Ich bestreite durchaus nicht, daß unsere Gesellschaft dringend umgestaltender Verbesserung bedarf; aber ich bin nicht bereit, Herrn Bellamy, Herrn Most oder irgend jemandem blindlings zu folgen, lediglich weil er behauptet, die Menschheit sofort von allen Übeln befreien zu können. Ich beabsichtige nicht, mich kopfüber in die Dunkelheit zu stürzen.

Wenn Herr Bellamy und seine Anhänger sich so sicher fühlen, das tausendjährige Reich menschlicher Glückseligkeit begründen zu können, so mögen sie es versuchen, wie es die Kommunisten der „Amana Society“ versucht haben, welche im Staate Iowa eine Gemeinde errichteten mit Gütergemeinschaft auf religiöser Grundlage. Die Regierung der Vereinigten Staaten besitzt noch viele Tausende von Ackern guten Landes, wo Herr Bellamy und seine Freunde sich niederlassen und der Welt zeigen können, wie man die Menschheit im Handumdrehen vollkommen macht! Aber sie sollten vom Volke der Vereinigten Staaten nicht verlangen, daß dieses seine jetzige Regierungsform und seine Gesellschaftsordnung aufgeben solle, ehe Herr Bellamy und dessen Freunde bewiesen haben, daß ihre Heilmittel für die Schäden der Gesellschaft in der That unfehlbar sind.

Chicago, April 1890.

Richard Michaelis.


Ein Blick in die Zukunft.

Erstes Kapitel.

Um mich selbst denjenigen Lesern vorzustellen, welche das von Herrn Edward Bellamy herausgegebene Buch „Looking Backward“ („Ein Rückblick“)[ [1] ] nicht kennen, teile ich hier in Kürze die bemerkenswerten Ereignisse meines Lebens mit, welche in jenem Werke erzählt worden sind.

Ich wurde am 26. Dezember 1857 in Boston geboren und Julian West getauft. Ich besuchte eine Schule und eine höhere Bildungsanstalt meiner Vaterstadt; da ich aber im Besitze eines bedeutenden Vermögens war, so widmete ich mich keinem Berufe oder Geschäfte. Ich war mit Fräulein Edith Bartlett verlobt, einer jungen Dame von großer Schönheit. Wir hegten die Absicht zu heiraten, sobald mein neues Haus in bewohnbarem Zustande sein würde. Leider wurde aber der Bau vielfach durch Arbeitseinstellungen der Zimmerleute und Maurer unterbrochen und ich bewohnte immer noch das altväterliche Gebäude, in welchem drei Geschlechter meiner Familie gelebt hatten.