Sie lebten wie zwei Täubchen. Wenn es überall Zank gab, im Hause des Possenreissers gab es keinen, ja nicht einmal eine Gardinenpredigt, die doch in einem deutschen Hausstand unerlässlich scheint.

»Wie macht es doch dieser Narr,« sagte eines Tages der reiche Moritz Weintraub, »dass ihm seine Frau niemals den Kopf wäscht. Er sitzt doch oft länger im Gasthaus als wir und niemals hat er Verdruss mit ihr.«

Das war so einfach. Als die Honigwochen zu Ende waren, kam der Possenreisser einmal spät in der Nacht aus dem Wirthshaus zurück. Die junge Frau war schon zu Bett. Tigersohn kam in aller Hast herein und rief: »Schnell, Fischele, steh' auf, aber recht schnell.«

»Brennt es denn?« fragte sie erschrocken, während ihr Mann ihr die Hausschuhe anzog.

»Nein, nein, zieh' Dich nur an.«

Sie schlüpfte rasch in den blauen Morgenrock, welchen der Possenreisser bereit hielt.

»So,« sagte er, »noch die kleine Haube, die Dir so gut steht.«

Sie lächelte und setzte auch die Haube mit den rothen Bändern auf.

»Nein, bist Du hübsch!« rief der Possenreisser, »wer hat solch' eine Frau in Lindenberg? Niemand als Adolf Tigersohn. So, jetzt kann es losgehen.«