sacht,
und aus Kirchen und Kanälen
winkt uns eine fremde Nacht.
Und der schwarze Pfad wird leiser,
fernes Ave weht die Luft,—
traun: Ich bin ein toter Kaiser,
und sie lenken mich zur Gruft.
II
Immer ist mir, daß die leisen
Gondeln durch Kanäle reisen
irgend jemand zum Empfang;
denn das Warten dauert lang,
und das Volk ist arm und krank,
und die Kinder sind wie Waisen.
Lange harren die Paläste
auf die Herren, auf die Gäste,
und das Volk will Kronen sehn.
Auf dem Markusplatze stehn
möcht ich oft und irgendwen
fragen nach dem fernen Feste....
III
Mein Ruder sang:
Poppé, fahr zu!
Ein Volk von Sklaven
drängt sich im Hafen
um nüchterne Feste,
und die Paläste
können nicht schlafen.
Poppé, fahr zu!
Eisige Ruh
in Marmorgliedern,
mit matten Lidern
erschauern die Plätze.
Im Gassennetze
betteln die Niedern.
Poppe, fahr zu!
Sag mir, weißt du
noch von den Toten,
die hier geboten
in köstlichen Kronen?
Wo sie jetzt wohnen,
die Purpurroten?
Poppé, fahr zu!
IV
Ave weht von den Türmen her,
immer noch hörst du die Kirchen erzählen;
doch die Paläste an stillen Kanälen
verraten nichts mehr.
Und vorbei an der Traumesruh
ihrer schlafenden Stirnen schwanken
leise Gondeln wie schwarze Gedanken
dem Abend zu.
ENGLAR IM EPPAN
Später Weg. Die Hütten kauern,
und das dumpfe Dorf schläft ein.
Ernste Türme seh ich dauern,
weit aus weißen Blütenschauern
wächst ihr Weltverlorensein.
Abendbrand in brachen Zinnen,
und der Wind fährt durch den Saal.
Und für wen im Burghof drinnen
immer noch die Brunnen rinnen—
keiner weiß es dort im Tal.
TENNO
Der Kirchhof hoch im Sommerschnee
gehört zum Berghof hin;
wie über einem Hochlandsee
wacht Frieden über ihn.
Da weiß kein Blühn vom Frühlingsstrahl.
Der Rasen schüchtert frühfrostfahl,
die Kreuze arm, die Hügel kahl,
und sacht und selten wächst die Zahl:
einmal.
Der Weg ist schlecht, der Weg ist schmal.
Im kleinen Dorf ist kleine Wahl
und kleines Glück und kleine Qual,—
drum läuten sie so fern im Tal:
einmal,—einmal,—einmal.—
CASABLANCA
Am Berge weiß ich trutzen
ein Kirchlein mit rostigem Knauf,
wie Mönche in grauen Kapuzen
steigen Zypressen hinauf.
Vergessene Heilige wohnen
dort einsam im Altarschrein;
der Abend reicht ihnen Kronen
durch hohle Fenster hinein.
ARCO
Die Hochschneezinne, schartig scharf,
loht auf wie eine Mauerkrone,
in die der lachende Nerone,
der Morgen, seine Fackel warf.
Und wie die Flammen bis ins Blau
sich zu verblühten Sternen strecken,
erwacht das Tal in schönem Schrecken
und taucht empor aus Traum und Tau.
I MULINI
Du müde, morsche Mühle,
dein Moosrad feiert Ruh,
aus der Olivenkühle
schaut dir der Abend zu.
Der Bach singt wie verloren
Menschenlieder nach,
tiefer über die Ohren
ziehst du dein trutziges Dach.
BODENSEE
Die Dörfer sind wie ein Garten.
In Türmen von seltsamen Arten
klingen die Glocken wie weh.
Uferschlösser warten
und schauen durch schwarze Scharten
müd auf den Mittagsee.
