Wie von einem Schleier enthüllt, entfaltet sich dann ein ganz anderes Bild als dasjenige ihres gewöhnlichen, öffentlichen Erscheinens unter Fremden. Es wird, sozusagen, aus ihnen eine andere Nation als die, unter der man bis dahin zu leben geglaubt hat, und ich muss gestehen, dass ich sie in ihrem natürlichen Zustande trotz ihres Aberglaubens vorziehe, in welchem sie rein kindlich-offenherzig werden, als demjenigen, wenn sie im öffentlichen Leben vor dem Fremden ein ganz sonderbares Gemisch von Misstrauen, süsser Höflichkeit, Ergebenheit, Neugierde, Zurückhaltung und Stolz zeigen.

Ein Hauptzug ihres öffentlichen Charakters ist die grosse Gewandtheit, sich zu verstellen. Keine Bewegung, kein Wort, kein Hauch ist alsdann bei ihnen glaubwürdig. Wenn sie sich verstellen wollen oder es zu müssen glauben, so ist nicht die geringste Veränderung in ihren Zügen zu bemerken, wenn Eindrücke der Freude oder des Kummers sie erregen. Wenn sie sich jedoch nicht verstellen wollen oder glauben offenherzig sein zu dürfen, ja dann tragen ihre Züge einen so sprechenden Ausdruck ihrer vollsten Empfindungen, dass man kaum ihrer Worte bedarf, um sie zu verstehen. Sie sind, so zu sagen, alsdann das Modell eines gefühlvollen, intelligenten Menschen, da sie durch angeerbte Gewohnheiten oder durch irgend ein mächtiges „Muss“ erlernt haben, ihre Gefühle in jeder Lage des Lebens sofort zu bemeistern — eine Fähigkeit, die sich sichtlich in den so auffallend geordneten Sitzungen ihres Parlamentes und ihrer Behörden beweisen, wo das Bemeistern ihrer Gefühle und Erregungen eklatante Fälle liefert.

Was öffentlich noch theilweise das Gepräge der alten Zeit trägt, sind die sonderbaren Grashütten der Armen und die Grashäuser der Reichen, die übrigens bedeutend abzunehmen beginnen, um an ihrer Stelle zierlich weiss gestrichenen Häusern mit rothen Dächern Platz zu machen.

Diese Grashütten und Häuser sind entweder aus Rasenstücken aufgeführt oder bestehen aus dickem, festen Grasgeflecht. In beiden Fällen sind dieselben ohne Decke mit einem dicken Grasdach versehen. An Stelle der Fenster sind Luken, die — gleich wie die Thüren — aus einem festen Grasgeflecht, welches in einen hiezu verfertigtem Rahmen gespannt wird, bestehen. Das zum Geflechte der Wände, Dächer, Thüren und Luken gebrauchte Gras ist ein Sumpfgras. Ein Dach aus demselben, d. h. doppelt geflochten, hält 25–30 Jahre. Oft brauchen sie hiezu die Blätter der „Thy“-Staude (einer Thyphacee) deren Haltbarkeit für die Dächer nur 6 Monate währt; zu den Wänden gebraucht ist selbige jedoch eine überaus dauerhafte.

Im Innern sind solche Hütten und Häuser meist rein gehalten, und bestehen dieselben aus einem grossen Raum, der durch Matten oder „Thy“-Blättergeflecht in 2 oder 3 Abtheilungen getheilt ist, von denen die eine als Gesellschaftsgemach und die andern als Schlafgemächer benutzt werden.

Möbel gab es früher nicht, und gibt es jetzt noch in denselben nur wenige. Verhältnissmässig saubere, stets in farbigen Mustern geflochtene Matten, aus den Fasern des Pandanus littoralis geflochten bedecken den Fussboden, den nur die Erde bildet, oft in doppelt und dreifachen Schichten und dienen als Tisch, als Stuhl und als Lager. Zahlreiche Kissen, und zusammengerollte Matten liegen auf dem Boden zerstreut zur Bequemlichkeit der sitzenden, kauernden oder liegenden Gesellschaft.

Die Hütten und Häuser sind auffallend frisch; die heissesten Sonnenstrahlen haben keine durchwärmende Wirkung auf das Geflecht, daher das Innere der Gemächer, die stets im Halbdunkel erhalten werden immer kühl erscheint.

Die Frauen hatten in Folge der schon früher erwähnten heiligen Satzung des „tabú“ ein abgesondertes Haus zum Speisen, jetzt jedoch, wo das Christenthum in das Volk gedrungen ist, schwindet auch dieser Gebrauch des alten Aberglaubens, und die Frauen speisen mit den Männern zusammen oder mindestens unter einem Dache. Gekocht wird stets im Freien. Sie essen am liebsten kalte Speisen und gekochte erkaltet. Sie lieben Schweinefleisch, dessen Zubereitung eine höchst eigenthümliche und wie folgt ist:

Das Schwein wird geschlachtet, geöffnet, die Gedärme werden herausgenommen, das Innere wird sorgfältig gereinigt und wiederholt mit frischem Wasser ausgewaschen, dann mit während dieser Zeit glühend gemachten Steinen — von Grösse einer Faust, — gefüllt. Alsdann wird das Schwein möglichst hermetisch mit Blättern der Bananen umwickelt, in eine Grube glühender Steine gelegt und mit glühenden Steinen bedeckt. Sobald die Steine erkaltet sind, ist auch das Werk vollbracht und das Schwein auf das Beste gebraten und gebacken. Überraschend saftig und wohlschmeckend wird ein Thier auf diese Art zubereitet. In gleicher Weise behandeln sie Geflügel, Fische u. s. w.

Ihre tägliche und liebste Nahrung ist jedoch der sogenannte „poi“, der wie schon früher erwähnt, aus der „tarro“-Wurzel zubereitet wird. Der „tarro“ oder „kálo“, wie ihn die Hawaii-er nennen ist der „Arum esculentum“, gehört der Familie der Aurideen an, einer Art des in Ostindien, Ägypten etc. als mehlstoffhaltiges Nahrungsmittel verwandten Arum Colocasia, welche Wurzel nicht zu verwechseln ist mit der Zehrwurzel, der Arum maculatum, die braunroth gefleckt und giftig ist, während Arum esculentum und colocasia ohne Flecken sind und von ihrem theilweise giftigen, stark ätzenden, flüchtigen Stoffen durch Kochen, Rösten oder Gähren vollständig befreit und für den Genuss unschädlich gemacht werden.