Fräulein Schwertfeger nickte ernsthaft.
»Wollen Sie uns und den Herren Geschworenen zunächst ausführlich erzählen, was Sie von der Entstehung des Testamentes der verstorbenen Frau Swieter wissen! Da Sie von früher Jugend an miteinander befreundet waren, wird sie vor der Aufsetzung des Testamentes mit Ihnen davon gesprochen, vielleicht Sie um Ihren Rat gefragt haben?«
»O nein,« antwortete Fräulein Schwertfeger schnell, »sie sagte wohl immer: 'Was meinst du dazu, Gundel? Soll ich das tun, Gundel?' Aber das war nur eine Form der Höflichkeit oder Herzlichkeit. In wichtigen Dingen beanspruchte sie nie Rat und hätte ihn nie angenommen.«
»Um Rat also hat sie nicht gefragt?« sagte Dr. Zeunemann. »Aber die Beweggründe ihres Willens wird sie doch angegeben haben?«
»Ja, das hat sie getan,« antwortete Fräulein Schwertfeger.
»Die Verstorbene war schon seit acht Jahren krebsleidend,« sagte Dr. Zeunemann. »Hat ihr das nicht schon früher, bevor sie das Testament aufsetzte, Anlaß gegeben, über ihre letztwilligen Verfügungen zu sprechen?«
»Mit mir nie,« sagte Fräulein Schwertfeger. »Und ich glaube, überhaupt nicht. Die Ärzte suchten sie doch immer über den wahren Charakter ihres Leidens zu täuschen, und sie kam ihnen darin entgegen, erstens, weil ihr überhaupt leicht etwas weiszumachen war, und dann, weil sie in diesem Falle das Bedürfnis hatte, getäuscht zu werden. Sie wollte leben und hoffen. Dazu kommt, daß sie sich nach einer Operation immer wieder vollkommen gesund fühlte.«
»Wie kam es denn,« sagte Dr. Zeunemann, »daß sie doch zuletzt an das Testament dachte?«
»Nun, das ist klar,« sagte Fräulein Schwertfeger, »weil es damals wirklich dem Ende zuging und sie das fühlte. Als ihr vor einem Jahre der schreckliche Anfall kam, nach welchem sie nicht wieder aufgestanden ist, war sie sehr betroffen und wußte, daß sie nicht wieder gesund werden würde. Sie sprach es nicht aus, aber ich fühlte oft, daß sie es dachte.«
Aufgefordert, den Vorgang ausführlich zu schildern, erzählte Fräulein Schwertfeger: