»Da seien Sie froh,« erwiderte Deruga mit seinem gewinnenden Lächeln. »In Ihrem Alter könnte es leicht das zehnte oder hundertste Mal sein. Übrigens hatten Sie ganz recht, die Menschen sind dumme, schwache Tiere. Warum hätten Sie mir glauben sollen?«
Der Justizrat schüttelte den Kopf. »Ein alter Praktiker wie ich«, sagte er, »müßte unterscheiden können. Aber, daß ich Sie von Anfang an gern leiden mochte, Deruga, das haben Sie hoffentlich bemerkt.«
»Ja, obwohl Sie mich nebenbei für einen Hundsfott hielten,« sagte Deruga.
Der Justizrat musterte ihn mit liebevollen Blicken.
»Sie sehen schlecht aus. Trinken wir eine Flasche Wein zusammen!«
Deruga entschuldigte sich mit starken Kopfschmerzen.
»Ich weiß nicht, was mich so mitgenommen hat,« sagte er. »Ich glaube, es war das Gefühl, wie dieser Herr mir Schritt für Schritt nachgeschlichen ist.«
»Eigentlich,« sagte der Justizrat, sich besinnend, »habe ich der Kanaille unrecht getan. Er hat sich wie ein anständiger Mensch benommen.«
»Schade, nicht?« sagte Deruga, worauf sie sich trennten.
Im Gerichtsgebäude standen die am Prozeß beteiligten Juristen noch zusammen, um Dr. Bernburger geschart, den sie nach verschiedenen Einzelheiten ausfragten. Der Staatsanwalt schüttelte ihm zum dritten Male beide Hände und lobte seinen Eifer. Seine dünnen Haare waren zerzaust, und seine hellen Augen blinkten feucht unter den fuchsschwänzigen Augenbrauen.