Hier hinein traten John Crofton und Romulus Futurus. Letzterer stellte dort seinen photographischen Apparat auf und schob die empfindliche „Lumen“-Platte ein.

Dann setzte er den Verschluß in Tätigkeit.

Der Gelehrte hatte nämlich in den letzten Wochen seine Erfindung noch vervollständigt, und zwar in einer Weise, die niemand ahnte und die ohne Zweifel einschneidend in das Rechts- und Kulturleben aller Völker wirken mußte.

Nachdem er sich überzeugt, daß die „Lumen“-Platte die menschlichen Physiognomien so photographierte, wie sie waren, und nicht, wie sie schienen, hatte er seinen Apparat kinematographisch eingerichtet und so vervollständigt, daß er in einer Sekunde mindestens zwanzig Aufnahmen bewerkstelligte. Auf diese Weise war die „Lumen“-Platte noch zwanzigmal verfeinert worden, denn die menschlichen Physiognomien zeigten sich jetzt nicht nur in einem bestimmten Augenblick, wie sie waren, sondern sie zeigten sich in diesem Augenblick zwanzigmal vervielfältigt, in ihren geheimsten Regungen, und damit war eine tatsächliche Gedankenphotographie geschaffen worden. Man brauchte sich nur wenig Mühe zu geben, nur die einzelnen Mienenbewegungen zu studieren. Romulus Futurus hatte hierfür

bereits einen Schlüssel entworfen, denn auch die Bewegungen des menschlichen Gesichts sind bestimmten Gesetzen unterworfen. Es gibt eben auch da nur eine bestimmte Anzahl von Veränderungen, von denen jede einen bestimmten Gedanken ausprägt.

Nachdem also Romulus Futurus seinen Apparat in Bewegung gesetzt, trat er mit John Crofton in die Zelle des Dr. Diabel ein; der hatte selbstverständlich die Vorbereitungen beobachtet, welche gemacht worden waren, und sah so deutlich den Apparat, dessen weißes Auge vom Fenster auf ihn gerichtet war.

Er lachte, als die beiden Männer eintraten.

„Ihr werdet euch täuschen,“ dachte er: „Von mir werdet ihr nichts erfahren!“ Zu gleicher Zeit überlegte er sich, daß er nun auf keinen Fall an Miß Happy Head-Divina denken durfte, denn die Eigenschaften der „Lumen“-Platte waren ihm natürlich längst bekannt.

„Ich werde weder an Miß Happy denken, noch daran, daß der Vertrag sich in ihren Händen befindet und daß sie ihn unter dem Sitzleder eines Plüschsessels in ihrem Saale verborgen hält,“ dachte er. Und wirklich gab er seinen Gedanken eine ganz andere Richtung, als die beiden Männer eingetreten waren und Romulus Futurus, in seiner Eigenschaft als oberster Polizeibeamter, ihn einem eingehenden Verhör unterzog.

Dieses verlief ebenso ergebnislos wie das durch den Untersuchungsrichter vorgenommene, und Romulus verließ mit seinem Freunde Crofton die Zelle, während ein geheimnisvolles Lächeln auf den Lippen des großen Menschenkenners lag.