Puh, – diese Stadt!
Haus an Haus, eng, steinern, frostig. Nirgends ein Gäßlein zum Durchlugen, kein Garten an den Straßen und keine Lauben mit Rotschwänzelnestern. Und in den Höfen keine Holzbansen. Keine Stalltüren, aus denen braune Kühe traten. Und die Menschen gingen aneinander vorbei. Es bot keiner dem andern guten Tag oder ein freundliches Glückauf. Und grüßte kein Berg in die Straßen hinab. Ein paar Hügel lagen rings. Aber sie waren fern und fremd und nicht mit Stadt und Menschen verwachsen. Ihre Hänge waren zerrissen, geflickt, parzelliert. Und nirgends bot sich ein Wiesenplan, an dem das Auge hätte ausruhen können. Die Wiesen in dem breiten Flußtal, in das sich die Stadt hingelagert hatte, waren lustlose Eintönigkeit. Wieviel lichter und lustiger war das alles daheim! Und der große Fluß! Ach ja, er war größer als alle Harzbächlein zusammen. Aber sein Wasser kroch grau und träge dahin. Es konnte nicht rauschen und brausen und platschen und plantschen, kein Berglied jauchzen und fröhliche Hopser machen. Und man sah keine Forellen darin und keine Sonnenkräusel über blanke Steine rieseln. Wie langweilig der graue Fluß war!
Und wie Traumelin über die Eisenbrücke schritt und hinabsah in die trübe Flut, schien ihm das Wasser wie ein Spiegel der Zukunft. Die fremde Stadt war ihm Enttäuschung geworden. Ein Schauder kroch ihm aus ihr entgegen. Und das Gefühl des Naturkindes sagte ihm, daß sie ihm immer fremd bleiben würde. Wo keine klaren Wasser fließen, findet ein Bergjunge keine Heimstatt.
Würgt nicht schon wieder der Knoten im Halse, Jürgen Traumelin? Ein langer Seufzer ging ihm aus der Brust. Und seine Gedanken flogen heimwärts, ein Heilkräutlein zu pflücken gegen die grausame Ernüchterung. Die Erinnerung begann goldene Bogen zu bauen.
Dann war der Bergjunge allein unter fremden Menschen. Zum ersten Male in seinem Leben. Er teilte seine Behausung mit ein paar Altersgenossen, die das gleiche Ziel in die Stadt führte.
Wo seid ihr her? Und sie nannten ihre Dörfer.
Ach, ihr Flachlandkinder! Ihr habt alle keine Harzheimat mit Bergen und Fichtenwäldern und Bächen und Blumenwiesen!
Habt ihr schon Hirsche gesehen? Oder schon Forellen gefangen? Wißt ihr, wie Zeisige singen, oder könnt ihr pfeifen wie der Dompfaff?
Sie lachten über ihn. Und als er zu Bett ging, wußte er, daß ihm diese Menschen, die das Schicksal ihm zu Weggenossen bestimmte, fremd bleiben würden wie die fremde Stadt.
Wie frisch die Bettwäsche roch, die ihm die Mutter sorglich mitgab! Genau wie daheim, wenn die Betten neu überzogen waren. Wie daheim …