Der Justizrat, den er befragte, sprach sich ziemlich hoffnungsvoll aus. Deruga habe zwar nicht durchaus einen guten Eindruck gemacht, und es bleibe zu vieles im Dunkeln, als daß jeder Verdacht aufgehoben würde, aber die vorhandenen Indizien genügten seiner Ansicht nach durchaus nicht, daß gewissenhafte Geschworene daraufhin ein Schuldig aussprechen könnten. Gabussis freundschaftliche Gefühle waren davon nicht befriedigt; er bestand darauf, als Zeuge aufzutreten, damit die Menschen Deruga mit seinen Augen, das heißt, wie er wirklich wäre, sähen und ihn freisprächen, nicht, weil er nicht überführt werden könnte, sondern von seiner Schuldlosigkeit überzeugt.
»Sie sind mit Vorurteilen an dich herangetreten,« sagte er. »Sie haben nur einen Ausschnitt von dir kennengelernt. Könnte man ein Gemälde richtig beurteilen, wenn man nur ein millimetergroßes Stückchen davon betrachtet? Ich will ihnen von deiner Kindheit und deinen Jugendjahren erzählen, so wie du bist, ohne Übertreibung und künstliche Beleuchtung. Das ist eine induktive Methode, die den wissenschaftlichen Deutschen zusagen muß.«
Gabussis Erscheinung machte einen günstigen Eindruck. Man fand, daß seine ehrlichen braunen Augen, sein schlichtes Auftreten und freimütiges Reden eines Deutschen würdig wären. Da er ein paar Semester in Wien studiert hatte, sprach er ziemlich gut Deutsch, wenn er langsam und vorsichtig vorging. Er sei, erzählte er, mit dem Angeklagten seit früher Kindheit bekannt, sie hätten dieselbe Schule und später dasselbe Gymnasium besucht. Dodo, wie er genannt wurde, sei in seinem, Gabussis, elterlichen Hause gern gesehen worden. Man habe bewundert, wie viel er geleistet, unter wie schwierigen Verhältnissen er sich durchgearbeitet habe.
»Worin bestanden die schwierigen Verhältnisse?« fragte der Vorsitzende.
»Seine Familienverhältnisse waren ungünstig,« erklärte Gabussi. »Er wurde zu Hause viel beschäftigt, so daß er oft die Nacht zu Hilfe nehmen mußte, um mit den Schularbeiten fertig zu werden.«
»Wie kam das?« fragte der Vorsitzende, »was war sein Vater?«
»Sein Vater war damals Obstverkäufer,« antwortete Gabussi. »Er hatte ein kleines Gewölbe hinter dem alten Rathause.«
»So,« sagte der Vorsitzende, in den Akten blätternd. »Nach Derugas Angabe war sein Vater Kaufmann.«