Aber was hilft es — wir werden die Bunker auskratzen! Wir gehen mit der »Königsberg« längsseit der Prise.

Im sinkenden Licht des Abends nähern sich die Bordwände, Leinen fliegen hinüber — die beiden Schiffe liegen Seite an Seite — der kleine deutsche Kreuzer und der große plumpe Frachtdampfer, der Millionenwerte an bestem indischen Tee, an persischen Teppichen, an Gold- und Silberwaren in seinem Bauch birgt. —

In die dunkle Nacht hinein rattern die Winden, kreischen die Spills, hallen laute Rufe.

Mit Krachen schlagen gefüllte Kohlensäcke an Deck, die hoch in der Luft von Bord zu Bord fliegen.

Es ist eine schwere Arbeit. Tief unten im Bauche des Schiffes liegen die Bunker, nur durch kleine Löcher zugänglich.

Heizer und Matrosen arbeiten dort, kaum als Menschen noch kenntlich, in den Wolken schwarzen Dunstes, den die einzige Lampe mühsam durchdringen kann. Ein Scharren, ein Kratzen, ein Rufen, eine Luft, getränkt von Schweiß und Menschenausdünstung, durchsetzt von Kohlenstaub.

Die Stunden vergehen. Ab und zu dröhnen die beiden Bordwände aneinander, die Belegtrossen klirren und ächzen, wenn ein plötzlicher Windstoß mit elementarer Wucht herniederfährt und die Schiffe gegeneinander preßt.

Ich stehe einen Augenblick an Deck, um frische Luft zu schöpfen, die Lungen saugen gierig den frischen reinen Seehauch.

Strahlend wölbt sich der Sternenhimmel über den beiden arbeitenden, nachtschwarzen Kolossen, im Vordergrund drohen schwarz und finster die schweigenden Felswände, die noch nie in ihrer erhabenen Einsamkeit von dem Hasten und Drängen der kleinen und großen Menschensorgen gestört sein mögen.

Dieses Schiff, auf dem ich jetzt stehe, ein mächtiges Werk von Menschenhand, wird morgen nicht mehr sein.