Von Hühnern tritt in zahlloser Menge das lautschreiende Perlhuhn (Numida ptilorhyncha), die Wachtel als Wintergast und an Stelle unserer Rebhühner die verschiedenen, schön gezeichneten und in Einweibigkeit lebenden Frankoline (Francolinus rubricollis, Erkelii u. s. w.) auf; auch die Flughühner (Pterocles) sind vertreten und die Laufvögel beginnen mit der in den Steppen häufigen Trappe (Otis arabs), die nicht die Größe unserer großen Trappe erreicht, aber weniger scheu ist und besonders von Insekten lebt. Kommt der Strauß (Struthio Camelus) auch nirgends im abessinischen Hochland vor, so umzieht er dasselbe doch ringsum in den Steppen und Wüsten.

Unter den Regenpfeifern und Kiebitzen fällt nur der Dickfuß (Oedicnemus affinis) wegen seiner nächtlichen, eulenartigen Lebensweise auf; an feuchten, fischreichen Stellen wimmelt es oft von Reihern, Storcharten, Schattenvögeln und Störchen und an den Küsten des Rothen Meeres sind Möven, Pelikane, Seeschwalben und Tölpel im Ueberfluß vorhanden. Reich an Wassergeflügel ist auch der Tanasee, dessen breite, mit Inseln durchzogene Fläche demselben einen günstigen Aufenthaltsort gewährt. Dort wimmelt es von Seeschwalben, Enten (Anas clypeata, sparsa u. s. w.), Strandläufern, Kiebitzen, Regenpfeifern; da stehen unbeweglich der Riesenreiher und der schwarzkehlige Fischreiher (Ardea Goliath und A. atricollis), auf Reptilien lauernd, da plätschern Wasserhühner, Gänse und Spornschwäne in der Flut.

Weil mehr mit dem Menschen im Verkehr und ihn als Raub-, Jagd- oder Hausthier meist näher angehend, fesselt auch das Reich der Säugethiere mehr unser Interesse als jenes der Vögel.

Abessinien mit seinen Grenzländern kennt etwa sechs bis acht Affenarten. Ruhig und gemüthlich verfließt das Leben der graugrünen Meerkatze (Cercopithecus griseo-viridis), eines echten Baumaffen, der in starken Banden gesellig zusammenlebt und von der Höhe seines Aufenthaltes selten auf den Boden [pg 72]herabkommt, gleichviel ob er dort in Dornen der Mimosen oder im Laub der Sykomore sitzt. Seine Behendigkeit ist unglaublich groß und mit Hülfe des steuernden Schwanzes führt er die kühnsten Sprünge aus. Als unumschränkter Herr und Gebieter steht der lustigen Herde ein altes, geprüftes Männchen vor, das alle jungen Nebenbuhler von den seiner Obhut unterstehenden Damen fernhält. Diese zeigen gegen ihre häßlichen Sprößlinge eine außerordentliche Mutterliebe, welche sie durch fortwährendes Reinigen und Liebkosen des Kindchens bethätigen. Nur nebenbei verzehrt diese Meerkatze Heuschrecken und andere Insekten; Früchte, Knospen und Getreide sind ihre Lieblingsgerichte und wehe dem Durrah- oder Maisfelde, in das die verschmitzte Bande lüstern eindringt! Das Wenigste wird nur verzehrt, das Meiste unbarmherzig verwüstet und dann auf der Stätte des Diebstahls ein Tummelplatz freudiger Spiele für Alt und Jung bereitet. Vor Menschen weniger, wohl aber vor Hunden, Schlangen, Fröschen und ihrem besondern Feinde, dem Habichtsadler, fürchtet sich die Meerkatze sehr. Weit würdevoller als die Meerkatzen treten die Paviane auf, unter denen der Silberpavian oder Hamadryas (Cynocephalus Hamadryas) der häufigste ist. Dieses merkwürdige Geschöpf, dem schon die alten Aegypter Achtung zollten und das man auf ihren Denkmalen abgebildet findet, lebt zwischen 1000 und 7000 Fuß Meereshöhe und findet sich um so häufiger, je pflanzenreicher das Gebirge ist. Jede Bande behauptet im Gebirge ein bestimmtes Gebiet und zählt etwa fünfzehn bis zwanzig erwachsene und kampftüchtige Männchen, wahre Ungeheuer mit einem Gebiß, welches fast mit dem eines Löwen wetteifern kann, dasjenige des Leoparden jedoch übertrifft. Schon von Weitem unterscheidet man die Männchen an ihrem langen graugrünlichen Mantel und der hervorragenden Gestalt von den bräunlicher gefärbten Weibchen, die vollauf mit ihren übermüthigen Jungen zu thun haben. Greift auch der Pavian so leicht einen Mann nicht an, so ist er doch den Frauen ein Gegenstand des Entsetzens, von welchen eine größere Anzahl von Pavianen als von Löwen und Leoparden umgebracht wird. Der ärgste Feind des Silberpavians ist der Leopard, der ihm Tag und Nacht nachschleicht und sich ebenso listig wie kühn auf jedes von der Herde isolirte Thier stürzt.

