Geben kann man lernen, nehmen muß man können.


Rasse ist ein andres Wort für Gleichgewicht.


Man sieht den Menschen, wenn man ruhiger geworden ist, sich geistig-seelisch „gesetzt“ hat, gar so leicht hinter ihre Masken, und wenn man überdies nicht mehr jung genug ist, sich hinterdrein darüber zu ärgern, daß man immer wieder versucht gewesen war, sich täuschen zu lassen, wird eine Art von stillem Ekel das Ergebnis dieser unwillkürlichen Erfahrung abgeben. Auch ich habe, gesteh ich’s nur, einst geschwärmt für andre Menschen, andre Meinungen, für neue, noch nicht erhörte Dinge. Das war die Zeit der geistigen Pubertät, — die bei manchen Menschen niemals endet. Bei mir hat sich der Staub aufwirbelnde Frühlingssturm sehr bald, vielleicht zu bald gelegt. Die ironischen Mundwinkel sagen „zu bald“. Zwei, drei grobe Enttäuschungen — für mich grob, für robuster Fabrizierte wären sie vielleicht gar nicht in Betracht gekommen — haben genügt, mich zu ernüchtern. Enttäuschungen hinterlassen einen starken Schweißgeruch. (Wer beschämt wird, fühlt den Schweiß am ganzen Körper hervorbrechen.) Man schreitet schnell hindurch in reinere Atmosphären. Heute täusche ich mich so leicht nicht mehr. Auch bin ich mir meiner eigenen Schwächen und Unwahrheiten — jeder Mensch hat deren nur allzuviele; die wenigsten gestehen sie sich ein (andern sie einzugestehen, ist ganz und gar unnötig) — allzusehr bewußt, als daß mir die der andern entgehen könnten: sie gleichen einander alle ja auffallend. Anderseits gibt es Irrtümer, die man lieb hat, lieb behält. Man weiß, es sind Irrtümer, man hat sie auch längst von sich abgetan, aber man sieht sie noch immer gern — an andern.


Takt ist unhörbare Harmonie.