„Ich habe Mitleid mit ihm,“ antwortet sie, „aber ich liebe ihn nicht. Ich liebe niemand. Dich habe ich geliebt, so innig, so leidenschaftlich, so tief wie ich nur lieben konnte, aber jetzt liebe ich auch dich nicht mehr, mein Herz ist öde, tot, und das macht mich wehmütig.“
„Wanda!“ rief ich schmerzlich ergriffen.
„Auch du wirst mich bald nicht mehr lieben,“ fuhr sie fort, „sag’ es mir, wenn es einmal so weit ist, ich will dir dann die Freiheit zurückgeben.“
„Dann bleibe ich mein ganzes Leben dein Sklave, denn ich bete dich an und werde dich immer anbeten,“ rief ich, von jenem Fanatismus der Liebe ergriffen, der mir schon wiederholt so verderblich war.
Wanda betrachtete mich mit einem seltsamen Vergnügen. „Bedenke es wohl,“ sprach sie, „ich habe dich unendlich geliebt und war despotisch gegen dich, um deine Phantasie zu erfüllen, jetzt zittert noch etwas von jenem süßen Gefühl als innige Teilnahme für dich in meiner Brust, wenn auch dies verschwunden ist, wer weiß, ob ich dich dann frei gebe, ob ich dann nicht wirklich grausam, unbarmherzig, ja roh gegen dich werde, ob es mir nicht eine diabolische Freude macht, während ich gleichgültig bin oder einen anderen liebe, den Mann, der mich abgöttisch anbetet, zu quälen, zu foltern, und an seiner Liebe für mich sterben zu sehen. Bedenke das wohl!“
„Ich habe alles längst bedacht,“ erwiderte ich, wie im Fieber glühend, „ich kann nicht sein, nicht leben ohne dich; ich sterbe, wenn du mir die Freiheit gibst, laß mich dein Sklave sein, töte mich, aber stoße mich nicht von dir.“
„Nun, so sei mein Sklave,“ erwiderte sie, „aber vergiß nicht, daß ich dich nicht mehr liebe, und daß deine Liebe daher keinen größeren Wert für mich hat, wie die Ähnlichkeit eines Hundes, und Hunde tritt man.“
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Heute habe ich die mediceische Venus besucht.