Auch mit ihren Verwandten leben diese Paviane nicht immer auf gutem Fuße, namentlich mit den Tscheladas (Cercopithecus Gelada), gegen welche sie in Semién oft förmliche Schlachten liefern. Letzterer Mantelpavian bewohnt einen Höhengürtel von 7–11,000 Fuß über dem Meere, während der Hamadryas mehr die Tiefen-Gegenden liebt; jedoch steigen die Tscheladas von ihren Bergen herab, um die unten liegenden Felder zu plündern, wobei dann die Schlachten mit den Silberpavianen stattfinden.

Der schwarze Pavian (Cercopithecus obscurus) wurde erst 1862 von Heuglin entdeckt. Dieser stattliche Affe lebt in großen Rudeln auf 6 bis 10,000 Fuß Höhe meist an felsigen Schluchten. Man sieht ihn selten auf Bäumen, gewöhnlich auf Weideplätzen oder Felsen, von denen herab er nicht selten gegen seine Verfolger Steine schleudert. Die Nacht verbringt er in Gesellschaft in Klüften und Höhlen, steigt in der Morgensonne auf Hügel, wo er zusammen[pg 73]gekauert sich erwärmt und zieht dann in die Thäler nach Nahrung, die aus Blättern zu bestehen scheint. Gewöhnlich führen zwei bis sechs alte Männchen gravitätischen Schrittes eine Herde von 20 bis 30 Weibchen und Jungen an, welche theils spielend um den Trupp sich tummeln, theils von den Müttern getragen und zuweilen tüchtig geohrfeigt werden. Naht Gefahr, so flüchtet auf ein leises Bellen des Warners die ganze Gesellschaft in Felsenschluchten. Der schönste Affe Abessiniens ist der von Rüppell entdeckte Colobus Gueraza, dessen durch den starken Kontrast von schwarz und weiß ausgezeichnetes Fell ein beliebtes Pelzwerk und eine Zierath für die Kriegsschilder liefert. Er lebt in der Waldregion der Kola auf den höchsten Bäumen.

Während Afrika im Allgemeinen reich an Flatterthieren ist, kommen dieselben in dem hier in Rede stehenden Gebiete weniger vor. Die Ursache davon hat Heuglin ergründet. Namentlich in den nördlichen Grenzländern Abessiniens, in Bogos u. s. w. wird starke Viehzucht getrieben, und die Herden kommen, wenn in ferneren Gegenden bessere Weide und mehr Trinkwasser sich finden, oft monatelang nicht zu den Wohnungen der Besitzer zurück. Die Rinder sind gewöhnlich mit Myriaden Fliegen bedeckt, die ihnen nachfolgen und wiederum die Fledermäuse, welche von letzteren leben, veranlassen, gleichfalls eine Wanderung zu unternehmen. Mit der letzten Rinderherde verschwinden auch die Fledermäuse spurlos, um mit dem Einrücken derselben in ihre alten Standquartiere auch wieder zu erscheinen. Die gemeinste Art der in Ostabessinien, namentlich um Massaua vorkommenden Fledermäuse ist der kleine von Rüppell entdeckte Nyctinomus pumilus. Auch häßliche Glattnasen (Phyllorina-Arten) kommen vor, die nicht nur in der Dämmerzeit, sondern die ganze Nacht hindurch fliegen. Der große Pteropus schoensis zeigt sich auch am Tage und lebt von den Früchten der Feigen und Bananen.

