Was die Quellen, aus denen das vorliegende Buch geschöpft, betrifft, so wurde von Hiob Ludolf an bis auf Th. von Heuglin, sowie die Berichte der englischen Korrespondenten herab keine wichtige Publikation übersehen. Außer den angeführten Reisenden, deren Berichte im Auszuge wiedergegeben sind, wurden hauptsächlich James Bruce, Henry Salt, Eduard Rüppell, Karl Wilhelm Isenberg, Ludwig Krapf und (für den zoologischen Theil) A. E. Brehm benutzt.

Als ganz besonders werthvoll müssen wir die Originalabhandlung über die Agrikultur Abessiniens von Eduard Zander hier hervorheben. – Das Leben dieses deutschen Landsmannes haben wir im Texte geschildert. Für die Erlaubniß zur Veröffentlichung der genannten Arbeit ist der Herausgeber Sr. Hoheit dem Herzoge Leopold Friedrich von Anhalt, in dessen Besitze sich das Original-Manuskript befindet, zu tiefgefühltem Danke verpflichtet. Die Kundgebung dieser zu Magdala im Jahre 1859 verfaßten Arbeit erfolgt [pg VIII]hier, mit Weglassung einer allgemeinen Einleitung, vollständig. Da jedoch unserm wackern Landsmanne nach längerer Abwesenheit vom Heimatlande der flüssige Gebrauch der deutschen Sprache abhanden gekommen war, so erschienen stylistische Aenderungen in seiner Darstellung unerläßlich, wie denn auch die Schreibart der Eigennamen mit der in vorliegendem Werke befolgten in Uebereinstimmung gebracht werden mußte.

In der Orthographie abessinischer Namen herrscht bekanntlich die größte Anarchie, ganz entsprechend jener, welche das Land zerrüttet; um ihr womöglich zu entgehen, schloß sich der Verfasser in seiner Rechtschreibung an diejenigen deutschen Reisenden an, welche von allen die meiste Uebereinstimmung zeigen und diesen Gegenstand am eifrigsten ihrer Aufmerksamkeit gewürdigt haben, nämlich K. W. Isenberg und Th. von Heuglin.

Zur ganz besonderen Freude gereicht es uns, mittheilen zu können, daß der bei Weitem größere Theil der Illustrationen dieses Werkes nach an Ort und Stelle aufgenommenen Originalen gezeichnet ist. Zwei Künstler, die das Land bereisten, haben dieselben geliefert: Robert Kretschmer, der den Herzog von Koburg als Maler begleitete, und Eduard Zander, dessen werthvolle Federzeichnungen, weit über hundert an der Zahl, die landschaftlichen, architektonischen und ethnographischen Verhältnisse Abessiniens ungemein gut charakterisiren. Sie befinden sich gleichfalls im Besitze Sr. Hoheit des Herzogs von Anhalt und werden hier, mit dessen hoher Erlaubniß, als wesentlicher Schmuck unsres Buches, wiedergegeben. Die übrigen Illustrationen, bei denen die Quelle stets angegeben ist, wurden den Werken von H. Salt, E. Rüppell, W. C. Harris, Bernatz, G. Lejean u. a. entlehnt. Schon in dem uns hier entgegentretenden Reichthum an gelungenen Holzschnitten ist uns ein vollständiges Bild des afrikanischen Alpenlandes geliefert, das in keinem hier in Betracht kommenden andern Werke reicher illustrirt zur Anschauung kommen dürfte. Das am Schlusse mitgetheilte Kärtchen endlich wird zur allgemeinen Orientirung über das besprochene Gebiet willkommen geheißen werden.

Leipzig, im Juli 1868.

Die Redaktion des „Buches der Reisen und Entdeckungen“.


[pg IX]

Inhaltsverzeichniß.

