Deruga rührte sich nicht von der Stelle und starrte versunken auf die feuchte Erde. Eine Zeile aus einem alten Gedicht lag ihm im Sinn, und er führte sie an, als er sich darauf besonnen hatte:
»La doglia mia cresoe coll' ombra.«
»Das klingt wie ein Ton von einer Amati,« sagte der Justizrat, die Musik des Verses mit sichtlichem Genusse schlürfend. »Was heißt das?«
»Mein Weh wächst mit den Schatten,« übersetzte Deruga. »Das will also sagen, mit der wiederaufgehenden Sonne verschwindet es und bedeutet nicht mehr als eine Abendstimmung.« Er schüttelte sich, als werfe er die trübe Laune von sich, und wandte sich rasch dem Ausgange zu.
»Wenn du erst bei mir in meinem Bergdorfe bist,« sagte Gabussi, »werden dich solche Stimmungen bald ganz verlassen. Das ist der Kohlenstaub der großen Stadt, den der reine Himmel der Höhen verzehrt.«
»Ob mir diese Luft wirklich so gut anschlagen würde, wie du meinst?« sagte Deruga. »Ich bin nun einmal kein Bauer.«
»Du wirst einer werden,« rief Gabussi lebhaft aus. »Wenn du erst gelernt hast, dich für nichts als unsere paar Kühe und Ziegen zu interessieren, dann wirst du gesund sein.« Er forderte den Justizrat zur Bestätigung seiner Meinung auf.
»Ein bißchen zu verbauern, täte Ihnen gewiß gut,« sagte dieser vorsichtig.
»Sie meinen,« sagte Deruga, »wenn man den verzwickten Kerl in seine Bestandteile auflösen und einen ganz neuen daraus machen könnte, dann wäre ihm allenfalls geholfen.«
Der Justizrat lachte.