Der Mond steigt höher und höher. Der Wachoffizier übergibt mir das Kommando, er geht in die Funkenbude, denn um diese Zeit soll, wie ausgemacht, Daressalam uns geben.
Wir steuern genau nach Norden! Wie ein Pferd bäumt sich ab und zu der Bug, wird von einer rundanlaufenden See emporgehoben, daß der fast am Horizont stehende Polarstern verschwindet, und wuchtet dann wieder in die Tiefe, als ob die Erde unter ihm wiche, nach beiden Seiten Berge weißschäumenden Wassers schleudernd.
Der Rudergänger sieht schweigend auf die hellerleuchtete Scheibe des Kompasses, die in ihren zweiachsigen Aufhängungsringen hin- und herpendelt. Mit starken, knochigen Händen hält er das Ruder, er legt es einige Drehungen nach Backbord, dann wieder Steuerbord, um das stark gierende Schiff zu stützen. Der klirrende Klang des Rudergestänges ist der einzige Laut auf der Brücke — alle Posten, der Ausguck und die Scheinwerferleute, stehen schweigend da und sehen auf die brausende See. Auf der Laufbrücke, die die Hütte mit der Back verbindet und sich eng und schmal an den drei Schornsteinen vorbeiklemmt, kommt eine weiße Gestalt gegen den Wind ankämpfend nach vorn — irgendein Offizier, den die Hitze noch nicht schlafen läßt.
Er leistet mir Gesellschaft — wir stehen zusammen auf der äußersten Nock der Kommandobrücke, die frei in die Luft hinaushängend über dem weißen Gischt schwebt.
Wir sprechen vom Krieg — vom Krieg, der nicht kommen wird.
Soll man ihn wünschen? Soll man nicht? Wir sind wohl auf verlorenem Posten — verloren — Tausende von Meilen um uns kein Freund, nur Feinde. — —
Aber man ist jung, voll Tatendrang, voll Lust, die Kräfte zu messen, zu zeigen, daß man der Stärkere ist.
Denkt der Baum, der kraftstrotzend emporwächst und seine Nachbarn erdrückt, daran, daß er Leben vernichtet — oder das Tier, das doch nur ein Gesetz kennt — das des Stärkeren?
Soll man gegen die Natur kämpfen?
Gewiß, gewaltig würde die Übermacht der Feinde sein, unermeßlich schwer würde es werden, hoffnungslos für uns hier! — Trotzdem! —