Seite
Einleitung. Historischer Ueberblick und Geschichte der Erforschung Abessiniens. Mit 11 Illustrationen[1]
Aethiops ([2]). – Die Königin von Saba ([3]). – Menilek und die salomonische Dynastie ([3]). Berührungen mit den Völkern des Alterthums ([4]). – Die Königsstadt Axum und ihre Ruinen ([5]). – Einführung des Christenthums ([6]). – Wechsel der Dynastie ([8]). – Die Invasion der Muhamedaner unter Granje ([10]). – Portugiesen und Jesuiten in Abessinien ([11]). – Ihre Vertreibung ([12]). – Zerfall des Reiches und Bürgerkriege ([13]). – Die Verfassung ([18]). – Erforschungsgeschichte ([19]). – Portugiesische Reisende ([20]). – Hiob Ludolf ([21]). – Bruce ([22]). – Salt und Pearce ([23]). – Hemprich und Ehrenberg ([23]). – Rüppell ([23]). – Tamisier und Combes ([26]). – v. Katte ([26]). – Schimper ([26]). – Aubert und Dufey ([27]). – Lefêbvre ([27]). – Gebrüder d’Abbadie ([27]). – Rochet d’Héricourt ([28]). – Beke ([29]). – Zander ([30]). – Sapeto ([32]). – Munzinger ([32]). – Lejean ([33]). – Die deutsche Expedition ([33]).
Das Land, seine Pflanzen- und Thierwelt. Mit 14 Illustrationen[35]
Begrenzung ([35]). – Das Hochland ([36]). – Geologie Abessiniens ([36]). – Der versteinerte Wald ([39]). – Heiße Quellen ([40]). – Oberflächengestaltung ([40]). – Natürliche Felsenfestungen ([42]). – Die Alpen Semiéns ([42]). – Charakter der Flüsse ([46]). – Ihr Anschwellen ([46]). – Ursachen der Nilüberschwemmungen ([47]). – Der Tanasee und der Abai ([47]). – Klimatische Verhältnisse ([50]). – Die Vegetationsgürtel ([51]). – Kola ([51]). – Woina Deka ([56]). – Deka ([61]). – Die niederen Thiere ([62]). – Vögel ([65]). – Säugethiere. Ihre Lebensweise, Nutzanwendung, Jagd ([71]).
Das Volk, seine Sitten und Gebräuche, Handel und Industrie. Mit 9 Illustrationen[85]
Physischer Charakter des Volks ([85]). – Die Juden oder Falaschas ([86]). – Muhamedaner ([87]). – Gamanten ([88]). – Heidnische Ueberreste ([90]). – Waito ([90]). – Die Sprachen Abessiniens ([90]). – Literatur und Malerei ([93]). – Charakter und Sittenlosigkeit der Abessinier ([94]). – Blutrache ([95]). – Justiz ([96]). – Aberglauben ([97]). – Das Verzehren von rohem Fleische ([100]). – Nahrungsweise ([102]). – Kleidung ([103]). – Krankheiten und Aerzte ([103]). – Industrie und Handel ([106]).
Religion, Kirche und Geistlichkeit. Das Missionswesen. Mit 8 Illustrationen[111]
Das Christenthum Abessiniens, dessen Lehren und Verwahrlosung ([111]). – Der Abuna ([114]). – Art des Gottesdienstes ([120]). – Die lasterhafte Geistlichkeit ([122]). – Mönche und Klöster ([122]). – Politische Asyle ([123]). – Zeitrechnung ([123]). – Feste ([123]). – Taufe, Ehe, Begräbniß ([124]). – Die Kirchen, ihre Einrichtung und Ausschmückung ([126]). – Die verschiedenen Missionsversuche in Abessinien, deren Mißlingen und Urtheile darüber ([128]).
Der Ackerbau und die Viehzucht Abessiniens. Mit 5 Illustrationen[139]
Die Kulturfläche Abessiniens ([139]). – Die Getreidearten, ihre Anpflanzung und Verwendung ([141]). – Gewürze, Gemüse, Wein, Baumwolle, Gescho ([144]). – Ernteertrag ([146]). – Nuk ([146]). – Einfelderwirthschaft ([146]). – Ackerwerkzeuge ([147]). – Regenzeit ([148]). – Bewässerung ([148]). – Soziale Stellung der Landleute ([149]). – Die Viehzucht ([150]). – Aussicht für europäische Ansiedelungen ([153]). – Die Regierung und der Grundbesitz ([153]). – Das Frohnwesen ([153]). – Steuern ([153]). – Wiesen und Moorgrund ([154]). – Bienenzucht ([154]). – Die Wohnungen der Landleute ([155]). – Die Mühlen Abessiniens ([157]).
