Christian
(immer sehr gemessen)
Du freust dich etwas vorschnell, mein Lieber. Du scheinst meine „Schlauheit“ trotz aller Anerkennung noch immer für recht kindlich zu halten. Vor neun Jahren, werter Herr M-Menschenkenner, war ich wohl doch nicht mehr Schulbub genug, mich dem Spiel des Zufalls so plump auszusetzen, wenn ich kein reines Gewissen hatte.
Justus
O, das Spiel des Zufalls ist allemal plump. Damals konntest du ja nicht ahnen, also auch noch nicht damit rechnen, daß dein Edelmut mich veranlassen würde, (spitzig) Detektivoffizier zu werden, geschweige (an seine Mappe tippend) daß dies für jeden andern Finder unscheinbare Wertpapier gerade mir in die Hand fallen könnte. Nur Das trieb dein feines Spiel in den Plumpsack der sogenannten Schicksalshand.
Christian
Nenn’s lieber gleich den Finger Gottes, dann kommst du dir noch wichtiger vor. Hähähä-hältst du mich im Ernst für so närrisch, daß ich mir solche Tat auf die Seele geladen hätte, blos um die Millionen unsrer alten Tante etwas früher unter die Leute zu streuen? Denn ihr Testament lag ja schon da für mich.
Justus
Blos: sie hätte es doch vielleicht ändern können. Und am Krankenbett warten, wer weiß wie lange, vielleicht nochmals „dreizehn Jahre lang“, ist in der Tat kein vergnügliches Geschäft, selbst für die edelsten Wohltäter nicht. Tante Brigitte war damals nur fünf Jahre älter, als du heute geworden bist, und hatte trotz ihrer Lähmung recht zähe Nerven.
Christian