„Ich verstehe nicht,“ sprach sie, als ich geendet hatte, „wie ein Mann große und schöne Gedanken im Vortrage so wunderbar klar, so scharf, so vernünftig auseinandersetzen und dabei ein solcher Phantast, ein übersinnlicher Schlemihl sein kann.“

„Warst du zufrieden,“ sagte ich und küßte ihre Hand.

Sie strich mir freundlich über die Stirne. „Ich liebe dich, Severin,“ flüsterte sie, „ich glaube, ich könnte keinen anderen Mann mehr lieben. Wir wollen vernünftig sein, willst du?“

Statt zu antworten, schloß ich sie in meine Arme; ein tief inniges, wehmütiges Glück erfüllte meine Brust, meine Augen wurden naß, eine Träne fiel auf ihre Hand herab.

„Wie kannst du weinen!“ rief sie, „du bist ein Kind.“

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Wir begegneten bei einer Spazierfahrt dem russischen Fürsten im Wagen. Er war offenbar unangenehm überrascht, mich an Wandas Seite zu sehen und schien sie mit seinen elektrischen, grauen Augen durchbohren zu wollen, sie aber — ich hätte in diesem Augenblicke vor ihr niederknien und ihre Füße küssen mögen — sie schien ihn nicht zu bemerken, sie ließ ihren Blick gleichgültig über ihn gleiten, wie über einen leblosen Gegenstand, einen Baum etwa, und wendete sich dann mit ihrem liebreizenden Lächeln zu mir.

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Als ich ihr heute gute Nacht sagte, schien sie mir plötzlich ohne jeden Anlaß zerstreut und verstimmt. Was sie wohl beschäftigen mochte?

„Mir ist leid, daß du gehst,“ sagte sie, als ich schon auf der Schwelle stand.