Und schnellende Wellchen spielen,
und goldene Dampfer kielen
leise den lichten Lauf;
und hinter den Uferzielen
tauchen die vielen, vielen
Silberberge auf.
KONSTANZ
Dem Tag ist so todesweh
Müd gießt er aus goldenen Kelchen
Wein in den Bergesschnee.
Hoch schüchtert, scheu wie ein Reh,
ein Stern überm Uferschleh,
und ziere, zitternde Weilchen
gittern den Abendsee.
FUNDE
Wenn wie ein leises Flügelbreiten
sich in den späten Lüften wiegt,—
ich möchte immer weiter schreiten
bis in das Tal, wo riefgeschmiegt
an abendrote Einsamkeiten
die Sehnsucht wie ein Garten liegt.
Vielleicht darf ich dich dorten rinden,
und zage wird dein erstes Mühn
die wehen Wünsche mir verbinden,
du wirst mich führen tief ins Grün—
und heimlich werden weiße Winden
an meinem staubigen Stabe blühn.
Ich möchte draußen dir begegnen,
wenn Mai auf Wunder Wunder häuft,
und wenn ein leises Seelensegnen
von allen Zweigen niederträuft.
Wenn bis zum Wegkreuz auf, zum schlanken,
Jasmin die weißen Arme streckt
und lind den ewgen Wehgedanken
der Stirne Christi überdeckt.
Ich mußte denken unverwandt,
wie ich einst zwischen schwarzen Pinien
den tiefen Frühling sinnen fand,
als ich vor deiner Schönheit stand
und durch der Scheitel dunkle Linien
dein Antlitz träumte wie ein Land.
Es schlich von deiner Lippen Saum
ein Lächeln auf verlornem Pfade—
ganz leis. Die andern merktens kaum.
So weht ein Blatt vom Blütenbaum:
Nur einer schaut die Frühlingsgnade,
und der sie schaut, ist wie im Traum.
Fremd ist, was deine Lippen sagen,
fremd ist dein Haar, fremd ist dein Kleid
fremd ist, was deine Augen fragen,
und auch aus unsern wilden Tagen
reicht nicht ein leises Wellenschlagen
an deine tiefe Seltsamkeit.
Du bist wie jene Bildgestalten,
die überm leeren Altarspind
noch immer ihre Hände falten,
noch immer alte Kränze halten,
noch immer leise Wunder walten—
wenn längst schon keine Wunder sind.
Du bist so fremd, du bist so bleich.
Nur manchmal glüht auf deinen Wange
ein hoffnungsloses Heimverlangen
nach dem verlornen Rosenreich.
Dann sehnt dein Auge, tief und klar,
aus allem Müssen, allem Mühen
ins Land, wo nichts als stilles Blühen
die Arbeit deiner Hände war.
Weißt du, ich will mich schleichen
leise aus lautem Kreis,
wenn ich erst die bleichen
Sterne über den Eichen
blühen weiß.
Wege will ich erkiesen,
die selten wer betritt
in blassen Abendwiesen—
und keinen Traum, als diesen:
Du gehst mit.
Bei dir ist es traut:
Zage Uhren schlagen
wie aus weiten Tagen.
Komm mir ein Liebes sagen:
aber nur nicht laut.
Ein Tor geht irgendwo
draußen im Blütentreiben.
Der Abend horcht an den Scheiben.
Laß uns leise bleiben:
Keiner weiß uns so.
Die Nacht holt heimlich durch des Vorhangs Falten
aus deinem Haar vergeßnen Sonnenschein.
Schau, ich will nichts, als deine Hände halten
und still und gut und voller Frieden sein.
Da wächst die Seele mir, bis sie in Scherben
den Alltag sprengt; sie wird so wunderweit:
An ihren morgenroten Molen sterben
die ersten Wellen der Unendlichkeit.
Du, Hände, welche immer geben,
die müssen blühn von fremdem Glück.
