„Wo sind wir?“ fragte ich.

„Bristol!“ sagte Tom. „Aussteigen!“

Herr Trelawney hatte seinen Wohnsitz in einem Gasthof weit draußen bei den Docks aufgeschlagen, um die Arbeiten auf dem Schooner leicht beaufsichtigen zu können. Dorthin mußten wir nun gehen und zu meinem Entzücken führte unser Weg die Kais entlang und vorbei an einer Unzahl von Schiffen aller Größen, Arten und Nationen. Auf dem einen sangen Matrosen bei der Arbeit, auf einem andern hingen Leute hoch über meinem Kopf an Strickleitern, die nicht dicker aussahen als Spinnweben. Obwohl ich am Meeresstrande gelebt hatte, schien es mir als hätte ich das Meer nie gekannt. Der Teer- und Salzgeruch waren mir neu. Ich sah die seltsamsten Gallionfiguren auf fremdländischen Schiffen und viele, alte Seeleute mit Ohrgehängen und gelockten Backenbärten und geteerten Zöpfen, mit ihrem schwankenden, schwerfälligen Seemannsgang. Wenn mir ebensoviele Könige oder Erzbischöfe begegnet wären, ich hätte nicht begeisterter sein können.

Und ich selbst wollte aufs Meer hinaus! Auf einem Schooner, mit einem pfeifenden Bootsmann und bezopften, singenden Matrosen, zur See, nach einer unbekannten Insel, vergrabene Schätze zu suchen!

Während ich noch in diesen herrlichen Träumen schwelgte, kamen wir plötzlich vor ein großes Gasthaus und trafen Herrn Trelawney, der ganz wie ein Seeoffizier ausstaffiert war und mit einem Lächeln auf den Lippen in einer ausgezeichneten Nachahmung des breitbeinigen Ganges der Seeleute aus der Türe trat.

„Da seid Ihr,“ rief er, „und der Doktor ist heute Nacht aus London eingetroffen! Bravo! Die Schiffsgesellschaft ist beisammen!“

„O Herr!“ rief ich, „wann segeln wir?“

„Segeln!“ sagte er, „wir segeln morgen!“


Achtes Kapitel
Der Gasthof „zum Fernrohr“