Wie schon angeführt, kann sich die Dame gegen ein etwaiges Verlieren des Bügels durch eine über Fuß und Bügel gezogene Gummischleife schützen. Das Halten der Balance lernt sich ganz mechanisch von selbst.
a. Reiten ohne Zügel.
Nachdem die Reiterin das Pferd bestiegen hat, nimmt sie den vorschriftsmäßigen Sitz ein, gibt dem Pferde durch einen Zungenschlag die Hilfe zum Antreten und sucht in der Bewegung, die zuerst Schritt sein kann, die vorgeschriebene Haltung zu bewahren. Ihre Hände mag sie vorerst in die Hüften setzen und den Oberkörper stets eher nach hinten statt nach vorn geneigt zu halten suchen. Wird das Pferd unruhig, so faßt die Reiterin mit beiden Händen in die Zügel und gibt ihm einen Arrêt.
In dieser Weise, mit Schritt anfangend, macht die Reiterin alle Gangarten durch, am besten in der Reihenfolge Schritt, Galopp, Trab, da letztere Gangart die schwierigste für die Anfängerin ist. Gerade in dieser hat sie zu beachten, daß sie nicht an der linken Seite hängt, sondern daß sie recht auf der Mitte des Sattels, ohne Verdrehung der Schulter, sitzt. Das Pferd, welches anfangs vielleicht, durch den etwaigen unsicheren Sitz der Reiterin beeinflußt, etwas unruhig sein wird, wird durch Streicheln und Klopfen beruhigt. Diese Übung ist als eine rein gymnastische zu betrachten, durch welche der Körper auf einer sich bewegenden Maschine Balance halten lernt, welche letztere in kurzer Zeit eine mechanische Sicherheit erzeugt. Sowie die Reiterin dies bemerkt (was schon nach drei bis vier Stunden der Fall sein wird), geht sie zum Ballfangen über. Bevor dies jedoch geschieht, ist es rätlich, die Bewegungen des Ballfangens mit den Armen blind durchzumachen, damit das Pferd sich an die Art der Armbewegung der Reiterin gewöhnt. Dann nimmt man gewöhnliche Leder- oder Gummibälle, wirft sie in die Höhe und sucht sie wieder aufzufangen.
(Anmerkung: In der ersten Zeit wäre es vielleicht ganz praktisch, jemand zur Hand zu haben, welcher die zur Erde gefallenen Bälle aufhebt und sie der Reiterin wieder einhändigt, später zuwirft. Man kann aber auch den Ball an einen langen Bindfaden befestigen, welcher am Sattel festgemacht wird. Dann kann man den Ball, falls man ihn nicht gefangen hat, immer selbst hinaufziehen.)
Die Zeitdauer dieser Übung richtet sich nach dem Gefühl der Sicherheit, welches die Reiterin empfindet, und ist abhängig von ihrer körperlichen Anlage bezw. ihrem Geschick zum Reiten. Vierzehn Tage aber werden auch weniger begabte Anfängerinnen schon um ein Bedeutendes gefördert haben.
Danach kann sofort zum Barrierespringen übergegangen werden, wobei die Reiterin fast gar keine Schwierigkeiten mehr zu überwinden haben wird. Die Stange, welche anfangs vielleicht 30 cm hoch eingelegt war, braucht nicht über einen Meter hinaus höher gelegt zu werden, obgleich für spätere Zeit auch der höchste Sprung der Reiterin keine Schwierigkeiten mehr bereiten wird.
(Anmerkung: Man lasse der Schonung des Pferdes wegen nicht zu oft springen; fünf- bis sechsmal bei niedriger Stange, und dann meist kurz vor Schluß der Übung, wird das Richtige sein. Über eine Vorrichtung, die Springstange anzubringen, mag man selbst nachdenken, nur achte man darauf, daß die Stange, im Falle das Pferd dagegen stößt, nach vorn herausfallen kann.)
Die Haltung zu Pferde, an welche die Reiterin zwar stets gedacht hat, wird sich inzwischen ganz von selbst gefestigt haben, so daß dieselbe binnen kurzem zur Erlernung der Zügelführung wird übergehen können.
(Anmerkung: Das Wechseln der Gangarten muß einerseits der Schonung des Pferdes, andererseits der harmonischen Durchbildung der Anfängerin wegen recht regelmäßig geschehen, doch ist zu bemerken, daß der Trab immer die Hauptübung bleiben muß, da er für das Pferd wie für die Reiterin, für letztere in Beziehung auf die Korrektheit des Sitzes, die nützlichste ist.)