Zart wie ein zartes Birkenbeben,
bleibt von dem gebenden Erleben
ein Rhythmenzittern drin zurück.
Das sind die Hände mit den schmalen
Gelenken, die sich leise mühn;
und wüßten die von Kathedralen,
sie müßten sich in Wundenmalen
vor allem Volke heiligblühn.
Bist gewandert durch Wahn und Weh,
kommst aus meinen dunkelsten Tagen,
hast dir eine Brücke geschlagen
bis zu mir über Schuld und Schnee.
Lenkst mich lächelnd mit leisem Gebot,
und auf kronengoldenen Locken
trägst du flüchtige Federflocken
in den fröhlichen Frühlingstod.
Will dir den Frühling zeigen,
der hundert Wunder hat.
Der Frühling ist waldeigen
und kommt nicht in die Stadt.
Nur die weit aus den kalten
Gassen zu zweien gehn
und sich bei den Händen halten—
dürfen ihn einmal sehn.
Und dieser Frühling macht dich bleicher,
in weite Wiesen will dein Fuß,
dein Lied wird leis, dein Wort wird weicher,
und deine Hände werden reicher
mit jedem Wink, mit jedem Gruß.
Du holst aus düfteschwüler Lade
dein Konfirmandenkleidchen dreist
und trägst es in die wilden Pfade
und schmückst dich für die große Gnade,
die deine Seele blühen heißt.
Mir ist: ich muß dir den Brautnachtstrauß
weit aus dem Abend bringen.
Ich geh in die goldene Stunde hinaus,
und die Fenster leuchten am letzten Haus,
drin spielende Kinder singen.
Und ich geh an dem einsamen Haus vorbei,
drin singende Kinder wohnen,
und mein Wandern wächst und wächst in den Mal
und kann nicht zurück,—und die Blüten, verzeih,
die wind ich mir alle zu Kronen.
Bist du so müd? Ich will dich leise leiten
aus diesem Lärm, der längst auch mich verdroß.
Wir werden wund im Zwange dieser Zeiten.
Schau, hinterm Wald, in dem wir schauernd schreiten,
harrt schon der Abend wie ein helles Schloß.
Komm du mit mir. Es soll kein Morgen wissen,
und deiner Schönheit kuscht kein Licht im Haus....
Dein Duft geht wie ein Frühling durch die Kissen:
Der Tag hat alle Träume mir zerrissen,—
du, winde wieder einen Kranz daraus.
Du:
ein Schloß an wellenschweren,
atlasblassen Abendmeeren—
und in seinen säulenhehren
Sälen warten Preis und Prunk,
uns zu ehren:
Weil wir beide wiederkehren—
ohne Kronen und mit leeren
Händen—
aber jung
Purpurrote Rosen binden
möcht ich mir für meinen Tisch
und, verloren unter Linden,
irgendwo ein Mädchen finden,
klug und blond und träumerisch.
Möchte seine Hände fassen,
möchte knieen vor dem Kind
und den Mund, den sehnsuchtblassen,
mir von Lippen küssen lassen,
die der Frühling selber sind.
Ein Händeineinanderlegen,
ein langer Kuß auf kühlen Mund,
und dann; auf Schimmer weißen Wegen
durchwandern wir den Wiesengrund.
Durch leisen, weißen Blütenregen
schickt uns der Tag den ersten Kuß,—
mir ist: wir wandeln Gott entgegen,
der durchs Gebreite kommen muß.
Du willst dir einen Pagen küren?
Mich komm erküren, Königin.
Mir klingt aus alten Aventüren
ein Sang in Saitenspiel und Sinn.
Ich will ins weiße Schloß dich führen,
in dem ich selber König bin,
und singen hinter tausend Türen
für meine weiße Königin.
Abend hat mich müd gemacht,
und in meinen Sinnen schrillen
kleine Wünsche mit den Grillen.
