»Sie fand es vermutlich bei uns ebenso langweilig wie ich,« sagte die Baronin, »denn seit sie herangewachsen war und mir eine Gesellschafterin hätte sein können, ergriff sie jede Gelegenheit, um von Hause fort zu sein. Inzwischen verkürzte ich mir die Zeit mit einem Zukunftsplane: dem, mich von meinem Manne freizumachen, sobald meine Tochter versorgt, das heißt, verheiratet wäre.«

In Derugas Mienen malte sich aufrichtiges Erstaunen.

»Sie denken wirklich daran, sich jetzt noch scheiden zu lassen?« sagte er.

Ein reizendes Lächeln, das sie jung machte, glitt über das Gesicht der Baronin.

»In meinem Alter, wollen Sie sagen? Solange ich den Wunsch habe, bin ich offenbar jung genug dazu,« entgegnete sie.

»Und dann wollen Sie einen amüsanteren Mann heiraten?« fragte Deruga.

»O, heiraten!« wiederholte sie. »Darauf kommt es mir nicht an, auch nicht auf förmliche Scheidung, nur darauf, frei zu sein und die Atmosphäre der Langenweile zu verlassen.«

Deruga zuckte die Schultern. »Im Grunde herrscht auf der ganzen Erde dasselbe Klima,« sagte er.

»Nein, nein,« rief sie lebhaft, »ich kann mir zum Beispiel nicht denken, wie man sich in Ihrer Gesellschaft je langweilen sollte!« Sie hatte so eine freie Art, die Dinge naiv wie ein Kind herauszusagen, daß selbst Deruga, der sich für einen Kenner der Frauen hielt, nicht unterscheiden konnte, ob die Blüte echt oder künstlich war.

»Das hat auch seine Kehrseite,« antwortete er gutmütig. »Erinnern Sie sich nicht an den Vers, den mir die arme Marmotte in ein Buch schrieb: