D. D. D. Schön; immerhin sind wir schon einig darüber, daß man mehrere Rassen im Blut haben muß, damit sich eine davon als die stärkere fühlen und mit ihrer „reinen Natur“ hervortun kann. Aber nun bitte, sagen Sie mal: es ist doch eine sehr seltsame „Reaktion“, daß z. B. Sie enragierter Jude die norddeutsche Landschaft samt ihrem Volksschlag, von Hamburg bis hinter Amsterdam, mit solcher natürlichen Kraft gemalt haben, wie bis jetzt noch kein holsteinscher oder friesischer Künstler. Warum hat denn Ihre Persönlichkeit, will sagen Ihre reine Natur, nicht lieber semitisch reagiert? Und warum hat z. B. der Holländer Rembrandt so wenig germanisch reagiert, daß er seine Motive und Modelle mit Vorliebe aus dem Judenviertel nahm?
D. J. M. Ja wissen Sie, wenn ich ehrlich sein soll: das hab ich mich auch schon manchmal gefragt. Auch warum ich blos blonde Weiber liebe.
D. D. D. Das ist nicht so sonderbar, wie es scheint; grade die sogenannten Kulturrassen sind seit jeher auf Weiberraub ausgegangen, offenbar weil eben nur durch Blutmischung Kultur entwickelt und fortgepflanzt werden kann. Übrigens ist Ihre Judith doch dunkelhaarig, wenn auch keineswegs von semitischem Typ.
D. J. M. Na, solch Biest, das soll man doch eben nicht lieben! das kann man meinthalben vor Haß bewundern!
D. D. D. Ja, und sehn Sie, mir gehts grade umgekehrt: Ich stamme aus durchweg blauäugigen und überwiegend blonden Familien und liebe die dunkeln jüdischen Frauen. Ich finde bei keiner andern Art Weib so viel hellen Geist mit seelischer Glut verbunden. Es gibt ja freilich auch da böse Kreuzottern und allerhand gute Gänse und Schäflein; aber die besseren sind doch geborene Heldinnen, Richterinnen und Priesterinnen, um nicht zu sagen Göttinnen.
D. J. M. Sie, jetzt schwärmen Sie aber, weiß der Herrgott, wie’n erotischer Muselmann!
D. D. D. Oder vielleicht, von christlichem Standpunkt betrachtet, wie ein heroischer Jesuit — blos daß ich keine himmlische Jungfrau, sondern möglichst viel irdische Musterweiber züchten möchte. Und da dürfte ein bißchen Menschenliebe doch vielleicht etwas fruchtbarer sein als der beliebte Rasseninstinkt, der sich meistens doch recht zuchtlos geberdet und in der Regel nur als Vorwand dient, um den gemeinen Menschlichkeiten des Hasses und Neides nach Willkür zu frönen.
D. J. M. Nun, bei Licht besehn, wird wohl jeder Künstler auf die Art Modelle versessen sein, die seinen Instinkt am kräftigsten auf sein Talent hindirigiert, also aufs rein Persönliche.
D. D. D. Und seine Phantasie aufs allgemein Menschliche; um nicht zu sagen Göttliche.
D. J. M. Ach was, Phantasie ist doch keine Kunst! Phantasie ist immer blos Notbehelf.