Wo das blasse Land verflacht,
liegen lauter weiße Villen
hinter roter Rosenpracht.
Liegen wie auf leiser Wacht
weiße Villen an dem stillen
Uferrand der Frühlingsnacht.
Was reißt ihr aus meinen blassen, blauen
Stunden mich in der wirbelnden Kreise
wirres Geflimmer?
Ich mag nicht mehr euren Wahnsinn schauen.
Ich will wie ein Kind im Krankenzimmer
einsam, mit heimlichem Lächeln, leise,
leise—Tage und Träume bauen.
Mir war so weh. Ich sah dich blaß und bang.
Das war im Traum. Und deine Seele klang.
Ganz leise tönte meine Seele mit,
und beide Seelen sangen sich; Ich litt.
Da wurde Friede tief in mir. Ich lag
im Silberhimmel zwischen Traum und Tag.
Wie meine Träume nach dir schrein.
Wir sind uns mühsam fremd geworden,
jetzt will es mir die Seele morden,
dies arme, bange Einsamsein.
Kein Hoffen, das die Segel bauscht.
Nur diese weite, weiße Stille,
in die mein tatenloser Wille
in atemlosem Bangen lauscht.
Und du warst schön. In deinem Auge schien
sich Nacht und Sonne sieghaft zu versöhnen.
Und Hoheit hüllte wie ein Hermelin
dich ein: So kam dich meine Liebe krönen.
Und meine nächteblasse Sehnsucht stand,
weißbindig wie der Vesta Priesterin,
an deines Seelentempels Säulenrand
und streute lächelnd weiße Blüten hin.
Du hast so große Augen, Kind.
Du siehst gewiß oft nachts Gestalten,
die, fremd und bleich, in marmorkalten
Traumhänden rote Kronen halten,
um die ein Leuchten leise rinnt.
Dann ist dein Blick am Tag wie blind
und deine Seele wie zerspalten,
dann bangt dir vor den Alltagsalten,
wenn Wünsche sich in dir entfalten,
die allen andern Wahnsinn sind.
Dann ist die Sehnsucht dir erwacht,
stolz zu entfliehn den eitlen Schreiern,
die plump, mit Händen, blöd und bleiern,
auf deiner Silberseele leiern
das irre Lied, das sterblich macht;
zu fliehn in eine blaue Nacht,
drin alle Wipfel lauschend feiern;
der Glieder Hymne zu entschleiern
und scheu im Schoß von weißen Weihern
zu finden ihre nackte Pracht.
Du sahst in hohe Lichthofmauern
und spieltest still in dumpfem Raum,
es lag ein unverstandnes Trauern
auf deinem blassen Kindheitsträum.
Und deine Tage waren bleiern,
die Mutter krank, der Vater roh;
und manchmal kam ein Krüppel leiern—
dann lauschtest du und weintest so.
Was kann dir nun der Sommer taugen?
Müd, wie mit scheuem Schwingenschlag,
durchirren deine Heimwehaugen
den uferlosen Sonnentag.
Sie war:
Ein unerwünschtes Kind, verstoßen
auch aus der Mutter Nachtgebet,
und ewig fern von jenem Großen,
das gebend durch die Zeiten geht.
Sie wünschte wenig—und nur selten
kam wie ein Weinen über sie
nach einem Land mit Purpurzelten,
nach einer fremden Melodie,
nach weißen Wegen, die nicht stauben—
dann bog sie Rosen sich ins Haar,
und konnte doch nie Liebe glauben,
auch wenn es tief im Frühling war.
Wenn ich dir ernst ins Auge schaute,
klang oft dein Wort so kummerkrank,
wie eine leise Liebeslaute,
die einsam einst ein Meister baute,
als seine Seele Sehnsucht sang.
Sie lernte seither leichte Lieder
und tönte gern zu Tag und Tanz,—
da greift ein Träumer ihre Glieder:
und wie erwachend weint sie wieder
das Heimweh ihres Heimatlands.
