Nun braucht ihr aber nicht traurig zu sein, weil einer von euch die Prezel vielleicht geschenkt bekommt und den schönen Sonnenstrahl dann mit aufißt. Denn seht ihr, ich kenne den Herrn Lommatsch, und der hat mir neulich ins Ohr gesagt: das schad’t dem blanken Spinnefix nix. Denn wenn ihr dann recht fröhlich hinaufguckt in den blauen Himmel, dann wird der Sonnenstrahl wieder lebendig und kommt aus euern hellen Augen herausgekrabbelt und springt mit Einem Blutz auf die nächste weiße Wolke hinauf und fliegt zurück zu seiner goldenen Mutter.

3) Die Pfauenfeder

Jetzt will ich euch aber eine ganz, ganz wahre Geschichte erzählen; die fängt auf einem Heuwagen an und hört im obersten Himmel auf.

Der Heuwagen nämlich kam von der Wiese; und obendrauf, da saß der kleine Richard, mitten zwischen dem frischen Heu, das süßer roch als Tee und Honigkuchen, und hatte eine grüne Sammtmütze auf, mit einer herrlichen Pfauenfeder dran. Die hatte seine liebe Mutter ihm selbst angenäht; und deshalb, und weil sie gar so herrlich grün und blau und goldbunt aussah, war seine Mütze ihm schrecklich lieb.

Auf einmal, als er in dem süßen Heu schon beinah einschlafen wollte, kam hui ein Wind übers Feld, nahm ihm die Mütze mir nichts dir nichts aus den Locken und warf sie auf die Erde.

Der kleine Richard, der immer schon ein großer Wildfang war, bekam erst einen mächtigen Schreck, dann sprang er schnurstracks seiner lieben Mütze nach, bautz von dem hohen Wagen herunter.

Eine Weile lang sah er nichts als schwarze Nacht und hörte immerfort den Himmel brausen. Die Erde fühlte er überhaupt nicht mehr, blos einen furchtbaren Ruck im Kopf, der garnicht aufhören wollte, als ob ein hohles Faß mit ihm durch einen dunkeln Keller rollte, und seine Beine lagen ganz weit weg von ihm.

Endlich wurde es wieder etwas heller: viel tausend silberne Sterne tanzten durch die schwarze Nacht. Und zwischen den Sternen sah er seine Pfauenfeder fliegen, und sah sie größer und immer größer werden, und immer grüner, blauer und goldbunter funkeln, wie eine große goldbunte Schaukel. Und plötzlich saß auf dieser großen Schaukel seine liebe Mutter, und hatte hellblaue Engelsflügel an, und flocht sich ihre langen schönen Haare, und schwebte immer höher vor ihm her.

Da fing der wilde Richard an zu weinen, weil seine liebe Mutter ihn garnicht dabei ansehen wollte; und so sehr weh war ihm ums Herz, daß er die kleinen Arme hochheben mußte, immer höher, bis über die silbernen Sterne hoch — und da auf einmal wurde der ganze Himmel hell, denn seine liebe Mutter hatte ihn angesehen, so tief ins Herz, daß er die Augen zumachen mußte.