So lautete die Schilderung, welche mir Dr. Leete von der neuen Gesellschaftsordnung in einer Anzahl von Unterredungen machte. Der Doktor spricht sehr begeistert von dem Staate, in welchem er lebt, und steht nicht an, ihn das tausendjährige Reich zu nennen.

Die Besorgnis und Unsicherheit, welche ich in Bezug auf meine eigene Thätigkeit in dem Arbeiterheere empfand, wurden von Dr. Leete beseitigt. Er teilte mir mit, daß mir die Stellung des Professors der Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts am Shawmut Kollege in Boston offen stehe. Ich habe dieses Anerbieten angenommen und werde am nächsten Montag mein neues Amt antreten.


Zweites Kapitel.

Als ich zum erstenmale den großen Saal im Shawmut Kollege betrat, in welchem ich meine Vorlesungen halten sollte, gewahrte ich nahe der Saalthür einen Herrn im Alter von etwa vierzig Jahren. Er war zu alt, als daß ich ihn hätte für einen Studenten halten können und da ich ihn nicht gesehen hatte, als [Dr. Leete] mich den Professoren der Anstalt vorstellte, so war ich einigermaßen neugierig zu erfahren, in welcher Eigenschaft er meine erste Vorlesung mit seiner Gegenwart beehrte.

Der herzliche Empfang, welcher mir von seiten der Professoren zu teil geworden war, die Thatsache, daß die Studenten jeden Platz des großen Saales füllten, wirkten außerordentlich anregend auf mich und nachdem Dr. White, der Präsident der Universität, mich mit einigen schmeichelhaften Bemerkungen als einen lebenden Zeugen der Civilisation des neunzehnten Jahrhunderts vorgestellt hatte, begann ich meine erste Vorlesung vom besten Geiste beseelt.

Meine Rede stand naturgemäß unter dem Einflusse dessen, was Dr. Leete mir in unseren Unterredungen über die vergleichsweisen Vorzüge und Nachteile der Gesellschaftsordnung des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts gesagt hatte.

Ich setzte auseinander, daß meine Hörer von mir keine Übersicht der eigenartigen Civilisation in beiden Jahrhunderten erwarten dürften; auch keine Lobpreisungen der jetzigen Ordnung der Dinge. Ich würde nur auf einige Bestimmungen und Einrichtungen verweisen, welche als kennzeichnend gelten können für den Geist der beiden Zeitalter.

Als Merkmal des Zeitgeistes des neunzehnten Jahrhunderts schilderte ich den wahnsinnigen Wettbewerb. In diesem ekelhaften Kampfe sei der Mensch gezwungen worden, zu „übervorteilen, verdrängen, unter dem Werte kaufen und zu teuer verkaufen, das Geschäft zerstören, durch welches sein Nachbar seine Kleinen ernährte, die Menschen verleiten zu kaufen, was sie nicht sollten und zu verkaufen, was sie nicht durften, seine Arbeiter drücken, seine Schuldner peinigen, seine Gläubiger hintergehen,“ [ [2] ] um diejenigen unterhalten zu können, welche er zu ernähren hatte. Ich zeigte, daß es unter den Leuten am Ende des neunzehnten Jahrhunderts „viele gegeben habe, welche, wenn es sich um ihr eigenes Leben gehandelt hätte, es lieber aufgegeben, als durch das Brot ernährt hätten, das sie anderen geraubt.“[ [3] ] Ich setzte auseinander, daß dieser wahnsinnige und vernichtende Wettbewerb beständig an Geist und Körper der Menschheit gezehrt habe und daß dieses zehrende Fieber noch vermehrt worden sei durch die beständige Furcht vor gänzlicher Verarmung. Das Gespenst der Unsicherheit hätte den Menschen des neunzehnten Jahrhunderts auf Schritt und Tritt verfolgt, es hätte sich mit ihm zu Tisch gesetzt, und wäre mit ihm zu Bett gegangen und hätte ihm zugeraunt: „Arbeite noch so tüchtig, stehe früh auf und mühe dich ab bis zum späten Abend, raube listig oder diene treu — du wirst nie die Sicherheit kennen. Du magst jetzt reich sein und doch kannst du einst in Armut geraten. Hinterlasse deinen Kindern noch so großen Reichtum — du kannst dir nicht die Sicherheit erkaufen, daß dein Sohn nicht einst der Diener deines Dieners wird, oder daß deine Tochter sich nicht um Brot verkaufen muß.“[ [4] ]

Vor hundertunddreizehn Jahren arbeiteten die Menschen wie die Sklaven bis zur völligen Erschöpfung, ohne dadurch auch nur die Sicherheit vor Verarmung oder vor einem jammervollen Hungertode erwerben zu können. Heut, am Ende des gesegneten zwanzigsten Jahrhunderts, wandele die Menschheit im rosigen Lichte der Freiheit, Sicherheit, Glückseligkeit und Gleichheit. Die Jugend des zwanzigsten Jahrhunderts genieße in vorzüglichen Schulen einen ausgezeichneten Unterricht und wähle nach Durchmachung einer dreijährigen Lehrzeit frei ihren Beruf. Selbst während ihrer Dienstzeit im Arbeiterheere erlaube ihnen die kurze Arbeitszeit an ihrer geistigen Ausbildung weiter zu bauen und dennoch bleibe ihnen zur Erholung mehr Zeit, als man vor hundert Jahren für vereinbar gehalten hätte mit dem Betriebe der Fabriken, der Landwirtschaft und anderer Berufszweige.