Abessinien beherbergt mehrere Mitglieder der Katzenfamilie: die kleinpfotige Katze, welche von Einigen für die Stammutter unsrer Hauskatze gehalten wird, den Gepard (Cynailurus guttatus), den Leoparden (Felis Leopardus) und den Löwen (Felis Leo), doch verdienen nur die beiden letzteren hier eingehendere Beachtung. Gehen sie auch in die Berglandschaften hinauf, so ist doch ihr Lieblingsaufenthalt in den tieferen Gegenden, in der Kola, den nördlichen Grenzländern, der Samhara. Der Löwe (amharisch Anbasa) ist gerade nicht selten, der Leopard geradezu gemein und oft genug hört man des Nachts die Stimme des Königs der Thiere erschallen. Doch fürchtet man ihn verhältnißmäßig wenig, denn sein Jagdgebiet ist so reich, daß ihn nur selten der Hunger treibt, sich am Menschen zu vergreifen. Es kommt häufig vor, daß junge, noch säugende Löwen von den Abessiniern gefangen und aufgezogen werden; doch verkaufen und verschenken diese die allmälig kostspielig werdenden Thiere bald an reiche Leute, und aus solcher Quelle stammen auch die berühmten Löwen des Königs Theodoros. Das Fell eines erlegten Löwen gehört dem Könige, der tapfere Krieger wird mit einem breiten Streifen davon beschenkt, der seinen Schild ziert. Weit häufiger und auch gefährlicher als der Löwe ist der [pg 74]Leopard (Nemr auf amharisch), den man nächst der Hyäne und dem Schakal als das gemeinste Raubthier Abessiniens ansehen kann. Von der Ebene an bis hoch in das Gebirge hinein, bei Tag und bei Nacht, überall ist dieser freche Raubmörder zu finden. Er scheut den Menschen gar nicht und kaum das allen Raubthieren so entsetzliche Feuer; frech dringt er in die Hütten der Eingeborenen, raubt ein Kind und zieht sich mit seiner Beute in das Dickicht zurück. Von der Antilope bis zur Maus bewältigt er alle Säugethiere. Brehm erzählt, daß im Dorfe Mensa ein einziger Leopard während eines Vierteljahrs nicht weniger als 8 Kinder, ungefähr 20 Ziegen und 4 Hunde wegschleppte. In ganz Abessinien kann man Hunde und Hühner kaum vor ihm sichern. Mit dem Feuergewehr jagen die Abessinier das ihnen so verhaßte Raubthier ebenso wenig wie den Löwen; bei Weitem die meisten Leoparden, welche man erlegt, werden erst in Fallen gelockt und in diesen gewöhnlich durch Lanzenstiche getödtet. Diese Fallen sind ganz nach dem Grundsatze starker Mausefallen gebaut, d. h. sie bestehen aus einem Pfahlgitterwerk mit Fallthür; ein lebendiges Thier, ein Stück Fleisch sind der Köder, mit dem der Leopard angelockt wird; häufig bringt man auch eine lebende, kläglich meckernde Ziege in die Falle. Mit großer Vorsicht umgeht der Räuber oft zwei oder drei Nächte lang den Käfig, bis er endlich sich hineinwagt und gefangen ist. Von der Meeresküste geht dieser kühne Räuber bis zu 12,000 Fuß Höhe an die Eisgrenze hinauf. Der Gepard findet sich ausschließlich in der Samhara und nicht im Gebirge; er ist ein Tagräuber und keine gemeine Katze; denn er ist nicht blutgierig und raubt niemals mehr als er zu seinem Unterhalte bedarf. Draußen in der freien Steppe betreibt er seine Jagd auf Antilopen, Hasen, Mäuse, Perlhühner. Gegen den Menschen vertheidigt er sich nicht, doch macht dieser meist auf ihn Jagd, um das bunte Fell zu verwerthen, das nur selten im Handel vorkommt. Aber zur Jagd wird er in Abessinien nicht abgerichtet, wenn auch einzelne gezähmte Thiere hier und da gehalten werden.

Bis zu den höchsten Spitzen der Berge Semiéns in die Region der Dschibarra streift der Walgie (Canis simensis), um den Ratten nachzustellen. Er ist eine häufige Erscheinung unter den hundeartigen Raubthieren; dagegen ist der Wolfshund (Canis Anthus) ziemlich selten, desto gemeiner aber wieder der Schakal (Canis mesomelas), der nicht mit dem weiter nördlich vorkommenden eigentlichen Schakal verwechselt werden darf. Der abessinische, schwarzrückige Schakal ist etwas größer als sein Verwandter und in der Samhara wie im Gebirge in jedem größeren Dickicht anzutreffen. Seine eigentliche Jagdzeit auf Hasen, Hühner, Perlhühner, Ziegen, ja selbst Mäuse und Heuschrecken ist in der Nacht; dann ist er ein frecher, regelmäßiger Gast in den Dörfern oder am Lagerplatz der Karawane, welcher er ohne Scheu, selbst wenn das Feuer hell lodert, sich nähert. Auch wo gefallene Thiere liegen, stellt er sich heulend ein und an solchen Plätzen trifft er mit der gefleckten Hyäne (Hyaena crocuta, amharisch Dschib) zusammen, einem der gemeinsten Raubthiere Abessiniens. Durch langgezogene Klagetöne kündigt sie ihren Wunsch nach irgendwelcher Nahrung an, [pg 75]um den ewig verlangenden Magen zu befriedigen. Auch sie wird von den Eingeborenen arg gehaßt, obgleich sie ihnen nicht gerade erheblichen Schaden zufügt, sondern als Landreiniger, Aas- und Auswurfvertilgerin eher nützlich wird. Die Eingeborenen fangen die Hyäne in Gruben, die in einem von Dorngebüsch umgebenen Gange ausgegraben werden, an dessen Ende ein blöckendes Zicklein angebracht wird. Die heißhungerige Bestie bricht, indem sie auf ihre Beute zueilt, in die mit Reisig und Sand sorgfältig überdeckte Grube ein, in welcher man sie möglichst bald tödten muß, weil sie sonst sich einen Ausweg wühlt. Es gelingt nicht leicht, in derselben Grube mehr als eine Hyäne zu fangen, da die Thiere durch ihr feines Geruchsorgan die Gefahr erkennen. Neben ihr kommt noch ein anderes hyänenartiges Raubthier, der „gemalte Hund“ (Lycaon pictus) truppweise vor; er überfällt die Herden und richtet unter ihnen große Verheerungen an. Die Steppenlandschaften sind die eigentliche Heimat dieses geselligen, rauf- und mordlustigen Geschöpfes, das niemals allein jagt. Seinen Namen führt es von den großen, dunkeln, auf dem hellen Felle stehenden Flecken, an denen es schon weithin leicht zu unterscheiden ist.