Von den im Jahre 1871 in Frankreich constatirten Selbstmorden[272] geschahen 1991 durch Erhängen, 1278 durch Ertränken, 591 durch Erschiessen, 215 durch Kohlendunst, 152 durch Schnitt und Stich, 143 durch Herabstürzen von Monumenten und anderen Höhen, 70 durch Gift, 50 durch diverse andere Mittel. Von den 1871 in Böhmen vorgekommenen 551 Selbstmördern haben sich 316 erhängt, 107 erschossen, 49 ertränkt, 53 vergiftet, 3 erstochen, 14 haben sich durch Halsschnitt, 3 durch Aderöffnen, 3 durch Ueberfahren auf der Eisenbahn, 1 durch Ersticken und 2 durch Sprung in einen Schacht das Leben genommen.

In Wien entfielen nach Sedlaczek von der Summe der Selbstmorde in Procenten:

Im Quinquennium Er-
hängen
Gift Er-
schiessen
Schnitt-
u. Stich-
wunden
Herab-
stürzen
Er-
trinken
Andere
Mittel
 1854–1858 48·0 14·2  6·7 16·1 9·2 5·0 0·8
 1859–1863 43·6 16·6  9·3 13·3 9·5 5·2 2·5
 1864–1868 35·2 30·1  9·9  7·8 7·8 7·8 1·4
 1869–1873 29·2 31·2 16·3  8·3 6·8 7·1 1·1
 1874–1878 38·0 26·9 20·2  7·0 5·7 6·6 0·6

Bezüglich des Geschlechtes entfielen von der Gesammtsumme:

von Männern

von Frauen

in Procenten

Auf

den

Selbstmord

durch

Erhängen

40·5

20·4

Gift

18·8

47·5

Erschiessen

17·9

 3·2

Schnitt- u. Stichwunden

 9·9

 7·3

Herabstürzen

 5·4

13·1

Ertränken

 6·3

 7·3

 auf andere Weise

 1·2

 1·2

Was andere grosse Städte betrifft, so tödteten sich Personen in

Berlin
(1869–1872
und 1874–1876)

Prag
(1874–1876)

London
(1860–1878)

Paris
(1874–1878)

 Durch

Erhängen

625   

45

1460

1016   

 „

Ertränken

248   

27

1001

 723   

 „

Erschiessen

230   

43

 311

 334   

 „

Gift

217   

39

 908

 149   

 „

Sturz von einer Höhe

 45   

 5

?

 217   

 „

Schnitt- u. Stichwunden

 40   

 9

1141

 101   

 Auf andere Weise

 51[273]

 1

 449

 845[274]

Es ergibt sich aus vorstehenden statistischen Daten, dass überall das Erhängen die häufigste Selbstmordart bildet, dann aber im Allgemeinen das Ertränken und das Erschiessen folgt. Ferner ergibt sich, dass Weiber am häufigsten zum Ertränken, in grossen Städten zum Gift und dann zum Erhängen greifen, während Selbstmordarten durch Verletzungen, insbesondere durch Erschiessen, verhältnissmässig selten von ihnen gewählt werden. Die Häufigkeit des Erhängens und Ertränkens erklärt sich daraus, dass diese Selbstmordarten keiner besonderen Vorbereitungen und Hilfsmittel bedürfen, leicht auszuführen sind, den Tod sicher und schnell bewirken und auch als schmerzlos gelten. Bezüglich anderer Selbstmordarten machen sich verschiedene Einflüsse bemerkbar. So sehen wir den Selbstmord durch Erschiessen besonders bei Individuen vorkommen, die mit Feuerwaffen umzugehen verstehen, und denen sie leicht zur Hand sind. Dies beweist insbesondere die Selbstmordstatistik beim Militär. So weist der statistische Jahresbericht über die sanitären Verhältnisse des österreichischen Heeres vom Jahre 1869 229 Selbstmorde auf, von denen 173 durch Erschiessen, 44 durch Erhängen, 8 durch Ertränken, 2 durch Sturz von einer Höhe, 1 durch Vergiftung und 1 durch Ueberfahren auf der Eisenbahn geschahen. Die Häufigkeit des Selbstmordes durch Vergiftung in grossen Städten, wie namentlich in Wien, erklärt sich ungezwungen daraus, dass daselbst Gift ungleich leichter zu haben ist als auf dem Lande oder in kleineren Städten. Dass auch andere locale Verhältnisse verschiedener Orte und ganzer Länder sich in dieser Beziehung geltend machen, ergibt sich u. A. daraus, dass der Selbstmord durch Kohlenoxydgas (Kohlendunst) in Frankreich stark vertreten ist, während er in Deutschland (Berlin) nur selten, in Oesterreich, speciell in Wien, fast gar nicht vorkommt. Auch die Häufigkeit des Selbstmordes durch Sichherabstürzen von Monumenten und anderen Höhen bei den Franzosen mag in dem Charakter des Volkes liegen, welcher bewirkt, dass auch der Selbstmord mit mehr Ostentation ausgeübt wird, als dies anderwärts zu geschehen pflegt.

Nachahmung.

Ebenso ist auch der Einfluss des Beispieles unverkennbar. Es lässt sich dieser nicht blos an dem bereits im Alterthum beobachteten und auch gegenwärtig zeitweise vorkommenden epidemieartigen Auftreten der Selbstmorde erkennen, sondern auch daraus, dass auch bezüglich der Wahl der Todesart und sogar bezüglich der Wahl der Stelle, wo der Selbstmord ausgeführt wird[275] und bei Vergiftungen auch in der Wahl des Giftes sich die Nachahmung bemerkbar macht. So lehrt die Erfahrung, dass die Selbstmörder sich nicht selten von bestimmten Brücken in’s Wasser stürzen, und sogar dieselben Stellen der Brücke wählen, die bereits Andere vor ihnen benützt hatten, und jede grosse Stadt hat bestimmte Orte, Parke, Wälder etc., wo häufiger als anderswo Selbstmorde begangen werden.