Um abzusteigen, läßt die Reiterin den Bügel los und reicht die linke Hand dar, nimmt dann das rechte Bein aus der Gabel, gibt die rechte Hand und läßt sich – wenn sie so auf dem Sattel sitzt – ohne zu springen heruntergleiten, indem sie die Arme ein wenig anspannt (Fig. 45). Sie muß auf die Fußspitzen fallen und dabei die Kniee beugen, um so jeden Stoß zu vermeiden. Es ist nicht überflüssig, dies anzuempfehlen, denn nach einem etwas langen Ritt sind die Beine oft steif und ungelenk.

Ich wiederhole, daß die Dame ihre Hände geben und nicht springen, sondern heruntergleiten soll. Sehen Sie doch, wie es am häufigsten geschieht: die Dame wirft sich förmlich vom Sattel herunter, der Herr fängt sie auf, sie dabei in der Taille umfassend, und läßt sie, wenn er sie nicht mit steifem Arme halten kann, an seinem Körper entlang gleiten. Das ist weder angenehm, noch schön, sondern unpassend.«

Fig. 46.
Richtige Länge des Bügels.
Fig. 47.
Zu langer Bügel.

Dem Verpassen des Bügels sind an dieser Stelle noch einige Worte zu widmen. Es kommt darauf an, daß der Bügelriemen genau der Länge des Unterschenkels gemäß, bezw. mit der Dicke des Oberschenkels über dem Knie entspricht, daß er also weder zu lang, noch zu kurz ist, – denn dieser einzige Bügel gibt der Dame den Stützpunkt. (Fig. 46, richtige Länge des Bügels, bei welcher einige Zentimeter Luft sich zwischen Bein und Horn befinden.) Bei zu langem Bügel (Fig. 47) würde der Fuß den Bügel fortwährend suchen müssen und ihn nicht sicher festhalten können, wodurch der Sitz locker und unsicher wird. Bei zu kurzem Bügel (Fig. 48) würde das Knie zwischen Horn und Bügel gleichsam wie in einem spanischen Brett eingeschnallt sein, was der Reiterin Unannehmlichkeiten besonders bei stärkeren Gangarten bereiten würde. Also: Richtige Verpassung des Bügels sehr wichtig!

Fig. 48.
Zu kurzer Bügel.
Fig. 49.
Haltung der Beine bei verlorenem Bügel.

Noch sei erwähnt, daß bei verlorenem Bügel – eine Situation, die leicht eintreten kann – die Reiterin keine Zeit mit dem Suchen nach dem Bügel verlieren möge, sondern unverzüglich das rechte Bein unter das linke steckt – analog Fig. 49 – weil damit sofort wieder ein sicherer Sitz gewonnen wird.

10. Reitunterricht in der Bahn.

Die Anfangsgründe des Reitens erlernt die Dame in der Reitbahn. Es sind der Reitsitz, die Handhabung der Zügel und die Hilfen.