Der Kabarettist, der seine ernsthaften dichterischen Erzeugnisse vorn Podium herab vorträgt, fühlt sich mir überlegen, der ich ihm, Sekt trinkend, zuhöre (oder mit meinem Nachbar plaudere). Mein Nachbar fühlt sich dem Kabarettisten überlegen, der seine ernsthaften dichterischen Erzeugnisse vom Podium herab vorträgt, während er, der Nachbar, Sekt trinkt und ihm zuhört (oder mit mir plaudert). Ich fühle mich meinem Nachbar überlegen, weil er sich dem Kabarettisten überlegen fühlt, und fühle mich dem Kabarettisten überlegen, weil er sich mir und meinem Nachbar überlegen fühlt... Eine Frage: Würde ich mich als Kabarettist einem überlegen fühlen, der mir, Sekt trinkend, zuhörte, während ich meine ernsthaften dichterischen Erzeugnisse usw.?


Kostümierte Affekte sind Snobismen der Seele.


Der unrettbare Kleinstädter als „Weltmann“: es gibt kaum etwas Kläglicheres. Aber immer wieder finden sich Leute, denen auch er imponiert. Und Literaten schreiben auf Grund solcher Eindrücke „Bilder aus der Gesellschaft“.


Der Bauchredner, der seine Puppen auf den Knieen hält und mit peinlich wirkender Gewaltsamkeit den Verblüffer spielt — für Unteroffiziere und Kindermädchen: ein Bild für manchen großen Mann unter den heutigen Literaten.


Es gibt eine Übergangsperiode im Leben, die man mit dem Wort altklug nicht übel bezeichnet. Ein großer Teil unsrer Literaten kommt über dieses kindische Stadium niemals hinaus.