„Nein, sie sind viel zu klein,“ erwiderte Wanda mit einem Seitenblick auf mich, „ich brauche eine große —“

„Für eine Bulldogge wohl?“ meinte der Kaufmann.

„Ja,“ rief sie, „in der Art, wie man sie in Rußland hatte für widerspenstige Sklaven.“

Sie suchte und wählte endlich eine Peitsche, bei deren Anblick es mich etwas unheimlich beschlich.

„Nun adieu, Severin,“ sagte sie, „ich habe noch einige Einkäufe, bei denen Sie mich nicht begleiten dürfen.“

Ich verabschiedete mich und machte einen Spaziergang, auf dem Rückwege sah ich Wanda aus dem Gewölbe eines Kürschners heraustreten. Sie winkte mir.

„Überlegen Sie sich’s noch,“ begann sie vergnügt, „ich habe Ihnen nie ein Geheimnis daraus gemacht, daß mich vorzüglich Ihr ernstes, sinnendes Wesen gefesselt hat; es reizt mich nun freilich, den ernsten Mann mir ganz hingegeben, ja geradezu verzückt zu meinen Füßen zu sehen — ob aber dieser Reiz auch anhalten wird? Das Weib liebt den Mann, den Sklaven mißhandelt es und stößt ihn zuletzt noch mit dem Fuße weg.“

„Nun, so stoße mich mit dem Fuße fort, wenn du mich satt hast,“ entgegnete ich, „ich will dein Sklave sein.“

„Ich sehe, daß gefährliche Anlagen in mir schlummern,“ sagte Wanda, nachdem wir wieder einige Schritte gegangen waren, „du weckst sie und nicht zu deinem Besten, du verstehst es, die Genußsucht, die Grausamkeit, den Übermut so verlockend zu schildern — was wirst du sagen, wenn ich mich darin versuche und wenn ich es zuerst an dir versuche, wie Dionys, welcher den Erfinder des eisernen Ochsen zuerst in demselben braten ließ, um sich zu überzeugen, ob sein Jammern, sein Todesröcheln auch wirklich wie das Brüllen eines Ochsen klinge.“

„Vielleicht bin ich so ein weiblicher Dionys?“