„Zum Teufel noch einmal, Pew, wir haben doch die Dublonen!“ brummte einer.
„Sie werden das verdammte Zeug versteckt haben“, sagte ein anderer. „Nimm die Goldstücke, Pew, und hör auf zu brüllen.“
Brüllen war die richtige Bezeichnung dafür, aber Pews Wut wurde darum nur ärger. Schließlich raubte sie ihm ganz die Besinnung und er schlug in seiner Blindheit rechts und links in die Leute hinein und mehr als einer wurde empfindlich vom Stock getroffen.
Die andern wieder fluchten zurück, drohten dem Blinden in schauderhaften Ausdrücken und versuchten vergeblich ihm den Stock zu entreißen.
Dieser Streit war unsere Rettung. Denn während er noch tobte, hörte man vom Hügelabhang an der Dorfseite ein anderes Geräusch: das Getrappel von herangaloppierenden Pferden und fast gleichzeitig aus dem Gehölz einen Pistolenschuß, Blitz und Knall. Das war offensichtlich das äußerste Warnungssignal, denn die Piraten wandten sich schleunigst zur Flucht und rannten in alle Windrichtungen verstreut fort, der eine die Bucht entlang seewärts, ein anderer quer über den Hügel und in einer halben Minute war keiner mehr zu sehen außer Pew. Ihn hatten sie verlassen, ob bloß aus Angst oder aus Rache für seine Schimpfreden und Schläge, weiß ich nicht. Er blieb zurück, tappte wie rasend die Straße auf und ab, tastete herum und schrie nach seinen Genossen. Endlich kam er in die falsche Richtung, lief ein paar Schritte dem Dorf zu, immerfort rufend:
„Johnny, schwarzer Hund, Dirk!“ und andere Namen, „ihr werdet doch den alten Pew nicht verlassen?“ Gerade da ertönte das Rossegetrappel von der Höhe her und vier oder fünf Reiter wurden im Mondlicht oben sichtbar und fegten in vollem Galopp den Abhang hinunter.
Jetzt erst erkannte Pew seinen Irrtum. Mit einem Schrei drehte er sich um und lief gerade in den Graben hinein. Doch in einer Sekunde war er wieder auf den Beinen, machte ganz verwirrt einen zweiten Satz und diesmal kam er mitten unter die Hufe des ersten Rosses.
Der Reiter versuchte das Pferd zurückzureißen, jedoch vergeblich. Mit einem Schrei, der weit in die Nacht hinausgellte, fiel Pew nieder und die vier Hufe zertrampelten und zerdrückten ihn und eilten weiter. Er fiel auf die Seite, dann sank er langsam nach vorn und rührte sich nicht mehr.
Ich sprang auf die Füße und rief die Reiter an. Sie hielten, ohnehin entsetzt über das Unglück, und ich konnte nun sehen, wer sie waren. Der eine, welcher zu hinterst ritt, war ein Bursche aus dem Dorfe, der zu Dr. Livesay geritten war. Die übrigen waren Gendarmerieoffiziere, die er unterwegs getroffen hatte und mit denen er gleich umgekehrt war. Die Gerüchte über den Kutter im Möwenloch hatten ihren Weg zum Oberaufseher Dance gefunden und führten ihn an diesem Abend in die Richtung unseres Hauses. Diesem Umstande verdankten wir, meine Mutter und ich, unsere Rettung.
Pew war tot, mausetot. Meine Mutter brachten, nachdem wir sie ins Dorf getragen hatten, etwas kaltes Wasser und Riechsalz bald wieder auf die Beine, und trotz des Schreckens war sie ganz wohlauf, obwohl sie nicht aufhörte dem Rest ihres Geldes nachzutrauern. Inzwischen ritt der Oberaufseher so rasch er konnte nach dem Möwenloch. Doch mußten seine Leute absitzen und, in der Schlucht herumirrend, die Pferde am Zügel führen und manchmal sogar stützen, dabei immerfort eines Überfalles gewärtig, herumhorchen.