Die zwischen Spill und Klüsen etwas lose liegenden Ankerketten schlagen dröhnend auf die Back. Sie sehen in dem weißen Schaum aus wie zwei langgestreckte, schwarze Schlangen.

In Fetzen zerrissen fegt die Rauchfahne unserer qualmenden drei Schornsteine über uns hinweg, huscht über das Gesicht des Mondes und läßt es rötlichbraun erglänzen. Das Heulen in den Masten und Stagen ist so stark geworden, daß es selbst das unaufhörliche gleichmäßige Surren der Ventilationsmaschinen übertönt.

Wir behalten den Kurs bei.

Im Laufe des nächsten Vormittags wollen wir den Lloyddampfer »Ziethen« treffen, der, von Colombo kommend, auf dem Wege nach Aden ist. Wir wollen ihn warnen und nach einem anderen Bestimmungshafen schicken. Er hat einige 100 Kameraden von uns aus der Südsee an Bord, die nach jahrelanger Abwesenheit der Heimat zusteuern.

Zwar stehen wir bereits mit ihm in funkentelegraphischer Verbindung, aber wir müssen äußerst vorsichtig sein, damit die auf dieser Weltverkehrsstraße in Mengen fahrenden, nun auf einmal meist feindlichen Schiffe noch nichts von unserer Gegenwart merken. — —

Die trotz des Monsuns drückende Hitze läßt gegen Morgen nach und weicht einer erfrischenden Kühle.

Soweit es der mächtige Seegang erlaubt, werden Bullaugen und Luken geöffnet, um die stickige Luft aus dem heißen, nach Öl und Menschendunst stinkenden Schiffsinnern zu blasen.

Allmählich verfärbt sich der Himmel, die Sterne verblassen, blauschwarzer Dunst liegt auf dem Horizont, über den sich bereits gelbe und rötliche Streifen hinziehen, ab und zu von feurigen rotglühenden Flaumwölkchen unterbrochen.

Mit der überraschenden Schnelligkeit der Tropen erscheint das Tagesgestirn und in kürzester Zeit hat die Wandlung von Nacht in Tag stattgefunden. Strahlend, glitzernd im Morgenlicht liegt die weite, mächtige See da, deren Fluten alle einem fernen im Norden liegenden Ziele zuzurollen scheinen.

An Backbord zieht sich, einige zwanzig Seemeilen entfernt, die hohe gelbsandige Steilküste des Somalilandes dahin und fern, fast rechts voraus, ragt das Löwenhaupt des Kap Guardafui über die Kimm. —