Christian

Ich könnte sagen, mein Anerbieten sei nur eine Maske gewesen, um dein Pflichtgefühl auf die Probe zu stellen. Aber gesetzt, ich hätte w-wirklich die ungewöhnliche Tat vollbracht, deren du mich für fähig hältst: ich hätte eine bejahrte Person, die nichts mehr konnte als sich und andere quälen, mit ihrer Krankheit, mit ihrer Ha-Hartherzigkeit, mit ihrer hähähä-hämischen Habgier (er ballt die Fäuste, dann wieder ruhig) — die hätte ich aus dem Wege geräumt nach jahrelangem Gewissenskampf — hä-hätte dann wie ein Asket versucht, meine heimliche Gewalttat zu sühnen — hätte sie hier in meiner Einsamkeit, in der Nacht meines Schweigens schwerer gebüßt, als sich’s ein Schuldloser träumen läßt, — hätte immer weiter diese Erblast geschleppt, die ich nur für ein Hirngespinnst verwalte — für eine M-Menschheit, die ich zu spät durchschaute, die nichts ist als ein marternder Schemen —: verlangst du noch mehr Gerechtigkeit?

Justus

Du vergißt, ich bin nicht mehr Leutnant genug, um deiner heroischen Märtyrer-Pose einiges Verständnis zu widmen.

Christian

Aber vielleicht verstehst du, daß ich inzwischen manches anders ansehen lernte. Vielleicht war mein Abscheu gegen dein früheres Handwerk — deinen Beruf, wenn du das lieber hörst — nur Verbohrtheit eines B-Büchermenschen. Vielleicht ist mir die Erkenntnis gekommen, daß auch Nächstenliebe zur Hartherzigkeit führt, wenn sie die Allernächsten vergißt über ihrem fernen Ziel. Ich bin dein Schuldner, ich weiß es lange; deshalb empört mich deine Beschuldigung nicht. Und deshalb — nur deshalb, Justus! hörst du? — wiederhole ich mein Anerbieten.

Justus

Zu spät, Euer Gnaden; einen Monat zu spät.

Christian

Du irrst. Ich habe schon letzte Weihnacht — denn dies (auf sein Herz deutend) W-Wrack wird nicht lange mehr Stand halten — mein Testament beim Notar hinterlegt; darin stehst du mit dem Betrag verzeichnet, den du einst von mir gefordert hast. Ich biete dir jetzt das Doppelte, weil ich dir mehr verdarb, als ich ahnte.