Massaua und die abessinische Küstenlandschaft. Mit 5 Illustrationen[158]
Die Bedeutung des Rothen Meeres ([158]). – Der Dahlak-Archipel und die Perlenfischerei ([160]). – Die Stadt Massaua und ihre Bewohner ([162]). – Sklavenhandel ([164]). – Die Cisternen ([166]). – Der Markt ([167]). – Karawanenhandel mit Abessinien ([167]). – Die Bai von Adulis ([168]). – Schoho und Danakil ([170]). – Die Samhara ([171]). – Eine abessinische Karawane ([172]). – Der Tarantapaß und Halai ([174]).
G. Lejean’s Reise durch Abessinien. Mit 10 Illustrationen[176]
Metemmé ([177]). – Der Markt Wochni ([178]). – Grenzwächter ([178]). – Eine abessinische Festung ([180]). – Eine deutsche Familie ([182]). – Das Land am Tanasee ([182]). – Schnapphähne ([184]). – Missionsstation Gafat ([185]). – Gefangennahme Lejean’s durch König Theodor ([187]). – Theodor’s Löwen ([187]). – Gondar und seine Bauten ([188]). – Wasserfall des Reb ([192]). – In einem Kloster ([194]). – Besuch in Korata ([195]). – Binsenflöße ([198]). – Besteigung des hohen Guna ([200]). – Fünf Frauengenerationen ([200]). – Befreiung ([202]). – Hochebene Wogara ([202]). – Lamalmon-Paß ([203]). – Reise durch Tigrié nach Massaua ([204]).
Reisen in den nördlichen und nordwestlichen Grenzländern von Abessinien. Mit 4 Illustrationen [207]
Das Land der Mensa und Bogos ([207]). – Reise des Herzogs Ernst ([208]). – Monkullo ([209]). – Labathal ([209]). – Plateau von Mensa ([210]). – Das Volk der Mensa ([211]). – Ausflug nach Keren ([212]). – Elephantenjagd ([214]). – Rückkehr ([216]). – Munzinger über die Bogos ([217]). – Geschichtliches ([217]). – Ein aristokratisches Volk ([218]). – Rechtsverhältnisse ([218]). – Aberglauben ([219]). – Das Christenthum der Bogos ([219]). – Der Marebfluß ([221]). – Die demokratischen Bazen und Barea ([220]).
Schoa und die britische Gesandtschaft unter Major Harris. Mit 9 Illustrationen[224]
Begrenzung ([224]). – Englische Gesandtschaft unter Harris ([225]). – Tadschurra ([225]). – Zug durch die Adalwüste ([226]). – Salzsee ([227]). – Mord im Thale Gungunté ([228]). – Versammlung der Eingeborenen ([230]). – Sklavenkarawane ([232]). – Myrrhen ([233]). – Der Hawasch ([234]). – Der Grenzdistrikt ([234]). – Alio Amba, ein Marktort ([236]). – Empfang beim Könige Sahela Selassié ([240]). – Die Hauptstadt Ankober ([242]). – Debra Berhan, die Sommerresidenz ([245]). – Sklavendepot ([246]). – Truppenrevue ([246]). – Angollala ([249]). – Schlucht der Tschatscha ([250]). – Medoko, der Rebell ([252]). – Das Gallavolk ([252]). – Kriegszug gegen dasselbe ([258]). – Siegesfest ([260]). – Abschluß des Handelsvertrags ([262]). – Rückkehr ([263]).
Theodoros II., Negus von Aethiopien. Mit 6 Illustrationen[264]
Bewegte Jugend ([264]). – Der Emporkömmling ([265]). – Schlacht von Debela und Königskrönung ([266]). – Rebellenkriege ([267]). – Reformen ([272]). – Abessinische Heere und Kriegspraxis ([275]). – Verwickelungen mit den Missionären ([280]). – Gefangennahme Cameron’s und Streitigkeiten mit England ([281]). – Magdala ([284]). – Beginn der englischen Invasion ([287]). – Erstürmung von Magdala und Tod Theodor’s ([293]). – Rückzug der Engländer ([297]).