»Fischele Löwenhaupt.«

»So – gerade sie wird mich nehmen.«

Nicht lange darnach war Purim, der jüdische Karneval. Fischele war zu ihrem Oheim, dem reichen Kaufmann Marderkopf, geladen, und als die jungen Leute heiter zu werden begannen, erschien auch der Possenreisser, denn was wäre Purim ohne Adolf Tigersohn gewesen.

Der heitere Weise war diesmal als Türke gekleidet, hatte eine riesige Maskennase, eine grosse Brille und eine fuchsrote Perücke.

Ein von Frau Marderkopf wunderbar nach Art des Leviathan zubereiteter Hecht gab dem Possenreisser Anlass, mit den Leberreimen zu beginnen, in denen er besonders gross war. Nachdem er alle Anwesenden mehr oder minder durchgehechelt hatte, wendete er sich an Fischele und sprach unter köstlichen Grimassen:

Die Leber ist von einem Hecht und nicht von einem Bär,
Wenn manches Mädchen schweigen könnt', es vielmals besser wär.
Die Leber ist von einem Hecht und nicht von einem Rochen,
Man findet schwerlich einen Mann mit nichts als Haut und Knochen.

Während die Anderen in ein schallendes Gelächter ausbrachen, floh die arme Fischele hinaus auf den Flur und als Tigersohn sich nun gleichfalls aus dem Staube machte, sah er sie draussen in einem dunklen Winkel stehen und weinen.


Der Possenreisser liess erst ein paar Wochen in das Land gehen, dann kam er eines Tages in das Haus des Tapezierers Löwenhaupt, und da er ein helles Kleid hinter den Stachelbeerhecken erblickte, schlich er vorsichtig in den Garten und sah richtig Fischele in der Laube mit einem Buch und einem Strickstrumpf.