Vorwort zur ersten Auflage.
Wenig bekannt in weiteren Kreisen ist die älteste Geschichte Argentiniens, welche nicht lange nach der Entdeckung Amerikas ansetzt. Und doch verdienen gerade diese Zeiten genauer gekannt und gewürdigt zu werden; geben sie uns doch den Schlüssel zum Verständnis vieler politischer, wirtschaftlicher und sozialer Vorgänge der Gegenwart, welche den Europäer befremden. Aber ganz abgesehen davon, gehört es zur allgemeinen Bildung, wenigstens oberflächlich von den ältesten geschichtlichen Vorgängen der La Plata-Länder etwas zu wissen, und wir Deutsche sollten uns das ganz besonders zu Herzen nehmen; wie Federmann in Venezuela und Staden in Brasilien, so hat am Silberstrom Ulrich Schmidel seine Erlebnisse aufgezeichnet, und seine »warhafftige und liebliche Beschreibung etlicher furnemen Indianischen Landschafften und Insulen, die vormals in keiner Chronicken gedacht, und erstlich in der Schiffart Ulrici Schmidts von Straubingen, mit großer gefahr erkundigt, und von ihm selber auffs fleißigst beschrieben und dargethan« hat ihm die ehrenvolle Bezeichnung als ersten Geschichtschreiber der La Plata-Länder eingetragen.
Verfasser dieses Heftchens hält es daher nicht für überflüssig, aus der hauptsächlichsten Literatur und unter vielfach wörtlicher, nicht immer extra als solcher bezeichneten Übernahme wichtiger Stellen eine übersichtliche Darstellung jener alten Vorgänge vorzulegen, welche allen denen willkommen sein dürfte, welche sich darüber orientieren wollen.
Vorwort zur zweiten Auflage.
Die Ende 1909 in Buenos Aires gedruckte erste Auflage wurde nur in 300 Exemplaren hergestellt und war bald vergriffen. Dem Deutschtum im Auslande könnte aber wohl gedient werden, wenn die Kenntnis von dem wackeren Ulrich Schmidel in den weitesten Kreisen verbreitet würde, und so ließ ich die vorliegende zweite Auflage anfertigen. Geändert wurde nur der Titel, wo die Jahreszahlen 1535–1555 zugefügt wurden. Sonstige Änderungen an dem ganz volkstümlich gehaltenen Heftchen vorzunehmen, lag keine Veranlassung vor.
Möge die deutsche Kolonie zu Buenos Aires bei passender Gelegenheit sich ihres Landsmannes entsinnen. Mögen die vorliegenden bescheidenen Zeilen diese Anregung in weite und denkende Kreise tragen!