Der Baron war derselben Meinung, und Mingo errötete vor Freude.

»Liebe Mama,« sagte sie, »ich bin froh, daß du doch ein guter Mensch bist.«

»Aber Mingo,« sagte die Baronin verweisend, indem sie sich doch nicht enthalten konnte, zu lachen.

»Darf ich mitgehen, Mama?« bat sie, die aufgesprungen war und ihre Mutter umarmt hatte. »Du weißt, wie ich darunter gelitten habe, nun möchte ich auch dabei sein, nachdem es sich so schön gewendet hat. Er wird doch sicher freigesprochen?«

»Daran ist wohl nicht zu zweifeln,« sagte der Baron, indes die Baronin sich von Mingos Umarmung freimachte und ein peinliches Gefühl von Eifersucht, das plötzlich in ihr aufstieg, zu unterdrücken suchte. Ihr Blick glitt schnell prüfend über Mingo hin, deren Dasein sie plötzlich als Einengung und Hemmung empfand. Aber sie wollte ja studieren, sagte sie sich, und das war ja ein gutes, richtiges Gefühl von ihr, daß sie noch an sich arbeiten und sich entwickeln wollte. Die Berührung der frischen Lippen war doch unsäglich lieblich. Die Baronin legte ihre Hand liebkosend unter das noch kinderrunde Gesicht ihrer Tochter und sagte:

»Ich werde Deruga gelegentlich erzählen, daß du von Anfang an sein tapferer, kleiner Ritter gewesen bist.«

Mingo leuchtete vor Stolz. »Und ich stecke mein Schwert nicht ein, bis er frei ist,« sagte sie.


XVIII.