Ja, früher, wenn ich an dich dachte,
wie Wunder wars: ein Mai erwachte
um dich im Aureolenglänz,
und meine Sehnsucht träumte sachte
um deine Stirne einen Kranz.
Jetzt seh ich dich; du senkst dein Weinen
ins Herz den herbstverhangnen Hainen,
schleicht an den bleichen Meilensteinen
ein wunder Sonnenuntergang.
Ich ging durch ein Land, durch ein trauriges Land.
Wie auf leerer Wiege ein Wiegenband
lag der blasse Fluß auf dem flachen Sand,
darüber aus nassem Nebelgewand
reckte die Weide die Totenhand.
Mir war so traurig. Ich starrte und stand.
Ich sah dich kauern am Wegesrand.
Einst hab ich dich und das Glück gekannt.
Du weintest wühlend und unverwandt,
und ich fragte dich: Ist das dein Heimatland?
Du nicktest, du nicktest wie traumgebannt....
Da hab ich dich wieder wie einst genannt;
doch dein Bild zerrann mir, dein Bild entschwand.
Die Pappeln kohlten im Abendbrand,
und der Tod ging rot durch dein Heimatland.
Weißt du, daß ich dir müde Rosen flechte
ins Haar, das leis ein weher Wind bewegt—
Siehst du den Mond, wie eine silberechte
Merkmünze, und ein Bild ist eingeprägt:
ein Weib, das lächelnd dunkle Dornen trägt—
Das ist das Zeichen toter Liebesnächte.
Fühlst du die Rosen auf der Stirne sterben?
Und jede läßt die Schwester schauernd los
und muß allein verdarben und verderben,
und alle fallen fahl in deinen Schoß.
Dort sind sie tot. Ihr Leid war leis und groß.
Komm in die Nacht. Und wir sind Rosenerben.
Kannst du die alten Lieder noch spielen?
Spiele, Liebling. Sie wehn durch mein Weh
wie die Schiffe mit silbernen Kielen,
die nach heimlichen Inselzielen
treiben im leisen Abendsee.
Und sie landen am Blütengestade,
und der Frühling ist dort so jung.
Und da findet an einsamem Pfade
vergessene Götter in wartender Gnade
meine müde Erinnerung.
Wo sind die Lilien aus dem hohen Glas,
die deine Hand zu pflegen nie vergaß?
Schon tot?
Wo ist die Freude deiner Wangen hin,
die wie ein ganzer Lenz zu prangen schien—
Verloht?
Und wo ist unser Glück so groß und rein,
das hell dein Haar wie ein Madonnenschein
Umspann?
Auch das ist tot. Heut weinen wir ihm nach,
und morgen kommt der Frost uns ins Gemach—
Und dann?
MÜTTER
Ich sehne oft nach einer Mutter mich,
nach einer stillen Frau mit weißen Scheiteln.
In ihrer Liebe blühte erst mein Ich;
sie könnte jenen wilden Haß vereiteln,
der eisig sich in meine Seele schlich.
Dann säßen wir wohl beieinander dicht,
ein Feuer surrte leise im Kamine.
Ich lauschte, was die liebe Lippe spricht,
und Friede schwebte ob der Teeterrine
so wie ein Falter um das Lampenlicht.
Mir ist oft, daß ich fragen müßt:
Du, Mutter, was hast du gesungen,
eh deinem blassen, blonden Jungen
der Schlaf die Wangen warm geküßt?
Hattest du damals sehr viel Gram?
Und weißt du, wie du aufgesprungen,
wenn deinem blassen, blonden Jungen
im tiefen Traum ein Weinen kam?
Ich gehe unter roten Zweigen
und suche einen späten Strauß.
Weiß nicht vor Glück wo ein und aus,
mir ist so neu, mir ist so eigen:
Mein Lieb ist müd und ist zu Haus.
