Du denkst dir also, ich habe es fertig gebracht, den Sanitätsrat sowohl wie die alte Anne über die Todesursache zu täuschen, meinem Opfer kaltblütig die Augen zuzudrücken, die L-Leiche hohnlächelnd einzusargen, und dann hier in dem Haus, wo sie aufgebahrt lag, mich triumphierend festzusetzen — (er steht auf, mit Erregtheit um sich weisend) hier! sieh dich um! zwischen diesen öden Wänden, wo sie einst geatmet hat! hier seit neun Jahren es auszuhalten! immer von ihren Möbeln umgeben! immer ihr B-Bild vor meinem Blick! ihre Pflegerin mir zur Seite, eigens dabehalten zur steten Erinnrung! — Das, meinst du, habe ich auf mich genommen, ich maskierter Schurke, um einer Erbschaft willen, von der ich mir keinen Genuß vergönne, keine Annehmlichkeit, nicht die kleinste Erholung, blos Nahrung für meinen Großmutsdünkel! — Du traust mir wirklich merkwürdige Kunststücke zu. (Er ist hinter seinen Stuhl getreten und stützt sich wieder auf die Lehne.)

Justus

Ja, die Verbrecher halten sich gern für Helden, die ihrer Tat überlegen sind, und liebäugeln mit dem Erinnerungswurm. Manche brüsten sich so lange im stillen, bis sie sich schließlich laut verraten; fromme Leute nennen das Gottes Stimme. (Merkend, daß Christian nach dem Porträt starrt) Du redest wohl öfters mit dem Bild da? —

Christian

Du stellst starke Ansprüche an meine Geduld.

Justus

Das beruht wohl auf Gegenseitigkeit. Immerhin scheinst du so geneigt zum Verhandeln, daß du darüber das Stottern verlernt hast.

Christian

(lächelnd)