Manchem Mütterlein, das nur ein paar kümmerliche Morgen Pachtwiese ernten kann, rutscht mit dem Ruf des Hirtenhorns eine Sorge vom Herzen. Der Heuboden hat ein arges Loch bekommen. Dem Bergmenschen ist sein Vieh nicht Inventar. Er lebt mit seinen Tieren und sieht ihre Not nicht nur mit den Augen. Er fühlt sie im Herzen mit. Und so begrüßt er das erste Frühlingsgrün an den Hängen wie eine Gottesgabe, die die Berge ihm darreichen für seine Tiere. Froh und kümmernisbefreit läßt er sie nun hinaus: Kumm, Resel, Orschel, Herschel, Liesel, – kumm!

Die Braunen treten zaudernd über die Schwelle. Sie können noch nicht daran glauben, daß sie die Kette nicht mehr an der Krippe festhält. Und das Taglicht blendet nach dem langen Stalldämmer. Wieder ein zaghafter Schritt. Nun stehen sie draußen und gucken und wundern sich.

Dann geht ihnen ein Erinnern auf an die goldene Freiheit in den Bergen. In übermütigen Sprüngen und Kapriolen hopsen sie davon. Sie schlagen aus in wilder Freude, als wollten sie die Winterfesseln weit von sich schleudern. Die Temperamentvollsten geben ihr Freiheitsbehagen mit den Hörnern kund. Es ist ein Raufen und Stoßen bald hier, bald dort. Bis der Hirtenhund Ordnung schafft oder die Peitsche eines Jungen über die Kämpfenden hinknallt. Klitsch–klatsch–paatsch! – Das Peitschenknallen gehört zu diesem Festtag wie die Herde selbst. Das wäre kein Bergjunge, der sich nicht wochenlang im Peitschenschlagen geübt und der nicht den Ehrgeiz hätte, die beste, schlankste »Schwippe« zu haben für diesen Tag, auf den sich alle freuen.

Manche Bicktanne wandelt sich zum Peitschenstiel. Die Kaufleute können nicht genug Klappschnüre schaffen, und der Sattler muß die Riemen bündelweis schneiden. Wenn dann der große Tag da ist, wird die Schwippe geschmückt mit der Schwester schönstem Haarband, – und ein Knallen geht los auf allen Gassen. Klitsch–klatsch–paatsch! hallen die Berge wider. Klitsch–klatsch–paatsch! kommt’s im Echo von den Hauswänden. Der kleinste Knirps ist mit heiligstem Eifer dabei. Selbst die Alten können es nicht verwinden, noch einmal die alte Kunst zu üben. Und es wird erst ruhig im Städtchen, wenn die Herde heimwärts zieht und die Stalltüren sich wieder schlossen.

Unfug, sagst du? – Nein, auch das Peitschenknallen ist eine Äußerung der Frühlingsfreude. Wie soll ich’s nennen?

Wenn du’s als Bergjunge nicht gefühlt hast, du wirst’s als Nörgler nicht erjagen.

Johannistag

Tripp – trapp – Käsenapp,

Heute ist Johannistag!