Jetzt ist mein Mädel erst recht eitel,
seit sich sein Mieder weiter zieht,
und seit ein Wunder ihm geschieht:
Bald hat es breite braune Scheitel
und sitzt und singt ein Wiegenlied.
Leise weht ein erstes Blühn
von den Lindenbäumen,
und, in meinen Träumen kühn,
seh ich dich im Laubengrün
hold im ersten Muttermühn
Kinderhemdchen säumen.
Singst ein kleines Lied dabei,
und dein Lied klingt in den Mai:
Blühe, blühe, Blütenbaum,
tief im trauten Garten.
Blühe, blühe, Blütenbaum,
meiner Sehnsucht schönsten Traum
will ich hier erwarten.
Blühe, blühe Blütenbaum,
Sommer wird dirs zahlen.
Blühe, blühe, Blütenbaum.
Schau, ich säume einen Saum
hier mit Sonnenstrahlen.
Blühe, blühe, Blürenbaum,
balde kommt das Reifen.
Blühe, blühe, Blütenbaum,
meiner Sehnsucht schönsten Traum
lehr mich, ihn begreifen.
Singst ein kleines Lied dabei,
und dein Lied ist lauter Mai.
Und der Blütenbaum wird blühn,
blühn vor allen Bäumen,
sonnig wird dein Saum erglühn,
und verklärt im Laubengrün
wird dein junges Muttermühn
Kinderhemdchen säumen.
Und reden sie dir jetzt von Schande,
da Schmerz und Sorge dich durchirrt,—
o, lächle, Weib! Du stehst am Rande
des Wunders, das dich weihen wird.
Fühlst du in dir das scheue Schwellen,
und Leib und Seele wird dir weit—
o, bete, Weib! Das sind die Wellen
der Ewigkeit.
DER BLONDE KNABE SINGT:
Was weinst du, Mutter? Ist das Spind
auch bettelleer,—sei gut!
Ich bin dein blondes Kronenkind,
und du hast Edelblut.
Ich schaute ja, du weißt es nicht,—
wie du so oft noch spät
beim morgenmatten Lampenlicht
dein Königskleid genäht.
So bist du eine Königin,
und sei nicht bang und zag—
und bis Ich erst krafteigen bin,
kommt unser Königs tag.
DIE MUTTER:
"Liebling, hast du gerufen?"
Es war ein Wort im Wind.
"Wie viele steile Stufen
sind noch bis zu dir, mein Kind?"—
Da fand ihre Stimme die Sterne,
fand aber die Tochter nicht.
Im Tale in tiefer Taverne
löschte ein letztes Licht.
Manchmal fühlt sie: Das Leben ist groß,
wilder, wie Strüme, die schäumen,
wilder, wie Sturm in den Bäumen.
Und leise läßt sie die Stunden los
und schenkt ihre Seele den Träumen.
Dann erwacht sie. Da steht ein Stern
still überm leisen Gelände,
und ihr Haus hat ganz weiße Wände—
Da weiß sie: Das Leben ist fremd und fern—
und faltet die alternden Hände.
INHALT
LARENOPFER (1896)
[Im alten Hause]
[Auf der Kleinseite]
[Ein Adelshaus]
[Der Hradschin]
[Bei St. Veit]
[Im Dome]
[In der Kapelle St. Wenzels]
[Vom Lugaus]
[Der Bau]
[Im Stübchen]
[Zauber] [Ein anderes]
[Noch eines]
[Und das letzte]
[Im Erkerstübchen]
[Der Novembertag]
[Im Straßenkapellchen]
[Das Kloster]
[Bei den Kapuzinern]
[Abend]
[Jar. Vrchlický]
[Im Kreuzgang von Loretto]
[Der junge Bildner]
[Frühling]
[Land und Volk]
[Der Engel]
[Allerseelen] I. II.
