Christian Wach

Sehr freundlich, Herr Oberbürgermeister. Aber ich bitte Sie „sich versichert zu halten“: mein Vetter handelte nur aus dem Pflichtgefühl, das eine Eigentümlichkeit unsrer (lächelnd) etwas starrköpfigen Familie ist.

Bürgermeister

Nun, ich meinte blos: wenn sein Aufenthalt hier, in unserer traulichen Residenzstadt, Ihnen jetzt vielleicht unliebsam aufstoßen sollte: eine zeitweilige Strafversetzung würde ihm ohnehin wohl gebühren für seinen fruchtlosen Übereifer.

Christian Wach

(lächelnd)

Also hätte er doch vielleicht fruchten können? — Nein, im Ernst, ich bitte sogar inständig, meinem Vetter jegliche Gunst zuzuwenden, die seine Vorgesetzten ihm zollen würden, wenn er nicht zufällig mich beamtseifert hätte. Es wäre mir wirklich sehr unliebsam, wenn man ihn grade mir zuliebe für eine Verdächtigung strafen wollte, die sein Beruf ihm aufnötigte, und die anfangs — nicht wahr, ich irre wohl nicht — auch andern eifrigen Amtspersonen und Menschenfreunden begründet erschien. Er ist gestraft genug durch den Mißerfolg; nicht zu reden von dem Erbschaftsverlust, den er einst durch mich erlitten hat, wenn auch nur wegen seines eigenen Starrsinns.

Bürgermeister

Ich bewundre die Selbstlosigkeit, Herr Geheimrat, mit der Sie nach dieser herben Erprobung Ihrer mitmenschlichen Gefühle die Angelegenheit ins Auge fassen. Und ich darf mich also der Hoffnung hingeben, Sie werden auch unserm Gemeinwesen gegenüber Ihre rühmlichst bekannte Gesinnung nach wie vor betätigen?

Christian Wach