„Wird morgen wieder schwere Hitze geben“, sagte der Alte und trat aus der Haustür zu ihm an den Gartenzaun. „Meine ganzen jungen Kiefern werden noch vertrocknen; schlimmes Jahr!“ Er zeigte mit der Pfeife in das Astwerk der Akazienkrone über ihnen: „Läßt schon Blätter fallen.“ Der Tabaksrauch berührte wirbelnd grade eine der verwelkten Blütentrauben.
„Hast du neue Bienenstöcke, Vater?“
„Einen blos“ — erwiderte der Alte und setzte sich auf die Bank am Zaun. Nun wies er schmunzelnd auf die Kleine, die an der hohen Haustürschwelle neben „Lotte Goldsnut“ hockte. Die Teckelhündin lag, platt alle Viere von sich, wie tot im warmen Sande, und die Kleine war eifrig bestrebt, zwischen die vier Zehen der krummen Vorderpfoten immer drei der abgefallenen Akazienblätter festzuklemmen. Immer wenn sie fertig war mit einer Pfote, streifte sich die Dachsmadam mit der andern die Blätter wieder ab, und das Spiel begann mit Ernst von neuem. Was die Recha nur wollte! die Kleine war ja unglaublich artig.
Jetzt trat die Mutter aus der Tür, in jedem Arm behutsam eine flache Satte voll Dickmilch tragend. Er sprang ihr zur Hand. Wie sich all ihre Runzeln freuten, bis in die liebreichen Augen hinein, als er die eine Schüssel ihr abnahm und sie auf den Gartentisch setzte; richtige Geburtstagsaugen! Und zugleich wars wohl auch die Freude, wie ihrem Ältesten nachher die kühle Labung schmecken würde, so mit Streuzucker drüber und Schwarzbrotkrümeln. Wie die fette Sahne nach dem Eiskeller duftete! Orndtlich winterlich sah die weiche Pelzschicht aus.
„Na, Alterchen?“ ließ sich Mutter hören, Vaters Schneehaar glattstreichend — „soll ich hier decken oder unter der Linde?“
„Lieber hier, Mutting,“ kam er dem Alten zuvor; „hier sieht man die Abendsonne so schön.“ Die rote Scheibe stieß jetzt grade auf den Horizont der Landschaft; der Strahlenfächer war verschwunden.
Der Alte griff sich in den Bart. Sicherlich knurrte er im stillen wieder: „Sentimentaler Krempel!“ Das war ein Lieblingstrumpf von ihm.
„Die Lindenblüte riecht auch zu stark“, meinte mit rascher Abwehr die Mutter; „Abends manchmal ganz betäubend.“ Dann beugte sie sich zu der Kleinen nieder: „na, mein Lämmechen?“ strich ihr die Locken sanft aus der Stirn, sorglich nach dem Alten blickend, und ging wieder ins Haus. Lotte Goldsnut erhob sich.
„Hat ’ne zarte Nase, unser Muttel“, brummte der Alte und griff gemächlich an sein eigenes Vorgebirge, eine dicke Wolke von sich paffend; „krigt’s schon mit den Nerven.“
„Ovater“ — kam auf einmal die Kleine hinter der Teckelhündin herangependelt — „bist du der Weihnachtsmann?“