[Bei Nacht]
[Abend]
[Auf dem Wolschan] I
II
[Wintermorgen]
[Brunnen]
[Sphinx]
[Träume]
[Maitag]
[König Abend]
[An der Ecke]
[Heilige]
[Das arme Kind]
[Wenns Frühling wird]
[Als ich die Universität bezog]
[Superavit]
[Trotzdem]
[Herbststimmung]
[An Julius Zeyer]
[Der Träumer] I
II
[Die Mutter]
[Unser Abendgang]
[Kajetan Týl]
[Volksweise]
[Das Volkslied]
[Dorfsonntag]
[Mein Geburtshaus]
[In dubiis] I. II.
[Barbaren]
[Sommerabend]
[Gerichtet]
[Das Märchen von der Wolke]
[Freiheitsklänge]
[Nachtbild]
[Hinter Smichov]
[Im Sommer]
[Am Kirchhof zu Königsaal (aula regis)]
[Vigilien] I. II.
III. IV.
[Der letzte Sonnengruß]
[Kaiser Rudolf]
Aus dem Dreißigjährigen Kriege. [1. Krieg]
[2. Alea jacta est]
[3. Kriegsknechts-Sang]
[4. Kriegsknechts-Rang]
[5. Beim Kloster]
[6. Ballade]
[7. Der Fenstersturz]
[8. Gold]
[9. Szene]
[10. Feuerlilie]
[11. Beim Friedland]
[12. Frieden]
[Bei den Ursulinen]
[Aus der Kinderzeit]
[Rabbi Löw]
[Die alte Uhr]
[Kämpfen]
[Siegen]
[Im Herbst]
[Der kleine "Drateník"]
[In der Vorstadt]
[Bei St. Heinrich]
[Mittelböhmische Landschaft]
[Das Heimatlied]
TRAUMGEKRÖNT (1897)
[Königslied]
[Träumen]
