Mingo trat vom Fenster weg und kauerte sich in einen Sessel, den sie neben den ihrer Mutter gerückt hatte.
»Ob wohl alle Wünsche verblassen?« sagte sie, »wenn sie ihrer Verwirklichung nahekommen? Aber, Mama, vielleicht kann ich mich nur heute abend nicht so recht freuen, weil ich müde bin. Wenn du mir jetzt die Erlaubnis mit ins Bett gibst, werde ich morgen früh ganz glücklich damit erwachen.«
Die Baronin warf einen nachdenklichen, freundlichen Blick auf ihre Tochter.
»Nein, geh' noch nicht zu Bett, Kleines,« sagte sie. »Ich finde es so hübsch, mit dir allein zu plaudern. Weißt du, das Heiraten steht dir ja immer noch frei, aber es ist lange nicht so unterhaltend, wie du es dir jetzt wohl vorstellst, besonders wenn man nur um des Geldes willen heiratet.«
»Hast du Papa um des Geldes willen geheiratet?« fragte Mingo.
»Nun, nicht in dem Sinne, daß er mir ohne Geld unannehmbar gewesen wäre,« sagte die Baronin, »im Gegenteil, er gefiel mir gut und zog mich an. Nur hätte das vielleicht nicht zu einer Heirat geführt, wenn er nicht so vermögend gewesen wäre.«
»Gefiel er dir später nicht mehr so gut?« fragte Mingo zaghaft.
»O, gefallen,« sagte die Baronin, »muß er einem doch. Er ist so außerordentlich vornehm, nie aufdringlich, nie geschmacklos. Nur langweilig ist er, kannst du dir das denken?«
»Ja,« nickte Mingo, »ich kann es mir vorstellen. Aber ich dachte, wenn man sich liebt!«
»Ach, kleine Torheit,« lachte die Baronin. »Liebe allein füllt nicht einen einzigen Abend aus, wenn man einmal verheiratet ist.«