Und was stöhnt da, was rührt sich neben mir? Durch die Tür kommt der Teckel mir nachgeschlichen! Ich sehe jetzt deutlich, es ist nur ein Schatten; ein Schatten mit gottergebenen Augen. Ich stürze in rasendem Haß auf ihn los; ich werde den Spuk nun endlich zerreißen! Mit beiden Händen packe ich ihn, am Genick, am Kreuz, und zerre und zerre. Er windet sich unter meinem Griff; wie Kautschuk spannt er sich hin und her. Ich spüre verzweifelt, wie er mich lähmt: wie er nachgiebig meine Arme entmannt. Ich fühle bis innerst in Leib und Seele: wenn ich dies Gespenst nicht bewältigen kann, bin ich machtlos für Zeit und Ewigkeit. Ich spanne all meine Nervenkraft an; und wenn mir Gehirn und Adern zerbersten! Und ein Ruck, ein leises ersterbendes Winseln: o Wonne, ich habe den Schemen zerrissen! Mit einem letzten hingebenden Blick zerfließt er in die leere Luft.

Ich stehe und zittre am ganzen Körper, vor Glück und Ermattung und neuer Verzweiflung. Ich starre hinauf in den blauen Himmel: ist kein Entrinnen aus diesem kristallenen Grab? — Ich betaste meine erschöpften Glieder — warum muß ich nur immer an meinen Körper denken! — Es ist doch garnicht mehr nötig jetzt; wer hat mir das eigentlich eingeredet? — Wie schön könnt ich schlafen in diesem lautlosen Schacht. Ich bin so müde, ich höre mein Seelenspiel klingen. Es rauschen wohl Flügel oben im Blauen? Nein, ich glaube nicht; es ist nichts zu sehen. Doch: eine weiße Feder schwebt nieder. Wie eine Schneeflocke kommt sie gewirbelt. Noch eine, noch eine, Flaum auf Flaum; grad in die Mitte des Saals herab. Immer mehr, immer mehr, weiße Flaumfederflocken; der ganze Boden liegt schon bedeckt. Ich muß zurück an die Wandfläche treten; es ist schon ein Hügel, es wird ein Berg. O Seligkeit, das ist ja die Rettung: der Berg wächst immer höher hinauf! Schon steht er fast so hoch wie der Schachtrand, und immer dichter häuft sich das Flockengewimmel. Ich springe mit beiden Füßen hinein; ich versinke in dem bettweichen Schwall. Aber er ballt sich unter mir; ich stampfe und stampfe, und es glückt. Ich stampfe mich höher und höher hinan; es ist, als federn mich Bälle empor. Ich kann kaum sehen, so stiebt es um mich; und brennender Schweiß verschließt mir die Augen.

Da: ein frischer Lufthauch kühlt mir die Stirn: ich fühle entzückt, ich bin oben, oben! Meine Augen wagen wieder zu blinzeln, durch die feuchten, flaumverschleierten Wimpern. Kein Federchen stiebt mehr, der Himmel blaut; es ist eine überirdische Stille. Ich stehe auf steilem, schwankendem Gipfel; tief unter mir klafft der weiße Abgrund des labyrinthischen Schachtes herauf. O Seele, Seele, wie komm ich hinüber?! Sieh: rings um den Schacht, wie ein Garten Eden, liegt der blühende frühlingsgrüne Friedhof! — Und die Seele erklingt: Ich seh es, o Geist! Ich seh es durch Tränen, o göttlicher Geist, durch regenbogenfarbene Tränen! Ja, dein Gipfel schwankt, und ein Wind kommt gebraust, und du Schwankender weinst und ich breite die Arme: wenn du jetzt, o Gottgeist, mich Seele erhörst, will ich deiner Kraft trauen ewiglich! —

Horch: braust nicht der Wind beflügelnd, o Seele? und der Gipfel löst sich und schwebt und wird Wolke! Sieh, mit beiden Armen umspanne ich sie und schwebe über den Abgrund dahin. O, wie weich sichs fliegt in dem leichten Flaum: ich fühle nicht Höhen, nicht Tiefen mehr. Ich fühle nur, wie mich die Windwolke schaukelt und mir süß alle Kräfte stachelt und kitzelt. Will sie mir etwa mein Leben wegschaukeln? Dann wisse, Seele: mein Körper lacht! Ich kann sie loslassen, wenn ich will; ich bin ja befiedert über und über! Ich kann mit dir fliegen, wohin ich will; ich brauche ja nur den Flaum wegzublasen! Ich blase und blase; was ist denn das? ich blase mir ja in die eigne Nase! Ich mache wohl selbst den Wind, der so kitzelt? Ich niese, ich lache — lache — erwache.

Ich lag noch immer im dunkeln Bett, und ich hielt mein Kopfkissen in den Armen. Ich fühlte, daß eine kleine Feder aus dem zerknüllten Kissen herausstak; sie berührte noch meine Nasenspitze. Ich entfernte die Feder und legte das Kissen glatt; ein Stündchen hoffte ich doch noch zu schlafen. Der Morgen schien zwar bereits zu grauen; aber ich war noch müde genug.

Wenn über unsern tiefsten Verzweiflungen,

wo wir vor lauter geöffneten Not-Türen

nicht aus noch ein zu finden wissen,

stets eines Gottes Blick wachte —

Wenn unter unsern höchsten Entzückungen,