Severin Kusiemski.“

Diese Zeilen übergebe ich der Mohrin und eile dann, so rasch ich nur kann, davon. Atemlos erreiche ich den Bahnhof, da fühle ich einen heftigen Stich im Herzen — ich halte — ich beginne zu weinen — O! es ist schmachvoll — ich will fliehen und kann nicht. Ich kehre um — wohin? — zu ihr — die ich verabscheue und anbete zu gleicher Zeit.

Wieder besinne ich mich. Ich kann nicht zurück. Ich darf nicht zurück.

Wie soll ich aber Florenz verlassen? Mir fällt ein, daß ich ja kein Geld habe, keinen Groschen. Nun also zu Fuß, ehrlich betteln ist besser, als das Brot einer Kurtisane essen.

Aber ich kann ja nicht fort.

Sie hat mein Wort, mein Ehrenwort. Ich muß zurück. Vielleicht entbindet sie mich dessen.

Nach einigen raschen Schritten bleibe ich wieder stehen.

Sie hat mein Ehrenwort, meinen Schwur, daß ich ihr Sklave bin, solange sie es will, solange sie mir nicht selbst die Freiheit schenkt; aber ich kann mich ja töten.

Ich gehe durch die Cascine an den Arno hinab, ganz hinab, wo sein gelbes Wasser eintönig plätschernd ein paar verlorene Weiden bespült — dort sitze ich und schließe meine Rechnung mit dem Dasein ab — ich lasse mein ganzes Leben an mir vorüberziehen und finde es recht erbärmlich, einzelne Freuden, unendlich viel Gleichgültiges und Wertloses, dazwischen reich gesäte Schmerzen, Leiden, Beängstigungen, Enttäuschungen, gescheiterte Hoffnungen, Gram, Sorge und Trauer.