Als der Talmudist, ein Bündel Kräuter in der Hand, aus dem Walde heimkehrte, fand er den jungen Arzt mit Perle in der Laube. Pfeffermann sezirte den todten Hund und erklärte dem mit einer Art Andacht lauschenden Mädchen den Bau des thierischen Organismus.
Mebus that erst, als bemerke er es nicht, dann sah er von Weitem hin, allmählig näherte er sich auf den Fussspitzen und schliesslich stand er sprachlos vor dem offenen Körper, und es war ihm, als habe der junge Arzt eine geheimnissvolle Pforte vor ihm aufgethan, durch die er in die Werkstatt Gottes blicken konnte.
»Welches Wunder!« rief er plötzlich, die Hände zum Himmel erhebend. »Das Wort des Propheten Joel ist wahr geworden: Einst werde ich meinen Geist über alles Fleisch ergiessen und Eure Söhne und Töchter werden weissagen. – Meine Hand, Herr Pfeffermann, ich werde mir auch nicht mehr anmassen, einen Menschen heilen zu wollen.«
»Doch, Herr Kohn«, sagte der Arzt, »aber wir wollen theilen, ich nehme die Leiber auf mich und Sie die Seelen. Sie sehen, ich gebe Ihnen den besseren Theil, denn es gibt auch kranke Seelen, und für diese sind Schrift und Talmud eine oft erprobte Medizin.«
»Sie haben recht. Wir wollen Freunde sein und bleiben, Herr Pfeffermann.«
»Das ist mir zu wenig, Herr Mebus Kohn«, rief der junge Arzt.
»Ja, was wollen Sie denn noch?«
»Ihre Tochter, Herr Kohn.«
»Perle?«
Das liebe Mädchen sah ihn verschämt an und nickte mit dem Kopfe.