I. [Mein Herz gleicht]
II. [Ich denke an:]
III. [Mir ist: ein Häuschen wär mein eigen]
IV. [Eine alte Weide trauert]
V. [Die Rose hier, die gelbe]
VI. [Wir saßen beisammen]
VII. [Ich wollt, sie hätten statt der Wiege]
VIII. [Jene Wolke will ich neiden]
IX. [Mir ist: Die Welt]
X. [Wenn das Volk, das drohnenträge]
XI. [Weiß ich denn, wie mir geschieht]
XII. [Schon blinzt]
XIII. [Fahlgrauer Himmel]
XIV. [Die Nacht liegt duftschwer]
XV. [Im Schoß der silberhellen]
XVI. [Abendläuten]
XVII. [Weltenweiter Wandrer]
XVIII. [Möchte mir ein blondes Glück erkiesen]
XIX. [Vor mir liegt ein Felsenmeer]
XX. [Die Fenster glühten]
XXI. [Es gibt so wunderweiße Nächte]
XXII. [Wie eine Riesenwunderblume]
XXIII. [Wie, jegliches Gefühl vertiefend].
XXIV. [O gäbs doch Sterne]
XXV. [Mir ist so weh, so weh, als müßte]
XXVI. [Matt durch der Tale]
XXVII. [Ein Erinnern, das ich heilig heiße]
XXVIII. [Glaubt mir]
LIEBEN
I. [Und wie mag die Liebe]
II. [Das war der Tag]
III. [Einen Maitag mit dir beisammen sein]
IV. [Ich weiß nicht, wie mir geschieht]
V. [Ob dus noch denkst]
VI. [Wir saßen beide in Gedanken]
VII. [Blondköpfchen hinter den Scheiben]
VIII. [Die Liese wird heute]
IX. [Ich träume tief im Weingerank]
X. [Es ist ein Weltmeer voller Lichte]
XI. [Ich war noch ein Knabe]
XII. [Die Nacht im Silberfunkenkleid]
XIII. [Schon starb der Tag]
XIV. [Es leuchteten im Garten die Syringen]
XV. [Oft scheinst du mir ein Kind]
XVI. [Nach einem Glück]
XVII. [Wir gingen]
XVIII. [Im Frühling oder im Traume]
XIX. [Sie hatte keinerlei Geschichte]
XX. [Man merkte: der Herbst kam]
XXI. [Manchmal da ist mir]
XXII. [Es ist lang]
ADVENT (1898)
[Advent. Es treibt der Wind]
GABEN
[Das ist mein Streit]
[Du meine heilige Einsamkeit]
[Der Bach hat leise Melodien]
[Ich liebe vergessene Flurmadonnen]
[Warst du ein Kind in froher Schar]
[Pfauenfeder: in deiner Feinheit]
[Oft denk ich auf der Alltagsreise]
[Damit ich glücklich wäre]
[An manchem Tag ist meine Seele still]
[Nennt ihr das Seele, was so zage zirpt]
[Die hohen Tannen atmen heiser]
[Der Abend kommt von weit gegangen]
[Das Wetter war grau und grell]
[Sonne verlodert am Himmelsrain]
[Du arme, alte Kapelle]
[Die Mädchen singen]
[Lehnen im Abendgarten beide]
[Eine der weißen Vestageweihten]
[Im Kreise der Barone]
[Ein weißes Schloß in weißer Einsamkeit]
[Irgendwo muß es Paläste geben]
[Im Schlosse mit den roten Zinken]
[Einmal möcht ich dich wiederschauen]
[Es kommt in prunkenden Gebreiten]
[Horch, verhallt nicht ein scheuer]
[Der König Abend weiß sich schwach]
[Der Tag entschlummert leise]
FAHRTEN
[Venedig] I. Fremdes Rufen
II. Immer ist mir, daß die leisen
III. Mein Ruder sang
IV. Ave weht von den Türmen her
[Englar im Eppan]
[Tenno] [Casablanca] [Arco]
[I mulini]
[Bodensee]
[Konstanz]
FUNDE
[Wenn wie ein leises Flügelbreiten]
[Ich möchte draußen dir begegnen]
[Ich mußte denken unverwandt]
[Fremd ist, was deine Lippen sagen]
[Du bist so fremd, du bist so bleich]
[Weißt du, ich will mich schleichen]
[Bei dir ist es traut]
[Die Nacht holt heimlich]
[Du, Hände, welche immer geben]
[Bist gewandert durch Wähn und Weh]
[Will dir den Frühling zeigen]
[Und dieser Frühling macht dich bleicher]
[Mir ist: ich muß dir den Brautnachtstrauß]
[Bist du so müd? Ich will dich leise leiten]
[Du: ein Schloß an wellenschweren]
[Purpurrote Rosen binden]
[Ein Händeineinanderlegen]
[Du willst dir einen Pagen küren?]
[Abend hat mich müd gemacht]
[Was reißt ihr aus meinen blassen, blauen]
[Mir war so weh. Ich sah dich blaß und bang]
[Wie meine Träume nach dir schrein]
[Und du warst schön. In deinem Auge schien]
[Du hast so große Augen, Kind]
[Du sahst in hohe Lichthofmauern]
[Sie war: Ein unerwünschtes Kind]
[Wenn ich dir ernst ins Auge schaute]
[Ja, früher, wenn ich an dich dachte]
[Ich ging durch ein Land]
[Weißt du, daß ich dir müde Rosen flechte]
[Kannst du die alten Lieder noch spielen]
[Wo sind die Lilien aus dem hohen Glas]
MÜTTER
[Ich sehne oft nach einer Mutter mich]
[Mir ist oft, daß ich fragen müßt]
[Ich gehe unter roten Zweigen]
[Leise weht ein erstes Blühn]
[Und reden sie dir jetzt von Schande]
[Der blonde Knabe singt]
[Die Mutter]
[Manchmal fühlt sie: Das Leben ist groß]