Da taucht vorn über den Mangroven der schrägstehende Stumpf eines Mastes auf!
Die Ufer treten zurück — — — vor uns liegt geisterhaft schweigend der zerschossene Rumpf der »Königsberg« — ein Wirrwarr von verbogenen Eisenteilen und aufgeplatztem Blech — schräg nach Steuerbord überliegend.
Die ablaufenden Wasser spülen über sein aufgerissenes, verbranntes Deck und gurgeln durch die wie leere Augenhöhlen starrenden Bullaugen der Back. In sich zusammengesunken, wie von kräftiger Faust zusammengeballtes Papier, liegt der mittlere Schornstein auf der eingedrückten Laufbrücke — einsam, von hunderten von Sprengstücken durchsiebt, ragen die beiden andern, wie warnende Denkmäler der Vergänglichkeit alles Irdischen, in den dunkelnden, jetzt von unzählig aufblitzenden Sternen übersäten Abendhimmel.
Die Aufbauten sind eingestürzt, ihr Eisenblech wie Pergament aufgerollt.
Von dem geknickten Fockmast pendelt in der Abendbrise ein einsamer Stahlständer, dessen Block ab und zu melancholisch gegen das dumpfklingende Metall des Eisenmastes schlägt. — —
Wir haben gestoppt und treiben langsam vorbei. Kein Laut unterbricht die drückende Urwaldstille — nur ganz fern flötet einsam ein Tippu-tipp.
Wie ein Steppenbrand glühend, leuchtet ein schmaler Purpurstreifen am Horizont durch die verrosteten, zerschossenen Eisenteile. —
Schweigend, in den sich senkenden Schleiern der beginnenden Nacht, voll erdrückender Wucht liegt gespensterhaft vor uns das Wrack unseres einst so stolzen Schiffes!
Einsam und verlassen! Selten kommt eines Menschen Fuß hierher, selten wird ein Einbaum hier vorbeitreiben, denn der abgelegene Rufijiarm wird fast nicht befahren. Selten nur mögen staunende Eingeborene mit ihren schwarzen Augen in abergläubischer Furcht auf diese gefallene gewaltige Boma ihrer einstigen weißen Herren blicken. — —
Jahrhunderte lang wird die Sage in den Rufijiländern von dem Kämpfen und Sterben des riesigen deutschen Kriegsschiffes gehen, von Mund zu Mund, von Geschlecht zu Geschlecht weitervererbt.